TVB Stuttgart

TVB vor Spitzenspiel gegen Rhein-Neckar-Löwen

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So viel Freiraum gab es für Teo Coric (mit Ball) im Hinspiel selten, der TVB unterlag in der Mannheimer SAP-Arena mit 20:31. Hier schauen (von links) Uwe Gensheimer , Mads Mensah Larsen (22) und Gedeon Guardiola zu. Im Rückspiel in der Porsche-Arena will der TVB dem Tabellenführer länger Paroli bieten. © Körner

In den verbleibenden zehn Saisonspielen in der Handball-Bundesliga bekommt es der TVB 1898 Stuttgart mit allen drei Titelanwärtern zu tun und ist dabei krasser Außenseiter. An diesem Mittwoch gastiert der Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen in der ausverkauften Porsche-Arena. „Unser Anspruch ist es, um jeden Ball zu kämpfen“, sagt TVB-Trainer König. „Egal gegen welchen Gegner.“

Interview mit dem TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt

Nach der Länderspielpause steht der TVB vor einer im Grunde unlösbaren Aufgabe: Um gegen den Bundesliga-Spitzenreiter und Champions-League-Achtelfinalisten Rhein-Neckar Löwen eine Chance zu haben, müssten Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. „Ich weiß nicht, wie die Wettquote ist“, sagt der TVB-Trainer Thomas König. „Von einem Sieg zu sprechen, wäre natürlich vermessen.“ Mit entsprechender Wertschätzung trete seine Mannschaft den Löwen gegenüber. „Zu groß jedoch darf der Respekt auch nicht sein.“

Beim Heimspiel will der TVB Stuttgart die Rhein-Neckar-Löwen ärgern

Alleine die Statistik spricht eindeutig für die Löwen. In der aktuellen Saison war der TVB in der ersten DHB-Pokalrunde beim 18:27 ebenso chancenlos wie im Punktspiel in der Mannheimer SAP-Arena beim 20:31. Ganze sieben Punktspiele hat die Mannschaft von Trainer Nicolaj Jacobson in eindreiviertel Spielzeiten verloren – vier in der vergangenen Saison, drei bislang in der aktuellen: 23:25 bei der MT Melsungen, 20:31 beim THW Kiel und 22:25 gegen die SG Flensburg-Handewitt. Indes: Die Sieger waren Top-Teams der Handball-Bundesliga, und dazu zählt der Aufsteiger logischerweise nicht.

„Die Liga hat aber schon gezeigt, dass man die Löwen ein bisschen ärgern kann, wenn sie einen schlechten Tag erwischen“, sagt König. Und wenn sein Team zur Höchstleistung aufläuft. „Wir wollen diese kleine Chance mit viel Leben füllen.“ Etwas Mühe hatten die Rhein-Neckar-Löwen beispielsweise beim Bergischen HC (24:21) und gegen den HBW Balingen-Weilstetten (29:24).

Schonen die Rhein-Neckar-Löwen ihre Kräfte fürs Champions-League-Spiel?

Dass der Tabellenführer eventuell Kräfte schonen könnte angesichts der anstehenden Aufgaben – am Ostermontag muss er gegen Zagreb im Champions-League-Achtelfinale ran –, daran mag der TVB-Coach nicht so recht glauben. „Ich vermute stark, die Löwen legen den Fokus auf die Meisterschaft.“ Die Chance auf den Titel sei jedenfalls sehr gut, „wenn sie die Saison solide zu Ende spielen“.

Viele Punktverluste indes darf sich der Vizemeister des Vorjahres nicht leisten angesichts der Konkurrenz, die ihm im Nacken sitzt. Die Löwen stehen also mehr unter Druck als der TVB, der allerdings auf dem Weg zum Ligaverbleib auch noch den einen oder anderen Zähler benötigt. Sollte sich gegen die Löwen die einkalkulierte Niederlage anbahnen, muss der TVB seinen Plan B erfüllen: Weil die Tordifferenz in der Endabrechnung entscheidend sein könnte, sollte eine Schlappe tunlichst vermieden werden.

TVB Stuttgart kämpft um jeden Ball, egal gegen wen

Aktuell ist der Aufsteiger in der Tordifferenz gegenüber der Konkurrenz im Vorteil, doch das kann sich rasch ändern. „Es wäre fatal, wenn wir unsere gute Ausgangsposition herschenken würden“, sagt König. „Wir werden um jeden Ball kämpfen – egal, gegen wen wir spielen.“ Dass die Trefferdifferenz auch im Titelrennen entscheidend sein kann, mussten die Löwen in der Saison 2013/14 erfahren: Punktgleich mit dem THW Kiel an der Spitze fehlten zwei Tore zur Meisterschaft. Dieses Szenario möchten sie kein zweites Mal erleben und werden in der Porsche-Arena versuchen, ihr kleines Torepolster auszubauen.

Für den TVB gilt es zunächst, den Rhein-Neckar-Löwen in der Abwehr die Zähne zu zeigen. Im Angriff darf sich der Aufsteiger nicht so viele Fehler leisten wie zuletzt in Leipzig, wo er sich auskontern ließ. Auch im Hinspiel in Mannheim resultierten neun der 19 Gegentreffer in den ersten 30 Minuten aus Gegenstößen.

Gespickt mit Nationalspielern

Die Nationalmannschafts-Außen Uwe Gensheimer und Patrick Groetzki bilden die wohl gefährlichste Flügelzange der Handball-Bundesliga. Mit dem Schweizer Nationalspieler Andy Schmid haben die Löwen einen der besten Spielmacher der Liga, mit Mikael Appelgren einen starken Rückhalt im Tor.

Das gesamte Team ist gespickt mit Nationalspielern: Hendrik Pekeler, Gedeon Guadiola und Rafael Baena spielen am Kreis. Im Rückraum hat Jacobsen die Wahl zwischen Harald Reinkind, Alexander Petersson, Mads Larsen, Kim Edkahl du Rietz und eben Andy Schmid. Besonders gefürchtet ist die Löwen-Defensive, die wahlweise mit einer 6:0-, 3:3- oder 1:5-Variante agiert und die wenigsten Gegentreffer in der Liga kassiert hat.

Personell kann der TVB aus dem Vollen schöpfen. Nach seinem Comeback in Leipzig könnte Lars Friedrich wieder eine wichtige Rolle einnehmen. „Lars kann einen Gegner vor weitere Aufgaben stellen.“ König hofft zudem, dass die Fans sein Team pushen werden. Für einen zusätzlichen Schub könnte die TV-Übertragung sorgen. „Da muss eigentlich jedem Spieler das Herz aufgehen“, sagt König.

Es gibt keine Karten mehr, das Spiel ist ausverkauft. Wir tickern hier live unter www.zvw.de/liveticker. Achtung: Spielbeginn ist wegen der Fernsehübertragung bereits um 19 Uhr.