VfB Stuttgart

Sternstunde im Signal-Iduna-Park: Warum sich der junge VfB aktuell im Rekordtempo entwickelt

Fußball   Bundesliga   Borussia Dortmund vs. VfB Stuttgart
Einer der neuen "Jungen Wilden": Stürmer Tanguy Coulibaly. © Pressefoto Baumann

Jürgen Klopp hatte sich nicht direkt gemeldet. Am Vormittag nach dem wohl größten Moment seit dem Wiederaufstieg des VfB Stuttgart hatten Sportdirektor Sven Mislintat zumindest noch keine Glückwünsche seines ehemaligen Dortmunder Kollegen erreicht.

«Wenn du so ein Spiel machst, darfst du mit einem Lächeln aufwachen»

Ohnehin wollte sich der 48-Jährige nicht zu ausschweifend mit Gratulanten und zu großer Euphorie beschäftigen. Zwar versetzte der 5:1-Coup bei Borussia Dortmund den VfB in Hochstimmung, schnell aber richtete Mislintat den Blick auf die nächste Aufgabe schon am Dienstag gegen Union Berlin - und blieb bescheiden.

«Wenn du so ein Spiel machst, darfst du mit einem Lächeln aufwachen. Du darfst auch Selbstbewusstsein daraus ziehen», sagte Mislintat nach der Sternstunde im Signal-Iduna-Park - und stellte zugleich warnend klar: «Wir beschäftigen uns nicht mit Europa, sondern mit Union Berlin.»

Das Ziel des Aufsteigers bleibe der Klassenerhalt in der Fußball-Bundesliga, wiederholte der frühere BVB-Chefscout unmissverständlich.

Abstiegssorgen sind für die Schwaben momentan kein Thema

Die Stuttgarter scheinen jedoch auf gutem Weg, eine neue Attraktion der Liga zu werden. Von den zeitweise ziemlich zähen Auftritten der vergangenen Spielzeit ist nicht mehr viel übrig geblieben.

Vielmehr entwickelt sich die junge Mannschaft aktuell im Rekordtempo, Abstiegssorgen sind für die Rasselbande von Trainer Pellegrino Matarazzo als Siebter momentan kein Thema. Doch auch Vorstandschef Thomas Hitzlsperger demonstrierte Bodenständigkeit und erinnerte am Sonntag auch an bittere Momente aus der vergangenen Zweitliga-Saison.

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Nur wenige Minuten nach dem Abpfiff hatte sich der 38-Jährige noch ungewöhnlich euphorisch geäußert. «Ich könnt Konfetti kotzen, so happy bin ich über das, was ich gerade sehen durfte», kommentierte der Vorstandschef via Twitter.

Dass der Underdog dem hohen Favoriten aus dem Revier ausgerechnet in dessen Paradedisziplin Tempofußball eine Lehrstunde erteilte, erfüllte auch Pellegrino Matarazzo mit Stolz. «Wir haben brutal als Einheit funktioniert und mit Dominanz und Überzeugung gespielt», schwärmte der VfB-Coach.

Zweitjüngsten Startelf der VfB-Bundesliga-Historie

Mit viel Spielwitz, höchstem Tempo und imposanter Zweikampfführung sorgten die Schwaben für die höchste Heimniederlage des BVB seit September 2009. Dass dem VfB dieses Kunststück mit seiner zweitjüngsten Startelf der Bundesliga-Historie (23,37 Jahre) gelang, erhöhte die Freude. Torhüter Gregor Kobel zeigte sich guter Dinge, dass der Aufwärtstrend auch in den kommenden Wochen anhält.

Mit den Treffern von Silas Wamangituka (26./Foulelfmeter, 53.), Philipp Förster (60.), Tanguy Coulibaly (63.) und Nicolas González (90.+1) war die Borussia sogar noch gut bedient. «Wir hatten einfach den besseren Plan als der Gegner», verwies Torschütze Förster auf den klugen Matchplan seines Trainers.

Matarazzo blieb in seinen ersten sechs Bundesliga-Auswärtsspielen ohne Niederlage. Das schafften vor ihm nur sechs andere Fußball-Lehrer, darunter auch Joachim Löw in der Saison 1996/97 ebenfalls mit Stuttgart. Momentan ist der VfB zudem die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga.

«Wir machen sehr gute Schritte in guter Geschwindigkeit»

Wie schnell der Aufsteiger in der Bundesliga mit Erfolgen beeindruckt, kommt überraschend. «Wir machen sehr gute Schritte in guter Geschwindigkeit. Es ist ein enormes Trainingsniveau und Engagement. Das ist der Grund, warum wir so schnell vorankommen», sagte der Coach. Nach Einschätzung von Matarazzo ist die Mannschaft noch lange nicht am Optimum: «Bei Silas und bei vielen anderen Spielern ist das Potenzial grenzenlos.»

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Die gute Perspektive des Teams ist auch ein Verdienst von Mislintat. Zwischen 2006 bis 2017 war der 48-Jährige Scout in Dortmund und kehrte nun als VfB-Sportdirektor an seine alte Wirkungsstätte zurück. Spiele wie in Dortmund dürften dazu beitragen, dass sein im Sommer auslaufender Vertrag in Kürze verlängert wird.

Die Gespräche laufen seit Wochen, sind aber noch nicht abgeschlossen. Zu «komischen Gesprächen» mit BVB-Kumpels habe das 5:1 bei seiner Heimkehr geführt, sagte Mislintat: «Ein Freund hat gestern gesagt: Das war ein Blockbuster.»» Wie es wohl gegen Union Berlin weitergehen wird?