TVB Stuttgart

Ziemlich stolz, aber auch ein bisschen sauer

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Diese Szene erzürnte den TVB-Trainer Markus Baur: Dominik Weiß (links am Boden) wurde von Patrick Wiencek beim letzten Bittenfelder Angriff gefoult, die Schiedsrichter Thomas Hörath und Timo Hofmann entschieden auf Freiwurf und verzichteten auf eine Bestrafung. Zudem sei die Uhr zu spät angehalten worden, so Baur. Damit wurde dem TVB die Chancen auf einen ordentlichen Angriff verwehrt. Von links: Nikola Bilyk, Mimi Kraus, Tobias Schimmelbauer, Marko Vujin, Vio Fotache, Andreas Wolff. © Ramona Adolf

Eine beeindruckende Leistung haben die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart bei der 24:25-Niederlage in Kiel gezeigt. Entsprechend stolz ist Trainer Markus Baur auf sein Team – aber auch ein wenig sauer auf die Unparteiischen. Mit dem finalen Angriff hatte der TVB die Chance auf einen Punkt. Die sei ihm aufgrund einer Fehlentscheidung verwehrt worden, findet Baur.

„Ich denke mal, bei der nächsten Schiedsrichter-Tagung wird diese Aktion für Diskussionsstoff sorgen“, sagt Markus Baur. Mit 25:24 führten die hochfavorisierten Kieler 75 Sekunden vor Ende gegen den abstiegsbedrohten TVB. Der starke TVB-Keeper Jogi Bitter parierte zunächst gegen Lukas Nilsson und anschließend gegen Nikola Bilyk. Elf Sekunden blieben den Bittenfeldern noch, um dem deutschen Serienmeister mit dem finalen Angriff einen Punkt abzuknöpfen. Der hätte für die Kieler wahrscheinlich das endgültige Aus im Meisterschaftsrennen bedeutet, der TVB hätte sich einen kaum für möglich gehaltenen Zähler im Abstiegskampf gesichert.

Der Kieler Patrick Wiencek stoppte Dominik Weiß bei dessen Wurf regelwidrig, nach dem Zusammenprall blieben beide am Boden liegen. Die Schiedsrichter Thomas Hörath und Timo Hofmann entschieden auf Freiwurf für den TVB – mehr nicht. Für Baur war die Aktion zeitstrafenwürdig. Mindestens. „Es war die letzte Szene im Spiel“, sagt der Coach. „Die Regel sagt, dass man da auch über eine Rote Karte und einen Siebenmeter nachdenken kann.“

Nicht viele haben die Chance, in Kiel zu gewinnen

Dass zudem die Uhr rund fünf Sekunden weitergelaufen sei nach dem Pfiff, so dass dem TVB nur noch zwei Sekunden für einen Abschluss blieben, monierte Baur ebenso. Da sei die Chance auf einen Treffer nicht mehr besonders gut gewesen. „Bei noch fünf Sekunden Spielzeit und mit sieben gegen fünf dagegen schon.“ Kraus scheiterte von halbrechts, die über 10 000 Kieler Fans jubelten.

So nahm der TVB nach einer durchweg überzeugenden Leistung – wieder einmal – lediglich viel Lob mit, die Punkte blieben im Norden. „Die Enttäuschung ist natürlich groß“, sagt Baur. „Es gibt nicht so oft die Chance, in Kiel zu gewinnen.“ In dieser Saison schaffte dies in der Bundesliga lediglich der Deutsche Meister Rhein-Neckar Löwen.

Das Ergebnis war so ziemlich das einzige, was Markus Baur am Sonntag störte. „Meine Mannschaft hat einen tollen Fight geliefert über 60 Minuten hinweg, sie hat exakt das gemacht, was wir uns vorgenommen hatten.“ Der Angriff habe diszipliniert und ruhig gespielt, die Abwehr großen Druck auf die Kieler ausgeübt und stets den Körperkontakt gesucht. Nach dem Geschmack der Kieler ging der TVB bisweilen zu heftig zu Werke – was Baur nicht unterstreichen kann. „In der ersten Halbzeit haben die Schiedsrichter die Messlatte auf beiden Seiten sehr hoch gelegt.“ Sprich: Sie haben viel zugelassen und kamen vor der Pause ohne Zeitstrafe aus. „In den zweiten 30 Minuten war das nicht mehr so.“

Geändert hat sich nicht nur die Spielleitung: Bei den Kielern stand fortan René Toft Hansen im Mittelblock. Der Abwehrchef sollte wegen Adduktorenproblemen eigentlich geschont werden, nun brauchte ihn der THW-Trainer Alfred Gislason doch – und der Däne avancierte zusammen mit dem überragenden deutschen Nationalkeeper Andreas Wolff zum Matchwinner. Die Kieler drehten den 12:15-Halbzeitrückstand in die 22:18-Führung.

In dieser Phase seien seinem Team ein, zwei technische Fehler unterlaufen, sagt Baur. Außerdem war er mit dem einen oder anderen Pfiff nicht einverstanden. „Wenn dann 10 000 Fans richtig Rabatz machen, wird’s schwierig.“ Dass sein Team den Kielern dennoch bis zur letzten Sekunde die Stirn bot, rechnet Baur ihm hoch an. „Diesen positiven Auftritt können wir komplett mitnehmen in die nächsten Spiele. Immerhin haben wir Kiel bei 25 Toren gehalten.“ Das ist in dieser Spielzeit lediglich drei Teams gelungen.

Damit dürfte der TVB mit reichlich Selbstvertrauen ins nächste Spiel am Gründonnerstag, 13. April, gegen die HSG Wetzlar gehen. Mit der Leistung gegen Kiel ist vor heimischer Kulisse gegen den Tabellensiebten sicherlich etwas zu holen.

Die Pressekonferenz und die Zusammenfassung finden Sie unter www.zvw.de/sportvideos

Info

Noch viermal haben die TVB-Fans in dieser Saison die Gelegenheit, ihre Mannschaft in Stuttgart zu unterstützen. Für das nächste Heimspiel in der Scharrena gegen die HSG Wetzlar am Gründonnerstag, 13. April, gibt es noch 44 Stehplatz-Tickets. Die anschließenden Partien gegen den VfL Gummersbach und die Füchse Berlin sind ausverkauft. Noch ausreichend Tickets gibt’s für das finale Heimspiel in der Porsche-Arena gegen den HSC Coburg.