TVB Stuttgart

TVB startet in die heiße Phase

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Jetzt gilt’s für Tobias Schimmelbauer (Mitte, gegen die Bergischen Löwen Moritz Preuss und Arnor Gunnarsson/11) und den TVB. Nach der längeren Spielpause erwartet der Aufsteiger an diesem Freitag mit dem TSV Hannover-Burgdorf das Team, das zuletzt dem Deutschen Meister THW Kiel einen Punkt abknöpfte. (Archivbild) © Ramona Adolf

Nach der dreiwöchigen Verschnaufpause beginnt für den Handball-Erstligisten TVB 1898 Stuttgart an diesem Freitag in der ausverkauften Scharrena die heiße Phase im Kampf gegen den Abstieg. Vier Punkte aus den restlichen acht Spielen, glauben die Verantwortlichen, müssten reichen – und hoffen, dass gegen den zuletzt starken TSV Hannover-Burgdorf was zu holen sein wird.

Sechs Mannschaften kämpfen um den Klassenverbleib, zwei wird’s erwischen. So viel ist acht Spieltage vor Saisonende sicher: Entgegen der Regel, dass die Aufsteiger nach einem Jahr umgehend die Rückreise in die 2. Liga antreten müssen, wird mit dem SC DHfK Leipzig ein Neuling auch in der kommenden Spielzeit in der höchsten deutschen Liga an den Start gehen. Und die Chancen, dass – mindestens – ein weiterer Aufsteiger das scheinbar Unmögliche möglich macht, stehen nicht schlecht: Drei Punkte hat der TVB 1898 Stuttgart Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz, den der Mitaufsteiger ThSV Eisenach derzeit einnimmt.

Die Eisenacher indes haben mit dem 24:22-Sieg in Lübbecke neue Hoffnung geschöpft. Dagegen sieht’s für die Lübbecker bei fünf Punkten Rückstand eher düster aus. Zittern müssen auch noch der Bergische HC und der HBW Balingen-Weilstetten – wobei für beide das etwas angenehmere Restprogramm spricht. Die besten Karten des Sextetts hat zweifellos der TBV Lemgo, dem wohl zwei weitere Punkte genügen dürften.

Vor der einen oder anderen lösbaren Aufgabe stehen auch die Bittenfelder. Immerhin können sie mit Siegen gegen die direkten Konkurrenten TuS Nettelstedt-Lübbecke und Balingen für eine Vorentscheidung sorgen im Abstiegskampf. Andererseits sind das auch jene Spiele, in denen das Team von Trainer Thomas König unter Zugzwang steht. In Göppingen, beim Vierten MT Melsungen, im Magdeburger Hexenkessel, gegen den Zweiten SG Flensburg-Handewitt und beim Saisonfinale in Kiel wird nach menschlichem Ermessen kaum etwas zu holen sein.

Und an diesem Freitag gegen den TSV Hannover-Burgdorf? Die Mannschaft des ehemaligen TVB-Kreisläufers Jens Bürkle steht mit 27:23 Punkten auf dem neunten Rang. „Das ist eine Mannschaft, die alles kann“, sagt Thomas König. „Sie hat allerdings noch große Schwankungen.“

So trotzten die Recken zuletzt mit einer bärenstarken Leistung dem Deutschen Meister THW Kiel beim 30:30 einen Punkt ab, führten 70 Sekunden vor dem Ende sogar noch mit zwei Toren. Mit der SG Flensburg-Handewitt ließ beim 25:25 ein weiterer Titelkandidat einen Punkt in Hannover. Von ihrer anderem Seite zeigten sich die Hannoveraner bei der 21:24-Niederlage beim Bergischen HC, beim Vorletzten Lübbecke mussten sie sich mit einem 29:29-Remis begnügen.

„Viel Qualität“ habe Hannover im Kader, sagt König. So viel, dass es gegen Kiel die Ausfälle der Europameister Kai Häfner und Erik Schmidt und des Spielmachers Morten Olsen verkraftet hat. Bis auf Häfner sind gegen den TVB alle Spieler einsatzfähig.

Zwei Nationalspieler am Kreis

Der isländische Nationalspieler Runar Karason vertrat den früheren Bittenfelder im rechten Rückraum zuletzt sehr gut. Außer Schmidt hat Hannover am Kreis mit dem Norweger Joakim Hykkerud einen weiteren Nationalspieler. International erfahren sind auch Mait Patrail (Estland), Csaba Szücs (Slowenien), Morten Olsen (Dänemark) und die beiden deutschen Ex-Nationalspieler Sven-Sören Christophersen (Rückraum) und der Torhüter Martin Ziemer. „Hannover spielt sehr variabel, im Angriff wie in der Abwehr“, sagt Thomas König. Im Training seien die diversen Auftakthandlungen des Gegners simuliert worden. „Die Favoritenrolle liegt zweifellos bei Hannover“, so der Coach. „Aber mit unseren Fans im Rücken ist in diesem Spiel alles möglich.“

Der Unterstützung des Publikums dürfen sich die Bittenfelder wieder einmal sicher sein: 13 Heimspiele wird der TVB am Freitag in der Porsche-Arena und Scharrena absolviert haben, lediglich die Partie gegen den SC Magdeburg in der Porsche-Arena war mit 4619 Fans nicht ausverkauft. Mit Respekt spricht Jens Bürkle von seinem ehemaligen Team. Seine Mannschaft müsse in der Scharrena „ziemlich viel“ richtig machen, lässt sich der Recken-Coach auf der vereinseigenen Homepage zitieren. Der souveräne 30:22-Hinspielsieg sei kein Maßstab, weil sich der TVB im Saisonverlauf stetig weiterentwickelt habe.

Auch wenn der eine oder andere Spieler noch von Wehwehchen geplagt wird – Kasper Kisum zwickt’s immer mal wieder am Rücken, Djibril M’Bengue an der Patellarsehne –, wird Thomas König zum ersten Mal seit langer Zeit seinen gesamten Kader beisammen und damit die Qual der Wahl bei der Aufstellung haben.

Verfolgen Sie das Spiel in unserem Liveticker unter www.zvw.de/liveticker. Ausschnitte der Partie finden Sie in Kürze auf www.zvw.de/sportvideos.


„Wir dürfen nicht verkrampfen“

Rechtsaußen Michael Spatz (33) über die Chancen im Abstiegskampf und seinen Abschied

Herr Spatz, die Verantwortlichen des TVB hätten Ihren Vertrag gerne verlängert. Sie werden den Verein allerdings am Ende der Saison verlassen. Wie schwer fiel Ihnen die Entscheidung? Schließlich haben die Fans Sie schnell ins Herz geschlossen.

Die Entscheidung ist mir natürlich nicht leicht gefallen. Ich fühle mich innerhalb der Mannschaft sehr wohl und auch die Arbeit mit unserem Trainer Thomas König macht viel Spaß. Auch die Spiele in der Scharrena und der Porsche-Arena vor einem super Publikum sind noch mal etwas ganz Besonderes für mich. Dennoch habe ich mich entschieden, wieder in meine Heimat zu gehen. Meine Frau wohnt noch in Aschaffenburg und da zieht es mich wieder zurück. Deswegen werde ich alles geben, um mit den Jungs die Klasse zu halten.

Bevor Sie beim TVB den Einjahresvertrag unterschrieben haben, war der Hausbau in der Heimat in Planung gegangen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir ziehen in die Nähe von Aschaffenburg. Der Hausbau geht gut voran und wir hoffen, spätestens im August einzuziehen.

Wie sehen die privaten und sportlichen Pläne aus?

Da will und kann ich noch nicht so viel dazu sagen. Aber ein wenig Handball spielen möchte ich natürlich schon noch, da ich noch fit bin und Spaß daran habe. Aber im Vordergrund wird dann der Beruf stehen, den Handball muss ein wenig nach hinten rücken. Ich gehe mal davon aus, dass ich in den nächsten Wochen schon ein wenig mehr dazu sagen kann.

Der Endspurt im Kampf um den Ligaverbleib steht an. Wie gut sind die Nerven? Womöglich werden die Partien in Lübbecke und gegen Balingen recht früh zu Endspielen angesichts des harten Restprogramms.

Jeder im Verein und der Mannschaft weiß natürlich, dass dies ganz wichtige und entscheidende Spiele sein können. Ich denke aber, dass wir auch in den ersten Spielen nach der Pause gegen den Bergischen HC und Lemgo bewiesen haben, dass wir wichtige Spiele gewinnen können. Natürlich werden die letzten Spiele enorm schwer, aber wir dürfen deswegen auch nicht in den Spielen zuvor verkrampfen, sondern müssen das zeigen, was wir können.

Sollte dem TVB der Ligaverbleib nicht gelingen: Wie groß wäre der Flurschaden im Hinblick auf die kommenden Jahre?

Das ist natürlich zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu beantworten. Aber wir haben ein klares Ziel, das ist der Klassenerhalt. Dadurch mache ich mir keinerlei Gedanken über einen möglichen Abstieg. Und ganz unabhängig davon gehört eine Mannschaft wie Bittenfeld mit dem Standort Stuttgart, den Rahmenbedingungen und der Porsche-Arena in die 1. Bundesliga.

Liga kompakt

Noch Plätze frei sind im Fan-Bus, den der TVB zum nächsten Auswärtsspiel einsetzt: Am Samstag, 23. April, geht’s zum direkten Konkurrenten TuS Nettelstedt-Lübbecke. Abfahrt ist um 9 Uhr am Vereinsheim in Bittenfeld, Spielbeginn ist um 19 Uhr. Die Rückfahrt ist etwa 30 Minuten nach Spielende geplant. Kosten für Fahrt und Ticket: 45 Euro. Verbindliche Anmeldungen nimmt Patrick Rommel entgegen: pr@tvb1898.de.

In einem Benefizspiel trifft der TVB am Mittwoch, 4. Mai, auf den TSV Neuhausen/Filder, Zweiter der Baden-Württemberg-Oberliga. Spielbeginn in der Sporthalle in Weinstadt-Beutelsbach ist um 19.30 Uhr. Die SG Weinstadt bewirtet und organisiert das Spiel, der Erlös geht zugunsten des DRK Weinstadt. Von 18 Uhr an stehen die TVB-Spieler für Autogramme zur Verfügung. Es gibt noch ein paar Karten im Vorverkauf bei den Kreissparkassen in Beutelsbach, Großheppach und Endersbach.

Mit 20 Toren Vorsprung kommt der aktuell beste Schütze aus der dreiwöchigen Pause: Petar Nenadic (Füchse Berlin) hat 188-mal getroffen, Maximilian Holst 169-mal. Dritter ist Robert Weber (SC Magdeburg/165). Der Bittenfelder Rechtsaußen Michael Spatz folgt mit 141 Toren auf Rang sechs. Vor ihm rangieren mit Uwe Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen/161) und Hans Lindberg (Füchse Berlin/152) weitere Außenspieler. In den Top Ten tauchen mit Nenadic und dem derzeit verletzten Kai Häfner (TSV Hannover-Burgdorf) lediglich zwei Rückraumspieler auf.

Der THW Kiel zieht an der Spitze des Zuschauer-Rankings einsam seine Kreise: 10 285 Fans wollten die Zebras im Schnitt sehen. Zweiter sind die Rhein-Neckar Löwen (8321). Auf Platz 13 hat sich der TVB eingenistet (3961).

Überraschend deutlich hat sich der Tabellenführer im vorgezogenen Mittwochspiel durchgesetzt: Die Rhein-Neckar Löwen siegten beim VfL Gummersbach mit 33:21 (15:9).