TVB Stuttgart

Zuversicht beim Handball-Erstligisten TVB Stuttgart vor dem Neustart

Handball EHF EM, Hauptrunde, Gruppe 2, Polen vs. Schweden
Der Torhüter Tobias Thulin stand im schwedischen Team zwar im Schatten von Andreas Palicka, doch gegen Polen zeigte er, wozu er fähig ist. Oscar Bergendahl, der sich dem TVB in der nächsten Saison anschließen wird, spielte eine herausragende Europameisterschaft. © Marco Wolf

Zweieinhalb Wochen lang hat die von der Corona-Pandemie geprägte Europameisterschaft die Handball-Szene beherrscht, ab sofort richtet sich der Blick wieder aufs Ligageschehen. Für den abstiegsbedrohten Erstligisten TVB Stuttgart geht’s in acht Tagen mit dem Heimspiel gegen den Tabellenzweiten THW Kiel weiter. Optimal war die Vorbereitung nicht, schließlich stellte der TVB gleich sechs Spieler für die EM ab. „Sicherlich waren die Bedingungen nicht einfach“, sagt der Trainer Roi Sánchez. „Trotzdem haben wir gut gearbeitet.“ Der Geschäftsführer Jürgen Schweikardt hofft, dass die EM-Teilnehmer ihre überwiegend guten Leistungen und Selbstvertrauen mit in den Abstiegskampf nehmen werden.

Bester Abwehrspieler der EM war der künftige Bittenfelder Oscar Bergendahl

Mit dem schwedischen Torhüter Tobias Thulin kehrt sogar ein Europameister nach Stuttgart zurück. Der 26-Jährige hielt gegen Polen stark, ansonsten gab’s am überragenden Routinier Andreas Palicka kein Vorbeikommen. Ein künftiger Bittenfelder zählte zu den Überraschungen des Turniers: Thulins Landsmann Oscar Bergendahl, dessen Dienste sich der TVB im November vergangenen Jahres zur neuen Spielzeit gesichert hatte, wurde zum besten Abwehrspieler des Turniers gewählt. „Dass sich Oscar so ins Rampenlicht spielen würde, war nicht zu erwarten“, sagt Schweikardt. „Heute würden wir ihn sicher nicht mehr bekommen.“ Beim 27:26-Finalsieg der Schweden gegen Spanien war der 25-jährige Kreisläufer gemeinsam mit Niclas Ekberg mit je fünf Toren der erfolgreichste Werfer seines Teams. Er überzeugte auch in den Spielen davor in der Offensive wie in der Defensive.

Wieder ein gutes Näschen bei Neuverpflichtungen

Wieder einmal haben die TVB-Verantwortlichen ihr gutes Näschen bei Neuverpflichtungen bewiesen. Während Bergendahl bis zur EM eher wenig bekannt war, lässt sich das von der jüngsten Errungenschaft des TVB nicht behaupten: Silvio Heinevetter zählt zu den schillerndsten und bekanntesten Handballern in Deutschland. Erstens, weil der 204-fache Nationalspieler auch mit 37 Jahren noch ein internationaler Top-Torhüter ist. Zweitens, weil er mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält und extrem polarisiert. „Hauptgrund, warum wir Silvio verpflichtet haben, ist seine Klasse“, sagt Schweikardt. Mit 133 Paraden in 18 Spielen steht „Heine“ in der Rangliste der Erstliga-Torhüter an fünfter Stelle. Bei der 23:29-Niederlage des TVB in Melsungen hielt er 19 Würfe, was einer Quote von 45 Prozent entsprach.

Nicht zweimal überlegen müssen

Nachdem klar war, dass Melsungen den Vertrag mit Heinevetter nicht über die Saison hinaus verlängern wird, „haben wir nicht zweimal überlegen müssen“, so Schweikardt. „Wir haben es geschafft, Silvio von unserem Konzept zu überzeugen.“ Spieler mit Strahlkraft hat der TVB nach dem Abgang von Jogi Bitter – zu – wenige in seinen Reihen. Dass Heinevetter als schwieriger Typ gilt, kann der Geschäftsführer nicht bestätigen. Er habe ihn in den Gesprächen als sehr umgänglichen Typen kennengelernt. „Und dass er einen ligaunabhängigen Vertrag unterschrieben hat, zeigt, dass er vom Projekt überzeugt ist.“

Stand heute wird der TVB also mit drei Torhütern in die nächste Saison gehen: mit Tobias Thulin, Silvio Heinevetter und Miljan Vujovic. Letzterer wechselt überraschend jetzt bereits zum TVB. Weil Primoz Prost den TVB um die vorzeitige Freigabe gebeten hat, wurde ein Platz frei. Schweikardt fragte bei Vujovic’ Club RK Celje an, der den 21-Jährigen schließlich ziehen ließ. „Jeder Monat, der Miljan früher bei uns ist, wird ihm guttun. Er braucht Zeit, um sich an die Bundesliga zu gewöhnen.“

Der TVB hält an seinem mittelfristigen Ziel fest: Ein Platz unter den ersten zehn

Trägheit in den Personalplanungen ist dem TVB also nicht vorzuwerfen. Bleibt die Frage: Wie kann der Club derartige Verpflichtungen in diesen schwierigen Corona-Zeiten finanziell stemmen? „Wir haben uns schon im Herbst mit unseren Sponsoren zusammengesetzt und besprochen, wo der Weg hingehen soll“, sagt Schweikardt. Der TVB wolle mittelfristig unter die ersten zehn – unabhängig davon, was in dieser Saison passiere. „Wir sind finanziell gut aufgestellt. Diese Saison und die nächsten Jahre.“

Ein Abstieg freilich wäre ein Stolperstein auf diesem beschwerlichen Weg. „Wir glauben aber fest daran, dass wir weiterhin in der ersten Liga spielen werden“, so Schweikardt. Auch sein Trainer ist optimistisch – auch wenn die Vorbereitung auf die restlichen 16 Spiele alles andere als optimal war. Am 10. Januar hatte Roi Sánchez zum ersten Training gebeten, der Kader indes war ziemlich ausgedünnt: Die EM-Fahrer Ivan Pesic (Kroatien), Tobias Thulin (Schweden), Egon Hanusz (Ungarn), Viggó Kristjánsson (Island), Zarko Peshevski (Nordmazedonien) und der nachnominierte Patrick Zieker fehlten größtenteils. „Und wegen Corona durften wir aus der Jugend kaum Spieler dazunehmen“, sagt Sánchez. „Es war schwierig, aber wir haben trotzdem gut gearbeitet.“

Im Fokus stand die Abwehrarbeit

Im Fokus stand die Abwehrarbeit, schließlich war die Defensive der große Schwachpunkt in der Hinrunde. Zwei Testspiele gab’s gegen den Zweitligisten SG BBW Bietigheim (29:29) und den Schweizer Erstligisten Pfadi Winterthur (42:25). Dabei feierte der lange verletzte Max Häfner ein gutes Comeback. In sechs Wochen soll auch Fynn Nicolaus wieder mitmischen. An diesem Donnerstag folgt die Generalprobe gegen den Liga-Konkurrenten SC DHfK Leipzig, ernst wird’s eine Woche später gegen den Tabellenzweiten Kiel. Gleich ein aussichtsloses Unterfangen? „Wir dürfen nicht herumrechnen, gegen wen wir etwas holen können“, sagt Sánchez. „Wir müssen in jedem Spiel hundert Prozent geben.“

Zweieinhalb Wochen lang hat die von der Corona-Pandemie geprägte Europameisterschaft die Handball-Szene beherrscht, ab sofort richtet sich der Blick wieder aufs Ligageschehen. Für den abstiegsbedrohten Erstligisten TVB Stuttgart geht’s in acht Tagen mit dem Heimspiel gegen den Tabellenzweiten THW Kiel weiter. Optimal war die Vorbereitung nicht, schließlich stellte der TVB gleich sechs Spieler für die EM ab. „Sicherlich waren die Bedingungen nicht einfach“, sagt der Trainer Roi Sánchez.

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