TVB Stuttgart

TVB braucht einen Sieg – sonst wird’s ungemütlich

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Viel Biss zeigen müssen Felix Lobedank (mit Ball, gegen den Wetzlarer Stefan Cavor) und der TVB 1898 Stuttgart gegen den Aufsteiger TSV GWD Minden an diesem Freitag. Ein Sieg im Abstiegskampf ist Pflicht. Dabei darf der TVB auf die Unterstützung seiner Fans hoffen: Die Scharrena ist ausverkauft. © Heiko Potthoff

Die weiterhin angespannte Personallage und etwas magere Punktebilanz könnten die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart noch einmal zum Handeln zwingen: Trainingsgast in dieser Woche ist der aktuell vereinslose Dragos Oprea. Gut möglich, dass der Ex-Göppinger bereits an diesem Freitag (19.45 Uhr; Liveticker auf zvw.de/liveticker) im Heimspiel gegen Minden sein Comeback feiern wird.

Bei Redaktionsschluss war die Entscheidung noch nicht gefallen, es gab noch ein paar Details zu klären. Allerdings haben sich am Donnerstag die Anzeichen verdichtet, dass nach dem Torhüter Mihai Pop ein zweiter Aushilfsspieler den TVB für die letzten Spiele vor der WM-Pause unterstützen wird: Von 2002 bis 2015 spielte Dragos „Dodo“ Oprea für den Erstligisten FA Göppingen, von September bis Dezember 2015 half der Linksaußen beim THW Kiel aus und schloss sich in der Rückrunde dem Zweitligisten TuS Ferndorf an. In dieser Saison ist der 34-Jährige ohne Vertrag, weshalb er sofort spielberechtigt wäre.

Mit dem fünften Saisonsieg würde ein wenig Ruhe einkehren am Zipfelbach

Noch dreimal bietet sich dem TVB in diesem Kalenderjahr die Gelegenheit, seine Ausgangsposition im Abstiegskampf zu verbessern. Am besten stehen dabei die Chancen an diesem Freitag in der ausverkauften Scharrena. Auch wenn der Aufsteiger TSV GWD Minden die Krallen ausfahren wird, gibt’s für den TVB nur ein Ziel: Mit dem fünften Saisonsieg würde ein wenig Ruhe einkehren am Zipfelbach, der aktuell nicht ganz so ruhig dahinfließt.

Andere Sorgen als die Frage nach dem Nationaltrainer-Posten

Nach 15 Spieltagen trennen den TVB lediglich zwei Punkte von den Abstiegsrängen, mit den Langzeitverletzten ist im Hinrunden-Endspurt nicht zu rechnen. Und schließlich ist der TVB in die Casting-Show des Deutschen Handball-Bundes involviert, der auf der Suche nach einem Nachfolger für den scheidenden Bundestrainer Dagur Sigurdsson ist und den TVB-Trainer Markus Baur für einen geeigneten Kandidaten hält.

Wie groß Baurs Chancen im Fernduell mit dem Leipziger Coach Christian Prokop sind, ist schwer zu sagen. Jedenfalls scheinen Baur und der TVB-Geschäftsführer ziemlich genervt von diesem Theater. „Wir haben immer noch keine offizielle Anfrage des DHB“, sagte Schweikardt auf der Pressekonferenz nach dem Spiel in Wetzlar vorige Woche. So lange werde er sich mit dem Thema auch nicht beschäftigen. „Außerdem haben wir derzeit andere Sorgen.“

Der Abstiegskampf zehrt an den Nerven. Und auf den können sich Schweikardt und Baur in den nächsten drei Spielen voll konzentrieren, hat doch der DHB-Vizepräsident Bob Hanning mittlerweile verlauten lassen, dass die Gespräche mit den Kandidaten und Vereinen erst wieder im neuen Jahr aufgenommen würden.

Rückrundenspielplan: Sechs Spiele in 19 Tagen

Abgearbeitet worden ist vergangene Woche ein anderes Thema, bei dem der TVB allerdings nur bedingt Einfluss hatte: Die Handball-Bundesliga (HBL) hat die Rückrunden-Termine fixiert. Besonders glücklich dürften die Bittenfelder nicht sein. Klar war, dass neun Auswärtsspielen lediglich sieben Heimspiele gegenüberstehen werden. Der zerpflückte Spielplan und die Ballung von Heim- und Auswärtspartien ist aber durchaus ein Ärgernis. Die internationalen Verpflichtungen der Konkurrenz lassen hier offensichtlich keinen großen Spielraum. Im Februar und März stehen für den TVB drei Heimspiele in Folge an, im Mai dagegen muss er viermal hintereinander reisen. Zudem dürfte es schwierig werden, einen Spielrhythmus zu finden. Drei Wochen Pause hat die Mannschaft im März und zwei Wochen im Mai – dafür trifft es den TVB in der zweiten Hälfte des Monats mit sechs Spielen in 19 Tagen extrem hart.

Der Druck auf den TVB ist gewaltig

Bis zum Mai hätten die Bittenfelder gerne die meisten Punkte beisammen, die für den Ligaverbleib nötig sind. Dazu indes dürfen sie in den Heimspielen und in den Partien gegen die direkten Konkurrenten nicht viele Punkte liegenlassen. Schon gar nicht gegen einen Aufsteiger wie den TSV GWD Minden – der Druck auf den TVB ist also gewaltig.

„Die Spieler sind sich bewusst, dass sie mitten im Abstiegskampf stecken“, sagt der Trainer Markus Baur vor dem bedeutsamen Match. „Das war aber in der vergangenen Saison auch nicht anders.“ In vergleichbar wichtigen Spielen in dieser Saison sei sein Team mit solchen Situationen gut klargekommen. Gegen die direkten Abstiegskonkurrenten Bergischer HC, HSC Coburg und TBV Lemgo setzte sich der TVB durch.

Minden will keine Fahrstuhlmannschaft sein

Der TSV GWD Minden schaffte nach dem Abstieg als souveräner Zweiter den sofortigen Wiederaufstieg und möchte das Etikett der Fahrstuhlmannschaft endlich ablegen. Und das Team von Trainer Frank Carstens scheint auf einem guten Weg: Elf Punkte hat es auf dem Konto und ordentliche Aussichten, sich in den restlichen drei Partien in diesem Jahr – in Stuttgart sowie in den beiden Heimspielen gegen Wetzlar und Lemgo – ausreichend Winterspeck anzufuttern vor der Rückrunde. Zuletzt überzeugte Minden beim 26:23-Erfolg gegen Gummersbach, zuvor hatte es unter anderem den SC Magdeburg mit 34:24 bezwungen und gegen die Abstiegskonkurrenten Lemgo, Balingen und Coburg gepunktet.

Nach dem Aufstieg verloren die Mindener nur einen Spieler, verstärkten sich aber am Kreis mit dem Abwehrspezialisten Magnus Jernemyr und im linken Rückraum mit Helge Freimann. Dreh- und Angelpunkt des Teams ist seit Jahren der Spielmacher Dalibor Doder, wie seine schwedischen Kollegen Jernemyr und Freimann mit Nationalmannschaftserfahrung. Shooter im rechten Rückraum ist der norwegische Nationalspieler Christoffer Rambo. Mit Moritz Schäpsmeier und Sören Südmeier gibt’s im Rückraum noch ausreichend Alternativen.

Einsatz von Michael Schweikardt fraglich

„Minden hat eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern“, sagt Markus Baur. „Wir müssen bereit sein, den Kampf anzunehmen.“ Ein kleines Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Michael Schweikardt, der krankheitsbedingt bis Donnerstag nicht trainiert hat. Seit dem verletzungsbedingten Ausfall von Tobias Schimmelbauer agiert der Spielmacher häufig auf Linksaußen. Sollte Schweikardt nicht spielen können, bliebe auf dieser Position als Alternative noch Alex Heib.

Oder Dragos Oprea.

Ausschnitte der Partie TVB gegen den GWD Minden sind zu sehen auf www.zvw.de/sportvideos