TVB Stuttgart

Zwei Punkte für den TVB zum Abschluss – und ganz viele Tränen

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Mit dem beweglichen Egon Hanusz (mit Ball, hinten Adam Lönn) hatte die Melsunger Defensive erhebliche Probleme. Hier entwischt der Stuttgarter Spielmacher Gleb Kalarash. © Ralph Steinemann Pressefoto

Er ist fast schon ein bisschen kitschig gewesen. Besser jedenfalls hätte das Saisonende des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart nicht inszeniert werden können: Die Mitspieler setzten Dominik Weiß im finalen Angriff mustergültig in Szene, und „der Lange“ überwand Silvio Heinevetter im Kasten der MT Melsungen per Aufsetzer zum 28:25-Sieg (10:11) des TVB. Deutlich mehr Probleme hatte Weiß bei den anschließenden, sehr bewegenden Abschiedsrede nach 13 Jahren im TVB-Trikot.

Heinevetters später Einsatz

Die 4081 Stuttgarter Fans mussten 45 Minuten warten, ehe sie ihren künftigen Keeper Silvio Heinevetter in Aktion sehen durften. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Melsunger mit 16:20 im Hintertreffen gelegen. Diesen Rückstand bogen sie, trotz etlicher Paraden von „Heine“, nicht mehr um. Davor hatten die Fans lange schwere Kost zu verdauen gehabt, ehe der TVB auf Touren kam und den verdienten Sieg einfuhr.

Der Blick auf den Melsunger Kader vor dem Spiel ließ keine Zweifel offen: Das Team von Trainer Roberto Garcia Parrondo pfiff personell aus dem letzten Loch. Finn Lemke, Domagoj Pavlovic, Elvar Örn Jonsson, Timo Kastening, Yves Kunkel, Paul Kompenhans und Marino Maric waren nicht dabei. Beim TVB fehlten der verletzte Jerome Müller sowie die erkrankten Sebastian Augustinussen und Patrick Zieker. Für den verhinderten Linksaußen übernahm Dominik Weiß in seinem Abschiedsspiel die Kapitänsbinde.

Start im Urlaubsmodus

Beide Mannschaften starteten im Urlaubsmodus. Die Melsunger trugen ihre Angriffe im gemächlichem Tempo vor – vermutlich, um Kräfte zu sparen. Die Defensive des TVB stand ordentlich, im Angriff hingegen funktionierte zunächst wenig. Mit 5:3 führten die Gäste nach einer Viertelstunde, bis dahin hatte sich das Team von Trainer Roi Sánchez schon vier Fehlwürfe und sechs technische Fehler geleistet.

Das fahrige Spiel setzte sich bis zum 5:9 (22.) fort. Immer wieder scheiterten die Bittenfelder am Gästekeeper Nebojsa Simic. Besser in Fahrt kam das Heimteam nach der Einwechslung von Egon Hanusz. Der quirlige Spielmacher suchte immer wieder das Eins-gegen-eins. Die bis dahin stabile Melsunger Defensive bekam Schwierigkeiten. Der Ungar war auch an einer umstrittenen Szene beteiligt: Julius Kühn stoppte den Mittelmann regelwidrig – und die unsicheren Schiedsrichter Julian Köppl und Denis Regner hielten dem verdutzten deutschen Nationalspieler die Rote Karte unter die Nase. Damit stellte sich der sowieso arg dezimierte Rückraum der Gäste quasi von selbst auf: Kai Häfner, André Gomes und Alexander Petersson – in seinem letzten Profispiel –, mussten die restlichen 32 Minuten durchspielen.

Die Gäste verloren den Faden. Der starke Zieker-Ersatz Alexander Schulze, der ebenfalls sein letztes Spiel für den TVB absolvierte, traf nach einem 4:0-Lauf zum 10:10-Ausgleich. Nach einem Treffer des Ex-Bittenfelders Kai Häfner gingen die Gäste mit der 11:10-Führung in die Halbzeit.

Die Befürchtungen waren da, dass der zweite Spielabschnitt ähnlich dürftige Handballkost bringen würde. Doch der TVB kam nun allmählich ins Tempospiel. Zunächst einmal zahlte sich der Wechsel im Tor aus: Tobias Thulin löste Ivan Pesic ab und kam gut in die Partie. Nach 37 Minuten erzielte der TVB beim 14:13 die erste Führung im Spiel. Die Melsunger hatten große Probleme im Rückraum. Sie versuchten es mit dem Sieben-gegen-Sechs – und blieben bis zur Schlusssirene bei dieser Taktik. Die indes brachte keinen durchschlagenden Erfolg, auch wenn die MT hin und wieder über den Kreis zu Toren kam. Mit weiteren vier Treffern in Folge stellte der TVB auf 16:13 (38.), Weiß sorgte beim 20:16 (44.) für die erste Vier-Tore-Führung, Viggó Kristjánsson traf zum 24:19 (52.). Bei den Melsungern ließen die Kräfte nun merklich nach. Beim 25:20 (53.) schien die Vorentscheidung gefallen zu sein, doch die Gäste begehrten doch noch einmal auf und nutzten leichte Fehler des TVB. Beim 25:24 (57.) mussten die Fans – kurz – zittern. Doch Schulze und Zarko Peshevski machten mit dem 27:24 alles klar. Den emotionalen Schlusspunkt zum 28:25 setzte Weiß.

TVB Stuttgart: Pesic, Thulin, Vujovic; Max Häfner (1), Weiß (3), Hanusz (4), Schöttle, Lönn (3), Schulze (5), Röthlisberger, Nicolaus (2), Pfattheicher (3), Peshevski (1), Kristjánsson (6/1), Bacani.

MT Melsungen: Simic, Heinevetter; Kühn (1), Reichmann (4/2), Arnarsson (3), Allendorf (2), Gomes (3), Kalarash (4), Kai Häfner (5), Hörr, Petersson (3), Fuchs, Drosten.

Er ist fast schon ein bisschen kitschig gewesen. Besser jedenfalls hätte das Saisonende des Handball-Erstligisten TVB Stuttgart nicht inszeniert werden können: Die Mitspieler setzten Dominik Weiß im finalen Angriff mustergültig in Szene, und „der Lange“ überwand Silvio Heinevetter im Kasten der MT Melsungen per Aufsetzer zum 28:25-Sieg (10:11) des TVB. Deutlich mehr Probleme hatte Weiß bei den anschließenden, sehr bewegenden Abschiedsrede nach 13 Jahren im TVB-Trikot.

Heinevetters

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