Rems-Murr-Sport

Weinstädter Ruder-Talent: Pandemie verhindert die erste EM-Teilnahme

Lena Radke
Das Training an der frischen Luft, der Neckar: Lena Radke liebt ihren Sport. © Gabriel Habermann

Enttäuschung, Freude, Enttäuschung. Zuerst denkt man, die U-19-EM in Serbien fällt wegen Corona aus, dann freut man sich, dass sie doch stattfindet. Und dann sagt der Deutsche Ruderverband seine Teilnahme ab. Klar, dass Lena Radke traurig ist. Die Endersbacherin darf sich aber trösten: Sie steht erst am Anfang ihrer Karriere.

Für das Talent wäre es die erste Europameisterschaft gewesen. Qualifiziert hatte sie sich in der Klasse Zweier ohne Steuerfrau mit ihrer bisherigen Bootspartnerin Chiara Saccomando (Breisacher RV). Dass aus der Teilnahme wegen des vermaledeiten Coronavirus nichts geworden ist, „war sehr traurig“, sagt Radke.

Das Talent der Mutter geerbt

Verstanden habe sie die Entscheidung des deutschen Verbands schon. „Trotzdem schade“, sagt die 18-Jährige. Immerhin: Den Spaß am Rudern hat sie nicht verloren. Das Talent hat Radke von ihrer Mutter Anja geerbt, die einst bei DDR-Meisterschaften Bronze im Einer gewonnen hatte.

Anfang 2014 begann Lena Radke mit dem Rudern bei der RG Ghibellinia Waiblingen, wechselte aber ein paar Monate später zur Stuttgarter RG. Für diesen Verein startet die Endersbacherin bis heute. Der entscheidende Grund für den Wechsel nach Untertürkheim sei der dortige hauptamtliche Trainer Steffen Jacob gewesen, erläutert Radke.

Sehr gute körperliche Voraussetzungen fürs Rudern

Sportlich zu rudern ist kompliziert, in den ersten Monaten tat sich die damals Zwölfjährige schwer. Doch sie biss sich durch. „Nach einem halben bis dreiviertel Jahr wurde ich im Training besser und war deshalb motivierter.“ Es folgten die ersten Einladungen zu Lehrgängen.

Auf sich aufmerksam gemacht hatte das großgewachsene Talent, Lena Radke misst heute 1,83 Meter, mit starken Leistungen auf dem Ergometer. Dabei handelt es sich um ein Gerät zum Trockenrudern. Eingestellt wird die Streckenlänge, die Endzeit gibt den Ergowert der Athletin oder des Athleten an. „Ich hatte immer einen relativ großen Ergowert“, sagt Radke.

So gut die körperlichen Voraussetzungen für die Sportart sind, sie stellen auch ein Problem dar: bei der Partnerinnensuche für die Bootsklasse Zweier ohne Steuerfrau. „Vom Zusammenspiel her muss die Größe passen.“ Weil es im Verein für Lena Radke keine geeignete Teamkollegin gibt, müssen Renngemeinschaften mit Ruderinnen aus anderen Clubs gebildet werden.

Auf der Suche nach neuer Rennpartnerin

Von Herbst an wird Radke wieder mit einer neuen Partnerin starten müssen. Denn während sie dann in der Altersklasse der Seniorinnen antritt, bleibt Saccomando noch eine Saison lang bei den A-Juniorinnen.

Ihren größten nationalen Erfolg hat Radke mit einer anderen Partnerin gefeiert – ihrer 16-jährigen Schwester Nora. Extra für die deutschen Sprintmeisterschaften Anfang Oktober dieses Jahres „hat sie eine Altersklasse hochgemeldet. Wir sind bei den Juniorinnen A gestartet.“ Das zahlte sich aus: Das rasende Radke-Duo holte im Doppelzweier Bronze über 450 Meter.

Lena Radke investiert viel Zeit in ihren Sport, sie trainiert achtmal wöchentlich. Eine Einheit auf dem Neckar dauert bis zu 110 Minuten, auf dem Ergometer sind es meist 80 Minuten. „Rudern ist schön, so an der frischen Luft. Und ich mag Ausdauersport“, fasst die Endersbacherin ihre Begeisterung zusammen. Zudem gehe es bei Wettkämpfen familiär zu. „Man kennt sich.“ Mal trete man gegeneinander an, mal starte man gemeinsam als Renngemeinschaft.

Bundesfreiwilligendienst beim Ruderverein

Bei der Stuttgarter RG ist Lena Radke während der Coronazeit besonders eingespannt. Bei ihrem Verein absolviert sie ihren Bundesfreiwilligendienst. „Ich helfe Kindertrainerin Mirjam Schöckle und habe organisatorische Aufgaben wie das Bearbeiten von Jugendlisten.“

Wettkämpfe finden wegen der Pandemie derzeit nicht statt, der Trainingsfortschritt wird somit am Ergometer gemessen. Kein reines Vergnügen: „Wenn man 80 Minuten dasitzt, wird das schon mal langweilig.“

Lena Radke hofft, dass es im Frühjahr normal weitergehen kann, sie ist noch auf der Suche nach einer neuen Rennpartnerin. Im März soll in Leipzig ein großer Wettkampf stattfinden, ein wichtiger Schritt im Hinblick auf die WM und EM bei der U 23. Radkes Ziel lautet, es ins Nationalteam zu schaffen. Dann soll sie endlich kommen: die erste Teilnahme an einer internationalen Meisterschaft.

Enttäuschung, Freude, Enttäuschung. Zuerst denkt man, die U-19-EM in Serbien fällt wegen Corona aus, dann freut man sich, dass sie doch stattfindet. Und dann sagt der Deutsche Ruderverband seine Teilnahme ab. Klar, dass Lena Radke traurig ist. Die Endersbacherin darf sich aber trösten: Sie steht erst am Anfang ihrer Karriere.

Für das Talent wäre es die erste Europameisterschaft gewesen. Qualifiziert hatte sie sich in der Klasse Zweier ohne Steuerfrau mit ihrer bisherigen

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