TVB Stuttgart

TVB-Trainer Roi Sánchez fordert „mehr Spirit und Mentalität“

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Der neue TVB-Torhüter Miljan Vujovic feierte sein Bundesliga-Debüt zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt. Die Stuttgarter Abwehr ließ ihren Torhüter beim 29:42 gegen Kiel zu oft im Stich. Hier sieht sich der 21-jährige Slowene dem Kieler Nikola Bilyk gegenüber (links Jerome Müller). © Ralph Steinemann Pressefoto

Mit einem mutigen Auftritt gegen den deutschen Meister hatte der Handball-Erstligist TVB Stuttgart eine Portion Selbstvertrauen sammeln wollen für den Abstiegskampf. Die 29:42-Pleite zum Wiederbeginn der Liga nach der EM-Pause gegen den THW Kiel lässt allerdings nicht nur die Fans ratlos und zitternd zurück. „Es scheint so, dass wir im Wettkampf ein mentales Problem haben“, sagte Roi Sánchez bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Viel Zeit haben der TVB-Trainer und seine Spieler nicht, ihre Gedanken zu sortieren: Am Sonntag (16 Uhr) geht’s nach Lemgo. Die desolate Defensivleistung im Hinspiel (37:40) ähnelte der vom Donnerstagabend.

Trügerische Hoffnung

Optimismus ist wichtig in schwierigen Zeiten. So war sich der Sky-Experte Martin Schwalb vor der Partie zwischen dem TVB und dem THW Kiel sicher, „dass es bei Stuttgart in die richtige Richtung geht und der TVB hinten rauskommen wird“. Guter Dinge gewesen vor dem Spiel war auch Roi Sánchez. Die ordentlichen Leistungen in den Testspielen gegen den Ligakonkurrenten SC DHfK Leipzig (30:22) und den Schweizer Erstligisten Pfadi Winterthur (42:25) hatten die Hoffnung genährt, im ersten Pflichtspiel im neuen Jahr den Kielern Paroli bieten zu können. Mindestens. Zumal bei den Gästen mit dem Torhüter Niklas Landin sowie dem Kreisläufer und Abwehrspezialisten Hendrik Pekeler wichtige Säulen fehlten.

Indes: In der ersten Viertelstunde agierte der TVB wie das Kaninchen vor der Schlange. In Schockstarre in der Abwehr, fahrig und unkonzentriert im Angriff. Zumindest in der Offensive wurde es im zweiten Spielabschnitt eine Nuance besser, der Klassenunterschied blieb jedoch bestehen.

Es ist nicht der erste unerklärliche Auftritt des TVB in dieser Spielzeit gewesen. Auch wenn die immer besser in Fahrt kommenden Kieler in der Porsche-Arena einen Sahnetag erwischten, die Darbietung der Bittenfelder war über weite Strecken frustrierend. Natürlich auch für den Trainer, der auch am Tag nach der Schlappe nach Erklärungen suchte und der – so ist es eben in diesem Geschäft – mit jeder Niederlage mehr unter Druck gerät. Auch wenn der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt nach wie vor seinem Coach die Treue schwört. „Vor den schweren Spielen gegen Kiel, Lemgo und Berlin ist auch Geduld gefordert“, sagte er in der Vorausschau auf die verbleibenden 16 – jetzt noch 15 – Begegnungen.

Meine Mannschaft überrascht mich immer wieder

Sánchez selbst war bedient. „Wenn du nach 15 Minuten schon die zweite Auszeit nimmst und an die Ehre appellieren musst, dann ist das nicht gut“, sagte er. „Meine Mannschaft überrascht mich immer wieder – leider nicht immer positiv.“

Er habe vieles ausprobiert, nur wenig davon habe funktioniert. Für ein ziemliches Durcheinander sorgte der Ausfall von Abwehrchef Samuel Röthlisberger. Dominik Weiß und Adam Lönn erwischten im Mittelblock keinen guten Tag. Mit dem Schweizer rechnet Sánchez auch am Sonntag noch nicht. „Wir haben nicht viel Zeit und müssen jetzt dringend Spirit aufbauen und Mentalität zeigen.“ Bei allem Frust über den Auftritt und die Tatsache, dass sich der TVB mit derart hohen Niederlagen seine bis dato ordentliche Trefferdifferenz versaut: Es gab auch den einen oder anderen Lichtblick am Donnerstag. Der neue Torhüter Miljan Vujovic zeigte, dass er dem TVB weiterhelfen kann – und womöglich auch muss. Tobias Thulin, derzeit ohnehin in Corona-Quarantäne, scheint verunsichert zu sein – und Ivan Pesic nach seinem verheißungsvollen Debüt außer Form.

Gefreut hat sich Sánchez über das gute Comeback von Max Häfner nach über einem halben Jahr Pause. „Er wird uns mit seiner Dynamik und Wurfkraft guttun.“ Bestenfalls gleich am Sonntag. Der Gegner, der DHB-Pokalsieger TBV Lemgo, hatte am Donnerstag keinerlei Probleme mit dem TuS Nettelstedt-Lübbecke beim 27:22-Sieg. Schon mehrfach hat das Team von Trainer Florian Kehrmann in dieser Saison überrascht – unter anderem beim 21:21 gegen Kiel und beim 33:30-Sieg bei den Rhein-Neckar Löwen. Mit dem Torhüter Peter Johannesson und dem linken Rückraumspieler Jonathan Carlsbogard hat der TBV zwei schwedische Europameister in seinen Reihen. „Das wird sehr schwer“, sagt Sánchez. „Aber wir müssen punkten.“

Mit einem mutigen Auftritt gegen den deutschen Meister hatte der Handball-Erstligist TVB Stuttgart eine Portion Selbstvertrauen sammeln wollen für den Abstiegskampf. Die 29:42-Pleite zum Wiederbeginn der Liga nach der EM-Pause gegen den THW Kiel lässt allerdings nicht nur die Fans ratlos und zitternd zurück. „Es scheint so, dass wir im Wettkampf ein mentales Problem haben“, sagte Roi Sánchez bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Viel Zeit haben der TVB-Trainer und seine Spieler nicht, ihre

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