Rems-Murr-Sport

Weltklasse-Inliner Mona und Noah Sing sehnen Wettkämpfe herbei

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Noah (links) und Mona Sing.

Neigt sich die Ski-Saison dem Ende zu, kommt die Zeit der Inline-Alpiner. Die Winnender Geschwister Mona und Noah Sing zählen zu den Weltbesten ihrer Zunft und haben ihre Skates in Gedanken bereits geschnürt. Wann die beiden jedoch wieder im Wettkampf über Asphaltpisten und zwischen Kippstangen hindurchrasen dürfen, steht in den Sternen. Auch in dieser Sportart ist das Coronavirus der härteste Gegner. „Wir müssen flexibel sein und freuen uns über jedes Rennen, das wir kriegen“, sagt Mona Sing. Die Auswirkungen und Folgen der Pandemie spürt die 29-Jährige nicht nur als Athletin und Trainerin, sondern auch in ihrem Beruf als Realschullehrerin.

Wie alle Sportler, so hat das Corona-Virus vor einem Jahr auch die Inline-Alpiner kalt erwischt. Allerdings nicht mitten in der Saison, sondern am Ende der Wintervorbereitung. Im März, wenn der Frühling in den Startlöchern steht, drängen auch die Inliner allmählich wieder auf die Piste. Einige Einheiten finden allerdings auch im Fitness-Studio statt. Die indes wurden wegen Corona geschlossen. „Wir mussten kreativ sein und unser Training umstellen“, sagt Mona Sing. Homework war angesagt. Und Treppenläufe in den Weinbergen. Wobei die Geschwister stets den Vorteil hatten, als Familie zusammen trainieren zu dürfen. „Das Training war mal etwas anderes und hat viel Spaß gemacht“, sagt die mehrfache Weltmeisterin.

Wie auch das gemeinsame Training auf den Skates in der letzten Vorbereitungsphase auf die Saison. Im Mai standen die ersten Wettkämpfe im Terminkalender. Daraus indes wurde nichts, sämtliche Rennen sind bis auf weiteres abgesagt worden, auch die Weltcups und die Europameisterschaften.

Das bedeutete jedoch nicht, dass Mona und Noah Sing die Skates im Keller liegen ließen. „Wir sind die ganze Zeit im Training geblieben, wussten aber nicht, auf welches Ziel wir hinarbeiten sollten“, so Noah Sing. Nach einer langen Corona-Pause gab’s im Herbst doch noch drei Regiocup-Rennen. Für Mona und Noah Sing sind diese Rennen nicht besonders attraktiv, weil die Konkurrenz fehlt. „Aber immerhin besser als gar nichts“, so Mona Sing.

Nach der verkorksten Saison 2020 stehen die Inline-Alpiner 2021 vor einem Déjà-vu. Bereits im November vergangenen Jahres war die Weltmeisterschaft in Argentinien von 2021 auf 2022 verschoben worden. Ob sie dann tatsächlich stattfinden wird, ist längst nicht sicher. Für die Sings bleibt die WM jedoch das große Ziel.

Die Wettbewerbe finden innerhalb der World Roller Games statt, die alle vom internationalen World-Skate-Verband regulierten Welt-Rollensport-Disziplinen umfasst. „Das sind quasi unsere Olympischen Spiele“, sagt Noah Sing. Die Premiere gab’s 2017 in China, zwei Jahre später folgte Barcelona. „Das sind schon coole Events, bei denen man sich viele andere Disziplinen anschauen kann.“ Auch wenn abseits der Wettkämpfe nicht viel Zeit bleibt, die Gegend zu erkunden: Höhepunkte im Sportlerleben sind solche Veranstaltungen allemal.

Und für die lohnt es sich, Opfer zu bringen. Trainingsschweiß natürlich, aber auch Urlaub. Wobei die Geschwister auf die Kulanz ihrer Arbeitgeber angewiesen sind. Noah Sing arbeitet als Verwaltungsbeamter auf der Ausländerbehörde der Stadtverwaltung Fellbach. Allerdings erst seit 2019, noch ist der 25-Jährige nicht in die Bredouille gekommen. Mona Sing muss als Lehrerin an der Winnender Albertville-Realschule darauf hoffen, dass die Wettkämpfe in den Ferien liegen – oder darauf, dass der Rektor sie freistellt.

Der Schulalltag ist derzeit nicht eben vergnügungssteuerpflichtig. Das Home-Schooling setzt auf Dauer nicht nur den Schülern zu. „Ich freue mich immer, wenn ich zum Präsenz-Unterricht gehen kann“, sagt Mona Sing. „Ich denke, den Schülern geht es ähnlich.“ Sie ist froh, dass es in ihrer Klasse „eigentlich super läuft“. Die meisten ihrer Schüler gingen mit der schwierigen Situation gut um. „Aber natürlich bekommt man von Kollegen mit, dass manche Kinder Probleme haben.“ Ganz wichtig sei die Schulsozialarbeiterin, die telefonisch und via Videokonferenz stets erreichbar sei.

Konferenzen und Gespräche helfen indes kaum, wenn es darum geht, die Kinder und Jugendlichen wieder in Bewegung zu bringen. Bei der SV Winnenden trainieren die Sings eine Handvoll Kinder im Inline-Slalom, zudem kommen rund 15 Kinder zum Inline-Skating-Geschicklichkeitstraining in die Halle. Mona Sing geht fest davon aus, dass die Jüngsten dabei bleiben und weiterhin motiviert sein werden.

Für die Topsportler steht das außer Frage. Auch wenn der zweite Lockdown und die Unsicherheit, wie es weitergehen wird, auch Mona und Noah Sing belasten. Immerhin: An Trainingsmöglichkeiten mangelt es den beiden nicht. Sie profitieren von ihrem Kaderstatus, dürfen trainieren und beispielsweise auch den Kraftraum der Stadionhalle nutzen. „Das ist eine große Erleichterung für uns“, sagt Mona Sing.

Dennoch: Es fehlt das Rennfeeling. Keiner weiß, wann das zurückkommen wird. „Wir trainieren halt einfach weiter“, sagt Noah Sing. Auch wenn das ein bisschen schwierig sei ohne wirkliches Ziel. „Wenn man ein Jahr lang an den Grundlagen arbeitet, möchte man sich irgendwann wieder mit anderen messen“, ergänzt seine Schwester. „Unser Wunsch wäre es, dass wenigstens ein paar kleine Weltcuprennen und die deutschen Meisterschaften stattfinden können.“

Als Athletensprecherin hat sie einen gewissen Einblick in die Arbeit des Verbands. „Wir versuchen, alternative Trainingskonzepte zu erstellen, damit die Athleten loslegen können, sobald etwas möglich ist.“ Getüftelt wurde und werde auch weiterhin an Hygienekonzepten. Doch auch die stoßen hier und da an ihre Grenzen.

„Das Problem ist, Ausrichter für die Rennen zu finden“, sagt Noah Sing. Der Inline-Sport lebe in erster Linie von den Zuschauern. Wenn die Ausrichter keine Einnahmen hätten aus dem Verkauf von Essen und Getränken, sei eine Veranstaltung nicht lukrativ für sie. „Die Ausgaben für Genehmigungen und Absperrungen haben sie ja immer noch.“ Der Sport an sich sei kontaktlos und nicht das Problem. Das sieht auch Mona Sing so. „Man könnte manche Rennen so organisieren, dass kleine Vereinsgruppen starten, damit’s zu keiner Durchmischung kommt.“

Ob mit oder ohne Rennen: Noah und Mona Sing werden demnächst die Skates an die Füße schnallen und die Trainingsstrecken an der B 14 nahe Nellmersbach und bei der Winnender Deponie hinunterstürzen. Schließlich haben die beiden noch große Ziele. „Den einen oder anderen Erfolg möchte ich schon noch feiern“, sagt Noah Sing. „Ich war schon ein paarmal nah dran am Podiumsplatz bei einer WM, jetzt möchte ich endlich mal drauf.“

Argentinien ist ein Ziel, auf das die Geschwister gemeinsam hinarbeiten. Mona Sing, die im kommenden Jahr 30 Jahre alt wird, könnte ihre Titelsammlung erweitern. „Eigentlich habe ich ja schon alles erreicht“, sagt sie. „Und mit dem Beruf wird es auch immer schwieriger, das hohe Level zu halten.“ Allzu gerne würde sie in Argentinien ihren Bruder auf dem Treppchen stehen sehen. „Ich will ihn dabei unterstützen und pushen, dann schauen wir mal, wie sich danach alles entwickelt.“

Naht womöglich das Karriereende, sollte ihr Bruder eine WM-Medaille gewinnen? „Ich will Mona noch länger an meiner Seite haben“, sagt Noah Sing und lacht. „Deshalb hat’s vielleicht mit einer Medaille noch nicht geklappt.“

Neigt sich die Ski-Saison dem Ende zu, kommt die Zeit der Inline-Alpiner. Die Winnender Geschwister Mona und Noah Sing zählen zu den Weltbesten ihrer Zunft und haben ihre Skates in Gedanken bereits geschnürt. Wann die beiden jedoch wieder im Wettkampf über Asphaltpisten und zwischen Kippstangen hindurchrasen dürfen, steht in den Sternen. Auch in dieser Sportart ist das Coronavirus der härteste Gegner. „Wir müssen flexibel sein und freuen uns über jedes Rennen, das wir kriegen“, sagt Mona

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