Stuttgart & Region

Großraum Stuttgart: Luxusautos, Sturmgewehre und Handgranaten - Polizei nimmt Autoschmugglerbande hoch

Verbrechen
Symbolfoto. © Benjamin Büttner
Eine vorwiegend deutsch-libanesische Autoschmugglerbande ist am Mittwoch (24.06.) von Ermittlern des Polizeipräsidiums Ludwigsburg und des Zollfahndungsamts Stuttgart hochgenommen worden.

Die Tätergruppe steht laut Polizei im Verdacht, hochwertige gebrauchte Kraftfahrzeuge überwiegend aus dem arabischen Raum in Deutschland gewinnbringend in Umlauf gebracht zu haben, obwohl sie in Europa nicht zugelassen werden dürfen.   

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei haben ein 46-Jähriger und ein 27-Jähriger, bei denen es sich nach Angaben der Polizei um die Drahtzieher der Gruppe handelt, die Fahrzeuge überwiegend in den Arabischen Emiraten angekauft und auf dem Seeweg über Rotterdam nach Deutschland eingeführt. Komplizen lagerten die Fahrzeuge auf Abstellplätzen in Leonberg und Geislingen an der Steige zwischen. Um Einfuhrzölle und Steuern zu sparen, hatten die Tatverdächtigen Rechnungen mit deutlich geringeren Kaufpreisen vorgelegt.

Mitarbeiterin bei der KFZ-Zulassungsstelle des Landratsamtes Böblingen sorgte für Zulassungen

Um kostenintensive Vollgutachten für die Fahrzeuge zu umgehen, bestachen die Tatverdächtigen Prüfingenieuren aus dem Großraum Stuttgart. Diese stellten die notwendigen Papiere für die Fahrzeuge aus. Eine Mitarbeiterin bei der KFZ-Zulassungsstelle des Landratsamtes Böblingen sorgte dafür, dass die Fahrzeuge kurzzeitig auf Strohmänner zugelasse wurden. Dadurch waren die Fahrzeuge mit deutschen Zulassungsbescheinigungen ausgestattet und konnten anschließend über einen Privatverkauf veräußert werden.

Erkennbare Ausstattungsabweichungen, wie etwa arabische Bordcomputer oder Navigationsgeräte, hatten zuvor Fachkräfte, die von den Tatverdächtigen beauftragt worden waren, korrigiert. Nach bisherigen Ermittlungen der Polizei hat die Tätergruppe auf diese Art etwas 500 hochwertige Gebrauchtfahrzeuge in Umlauf gebracht. 

Die Ermittlungsgruppe "Sayara" hatte im November 2019 die Ermittlungen gegen die Tätergruppierung aufgenommen. Die Beamten hatten mehrere Monate verdeckt ermittelt. Am 24. Juni durchsuchten sie 19 Wohn- und Geschäftsräume bei insgesamt neun Tatverdächtigen in den Landkreisen Rems-Murr, Böblingen, Ludwigsburg, Stuttgart, Reutlingen und Göppingen. Einsatzkräfte des Spezialeinsatzkommandos Baden-Württemberg und der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit des Polizeipräsidiums Einsatz, sowie des Landeskriminalamts Baden-Württemberg und des Polizeipräsidiums Reutlingen unterstützten die Beamten des Polizeipräsidiums Ludwigsburg und des Zollfahndungsamts Stuttgart.

Ermittler finden Sturmgewehre, Handgranaten und Kleinkalibergewehr

Die Ermittler fanden bei den Durchsuchungen etwa 50 000 Euro Bargeld, verschiedene Datenträger und Unterlagen. Bei einem Tatverdächtigen fanden sie zudem zwei Sturmgewehre russischer Bauart, Munition, zwei Handgranaten und einem Kleinkalibergewehr. Eine der Tatverdächtigen, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, wurde gegen Mittag auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart einem Haftrichter vorgeführt. Der Richter erließ Haftbefehl.

Zeitgleich zu den Durchsuchungen in Baden-Württemberg schlugen Ermittler des Zollfahndungsamt Berlin in der Hauptstadt zu. Auch dort hatte eine deutsch-libanesische Autoschmugglerbande agiert, die Bezüge zu den Gruppen in Baden-Württemberg hatte. In Berlin durchsuchten die Beamten insgesamt 15 Objekte und vollstreckten drei Haftbefehle.