Formel 1

Zweikampf um Kleinigkeiten: Hamiltons Lektion für Verstappen

Hamilton und Verstappen
Lewis Hamilton (r) und Max Verstappen liefern sich einen Zweikampf an der Spitze. Foto: Gabriel Bouys/Pool AFP/AP/dpa © Gabriel Bouys

Portimão (dpa) - Auf die hämische Analyse von Nico Rosberg hätte WM-Jäger Max Verstappen gern verzichtet.

Der süffisante Hinweis des Ex-Weltmeisters auf das Ausnahmetalent von Formel-1-Spitzenreiter Lewis Hamilton war für den Red-Bull-Piloten nach seiner Niederlage in Portugal längst keine Neuigkeit mehr. «Ich brauche Nico nicht, um zu verstehen, wie gut Lewis ist. Ich weiß, dass er sehr gut ist, sonst gewinnst du nicht so viele Titel», knurrte Verstappen, als er in Portimão auf Rosbergs TV-Kommentar angesprochen wurde.

Allmählich dämmere es dem Niederländer, mit welchem Gegner er es da im Zweikampf um die Weltmeisterschaft zu tun habe, meinte Rosberg amüsiert. «Er muss alles perfekt machen, um ihn in der WM zu schlagen. Und im Moment steht es 2:1 für Lewis», stellte der Deutsche fest, der seinen Mercedes-Kollegen Hamilton 2016 im Titelkampf bezwungen hatte. Seitdem hat der Brite jedes Jahr triumphiert.

Und seine entschlossene Siegfahrt an der Algarve zeigte, dass Hamilton auch im Generationenduell mit Verstappen keinen Zentimeter preisgeben wird. Die «Daily Mail» nahm den 97. Karriere-Erfolg des 36-Jährigen «als Beweis für die unerbittliche, metronomische, Rivalen-zerstörende Zuverlässigkeit». Herausgefordert von der neuen Kraft des Red Bull und Verstappens starker Frühform erzwang Hamilton mit messerscharfen Manövern den zweiten Sieg im dritten Saisonlauf.

Der 13 Jahre jüngere Rivale des Rekordchampions gestand nach der Lektion: «Ich habe alles versucht. Ich wünschte, es wäre noch enger. Die Saison ist lang, wir können uns keine Ausfälle oder dummen Fehler leisten.» Acht Punkte liegt Verstappen vor der Weiterreise nach Spanien zurück. Das ist noch nicht viel. Aber wenn Hamilton weiter auf diesem Niveau fährt, ist ihm kaum beizukommen. Zumal Verstappen bei ungestümen Aktionen schon einige kleine Fehler unterliefen, die sich am Ende schmerzhaft summieren könnten.

«Diese Meisterschaft wird ein Marathon und kein Sprint. Es ist so eng, es wird um Kleinigkeiten gehen», sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Sein Mercedes-Widerpart Toto Wolff sieht beide Rennställe auf Augenhöhe und wünscht sich einen WM-Kampf bis zum Finale - natürlich mit dem besseren Ende für Hamilton.

Und weil es gerade so schön spannend ist, wollen Hamilton und sein Team wohl ihre Zusammenarbeit über die Saison hinaus verlängern. «Im Moment können wir uns einfach nicht vorstellen, dass wir nicht eine Zeit dranhängen», sagte Wolff.

Diese Botschaften aus dem Mercedes-Lager gehören vermutlich auch zum Psychospiel, das in diesem Jahr ziemlich früh begonnen hat. Immer wieder betonen Hamilton und Wolff, wie sehr sie sich durch die harte Attacke von Red Bull motiviert und erfrischt fühlen, nachdem es zuletzt so einsam an der Spitze war. Konkurrenz belebt das Geschäft, soll das wohl heißen.

Verstappen und Red Bull müssen darauf eine Antwort finden, am besten durch Siege auf der Rennstrecke. «Ich denke, das wollen alle sehen. Ich hoffe, es bleibt für den Rest der Saison so, denn das begeistert alle», sagte der Niederländer.

Vor der nächsten Etappe in Barcelona kündigte Hamilton eine dreitägige Pflegekur mit seiner Physiotherapeutin an. Bei noch 20 ausstehenden WM-Läufen ist jedes Kraftkorn wichtig. «Am Ende werden wir uns wahrscheinlich ziemlich satt haben und das Rennfahren auch, weil es so viele Rennen sind», unkte der Weltmeister. In Portimão aber war bei Hamilton von Überdruss nichts zu sehen.

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