Fan-Debatte

Wie viele Zuschauer dürfen ins Stadion?

Fan-Rückkehr
Wann dürfen die Fans wieder in die Stadien?. Foto: Lino Mirgeler/dpa © Lino Mirgeler

Berlin (dpa) - Nach den Geisterspielen zum Ende der abgelaufenen Saison der Fußball-Bundesliga hoffen die Vereine beim Start der neuen Spielzeit auf Publikum.

Sicher ist nur, dass es keine ausverkauften Stadien geben wird. Die entscheidende Frage lautet: Wie viele Zuschauer dürfen ins Stadion? Ein Überblick über die Planungen der Erstligisten:

Bayern München: Der FC Bayern wünscht sich natürlich Publikum. «Wir alle wissen nicht, wie lange uns Corona begleitet. Wir hoffen natürlich, so kurz wie möglich. Aber im Moment sieht es leider so aus, als wenn sich eine zweite Welle aufbaut», sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zuletzt beim TV-Sender Sky. Er hofft zum Saisonstart im September zumindest auf eine «gewisse Anzahl von Fans» in der Allianz Arena. Voraussetzungen sind, dass das gesundheitlich zu verantworten sei und dass auch die Politik mitspiele. Derzeit sind Zuschauer bei Sportveranstaltungen in Bayern ausgeschlossen. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat befindet sich nach eigener Angabe in Austausch mit den Fußballvereinen zur Vorbereitung der Zulassung von Fans. Dieser Abstimmungsprozess geschehe vorbehaltlich einer etwaigen Lockerung der Verordnung bezüglich der Zuschauerzulassung während des Spielbetriebs in Profiligen.

Borussia Dortmund: Das größte deutsche Fußball-Stadion wird zum Saisonstart im Fall einer Fan-Rückkehr nicht einmal zu 20 Prozent gefüllt sein. «Aufgrund der Abstandsregelung, die zwingend einzuhalten ist, planen wir nach derzeitigem Stand mit 12.000 bis 15.000 Zuschauern», sagte Borussia Dortmunds Geschäftsführer Carsten Cramer. Normalerweise fasst die Arena etwas mehr als 81.000 Zuschauer. In den durch die Corona-Pandemie verursachten Geisterspielen der vergangenen Saison waren dem BVB pro Partie rund vier Millionen Euro verloren gegangen. Der beim BVB für Marketing, Digitalisierung und Internationalisierung zuständige Cramer hofft, dass neben den normalen Zuschauerplätzen auch wieder einige der rund 4000 Plätze im Hospitality-Bereich geöffnet werden können: «Es ist selbstverständlich ein Schlag ins Kontor, wenn diese Einnahmen komplett wegbrechen.»

RB Leipzig: RB Leipzig hatte schon Anfang Juli ein Konzept mit Zuschauern entwickelt und auch die Genehmigung des Gesundheitsamtes vorliegen, sollte sich die Pandemie-Lage weiter positiv entwickeln. Demnach plant RB mit der Hälfte der Fans. In der Red-Bull-Arena entspräche dies etwa 21.000 Zuschauern. Zwischen jedem Fan soll ein Platz freibleiben, es besteht Maskenpflicht. Gäste-Fans sollen nicht zugelassen werden. Zur Verringerung des Infektionsrisikos soll die Anreise zum Stadion nicht mit dem öffentlichen Nahverkehr erfolgen. Das Leipziger Gesundheitsamt teilte auf dpa-Anfrage mit, dass das Konzept des Clubs tragfähig und geeignet sei, das Infektionsgeschehen deutlich zu reduzieren.

Borussia Mönchengladbach: Der Club steht mit seinem Konzept in Verbindung mit dem Gesundheitsamt und der DFL, möchte aber keine «Wasserstandsmeldungen» abgeben und sich vorab nicht äußern.

Bayer Leverkusen: Der für Fans zuständige Bayer-Direktor Meinolf Sprink sagte der Deutschen Welle, dass er und andere Vereinsvertreter sich regelmäßig mit dem «Kurvenrat», der Fanvertretung der Bayer-Fans, austauschen und dabei versuchen, den Anhängern so transparent wie es geht die möglichen Szenarien darzustellen. Öffentliche Aussagen zu Zahlen gibt es aber nicht.

TSG 1899 Hoffenheim: Die Kraichgauer erarbeiten zusammen mit den Behörden ein Konzept und wollen sich bisher nicht zu Details äußern. Ein Vorteil für die teilweise Rückkehr von Zuschauern ist, dass das Stadion mit Freiflächen am Ortsrand liegt und größere Parkplätze hat.

VfL Wolfsburg: Der Club arbeitet mit dem Gesundheitsamt an einem Konzept, das bis Mitte August fertig sein soll. Bislang gibt es keine Angaben zu möglichen Zuschauerzahlen.

SC Freiburg: Mit Blick auf das neue Stadion der Breisgauer sagte Vorstand Oliver Leki zuletzt der «Badischen Zeitung»: «Ein Start mit 20 bis 30 Prozent der Kapazität, die sukzessive ausgebaut werden könnte, wäre sicher ein guter Anfang.» Der SC befindet sich im Austausch mit den Behörden.

Eintracht Frankfurt: «Wir gehen in unserer Planung von einer Größe von 20.000 Zuschauern aus, wobei es je nach Auflagen auch 15 000 oder 24.000 werden können», sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann dem «Kicker». Normalerweise passen 51.500 Zuschauer in die Arena am Stadtwald. «Das konkrete Vergabeverfahren werden wir mit der organisierten Fanszene besprechen, also mit den Vertretern der Fanclubs, der Fanabteilung, der Nordwestkurve und den Ultras», kündigte Hellmann an. «Insgesamt ist die große Herausforderung nicht die Sitzanordnung im Stadion, sondern das Thema Anfahrt, Zugang und Abreise. Da hoffen wir, in etwa zwei Wochen detailliert mit Stadt und Vertretern des ÖPNV unsere Planungen abschließen zu können», sagte Hellmann.

Hertha BSC: Der Verein hat sich noch nicht positioniert. Das große Olympiastadion böte mit einer regulären Kapazität von mehr als 74.000 Zuschauern gute Voraussetzungen für eine Teil-Zulassung. Noch sind in Berlin aber bis zum 24. Oktober alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen untersagt.

1. FC Union Berlin: Union sorgte mit dem Plan für viel Aufsehen, schon am 1. Spieltag wieder vor vollem Haus zu spielen. Der Club will die Corona-Tests für alle 22.012 Zuschauer im Stadion An der Alten Försterei selbst zahlen und lässt das erarbeitete Konzept von den Behörden prüfen. Dazu sind viele Genehmigungen nötig, noch sind bis 24. Oktober alle Großveranstaltungen mit mehr als 1000 Personen in Berlin untersagt. «Unser Stadionerlebnis funktioniert nicht mit Abstand, und wenn wir nicht singen und schreien dürfen, dann ist es nicht Union», sagte Präsident Dirk Zingler.

Schalke 04: Der Revierclub macht noch keine Angaben dazu, mit wie vielen Zuschauern er im Fall der Fälle plant. «Wir wollen erst die DFL-Mitgliederversammlung am Dienstag abwarten. Aber natürlich machen wir uns Gedanken und entwickeln Konzepte», sagte Sprecherin Anja Kleine-Wilde. Mit dem zuständigen Gesundheitsamt ist Schalke in ständigem Austausch.

FSV Mainz 05: Der Vorstandsvorsitzende Stefan Hofmann sagte: «Unser Ziel ist es, die Dauerkarten-Inhaber ins Stadion zu bekommen.» Man wolle in Mainz alles so gestalten, dass 13.000 Fans in der Opel-Arena zugelassen werden könnten. «Das wäre mein Wunsch. Aber da sind wir abhängig von der Gesamtsituation», sagte er.

1. FC Köln: «Ich wünsche mir eine bundesweit einheitliche Lösung, es kann aber auch sein, dass es Ländersache wird», sagte Geschäftsführer Alexander Wehrle Mitte Juli im «Express»: Die Konzepte sind in der Abstimmung. Wir haben in den letzten Wochen intensiv daran gearbeitet, Lösungen zu finden.» Er hoffe, «dass wir mit Stehplätzen starten können. Aber dazu wird es Vorgaben geben. Wenn ein tragfähiges Konzept vorliegt, kann am Ende jeder für sich selbst entscheiden, ob er ein Fußballspiel im Stadion sehen möchte oder nicht.»

FC Augsburg: Die Stadt Augsburg wies zuletzt darauf hin, dass sie auf ein Rahmenkonzept und die entsprechenden Vorgaben der bayerischen Staatsregierung angewiesen sei. Wenn diese vorlägen, würden die Regelungen in enger Abstimmung mit dem FCA besprochen. Es habe bereits Vorüberlegungen und erste Gespräche zwischen Stadt und Verein gegeben. Die Stadt Augsburg will den Spielbetrieb nicht grundsätzlich blockieren. «Wir hoffen, dass schrittweise in dieser Saison wieder Zuschauer in den Stadien zugelassen werden und hoffen, dass wir die Krise um Corona weltweit in den Griff bekommen», sagte Geschäftsführer Stefan Reuter.

Werder Bremen: Werder hofft auf 15.000 Zuschauer im Weserstadion. Von Corona-Massentests im Vorfeld halten die Bremer wenig. Sie bevorzugen eine Variante, bei der bei den Zuschauern vor dem Betreten des Stadions Fieber gemessen wird. «Das halten wir für umsetzbar», sagte Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald im «Weser Kurier».

VfB Stuttgart: Der VfB befindet sich wegen der Ausarbeitung eines entsprechenden Konzepts in Kontakt mit den regionalen Behörden. Solange dieses nicht fertig oder abgesegnet ist, will der Club keine Auskunft geben.

Arminia Bielefeld: Der Aufsteiger macht sich für eine bundesweite Lösung stark. «Ich denke, dass es eine einheitliche Regelung geben muss», sagte Arminia-Sportchef Samir Arabi der «Neuen Westfälischen». Der Club arbeitet aber in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde an einem individuellen Konzept.

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