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Heimatmuseum in Horlachen modernisiert: Omas und Opas Wissen aus der App

Radioempfänger 1925
Voll funktionsfähig: Radioempfänger von 1925 im Heimatmuseum in Horlachen. © Jantschik

Zwei Studentinnen der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, Anica Jakobsen und Daniela Casorati, haben das Museum in Gschwend-Horlachen ganz genau unter die Lupe genommen. In ihrer Bachelorarbeit haben sie eine neue Konzeption ausgetüftelt, um die ehrenamtlich geführte Einrichtung in die Moderne zu bringen. Dafür sorgen Oma und Opa, die die Besucherinnen und Besucher über eine App mitnehmen in vergangene Zeiten.

Renovierung nach Wasserschaden

Doch bis es so weit ist, muss noch viel Arbeit geleistet werden. Etwa das Gebäude nach einem Wasserschaden im Februar 2021 wieder zu renovieren. Ganz wichtig auch, dass es einen Internetanschluss und WLAN geben wird. Denn sonst kann das Konzept nicht umgesetzt werden, wie Ralf Brix als Vorsitzender vom Museumsverein betont. Die meisten Schäden sind mittlerweile aber beseitigt, zudem gibt’s jetzt nur noch energiesparende Lampen im Haus.

Was die beiden Studentinnen sich ausgedacht haben, um auch mehr junge Familien und junge Gruppen ins Museum nach Horlachen zu locken? Ein pfiffiges und durchgängig schlüssiges Konzept. Mit Interaktion, eigener App, Touch-Screen und vielem mehr. Nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ werden einzelne Exponate dargestellt. Oder, wie es Ralf Brix ausdrückt: „Weniger ist mehr.“

Etwa stehen die Besucherinnen und Besucher dann vor einer Mostpresse oder einer Milchzentrifuge. Und über die App oder die Interaktion erhalten sie umfassende Information. Man erfährt, wie einst Apfelsaft oder Butter hergestellt wurden. Als Erklärer wurden „Oma“ und „Opa“ geschaffen, die über die App durchs Museum führen. Beide sprechen schwäbisch, alles kann aber zeitgleich auf Hochdeutsch mitgelesen werden.

Oma und Opa erklären aber nicht nur das jeweilige Exponat und seine Aufgabe. Sie sprechen auch über das Zeitgeschehen, als sie jung waren. Auch in einer digitalen Form präsentiert sich ein passendes Ahnenbuch. In diesem frohlockt etwa die Oma, dass sie 1919 erstmals wählen durfte.

Als es noch keine Plastiktüten gab

Die Nachhaltigkeit spielt in dem Konzept eine große Rolle. So kündigt Ralf Brix etwa an, dass auch ein Kaufmannsladen originalgetreu aufgebaut werden soll. Aus der Zeit um 1920, als es noch keine Plastiktüten gab, und der Kaffee pfundweise in ein mitgebrachtes Behältnis eingefüllt wurde.

Ralf Brix erklärt, aktuell werde „entsammelt“. Sprich: sensibel der Bestand und das Archiv gesichtet und ausgedünnt. „Man braucht nicht 50 Hämmer, zwei genügen“, sagt er. Er zeigt anhand von Bildern, dass im Museumsfundus gut 50 Transistorradios sind. Diverse Gegenstände hätten bereits über Spenden abgegeben werden können, so Brix. „Natürlich behalten wir von allem jeweils zwei Ausgaben zurück. Beziehungsweise besonders wertvolle Dinge werden nicht abgegeben. Es geht um effektives Nutzen der Räume.“ Durch die gute Zusammenarbeit mit anderen Museen im Kreis und darüber hinaus werden zudem auch Exponate ausgetauscht.

Bis Mai 2022 will der Museumsverein mit der ehrenamtlich durchgeführten Renovierung fertig sein. Doch bereits jetzt lohnt der Besuch. Denn in der neu eingerichteten Küche kann man auf Zeitreise gehen, sieht das Butterfass, den Fleischwolf, das Waffeleisen und andere Küchenutensilien, wie sie um 1900 unerlässlich waren. Oder man kann die Flachsverarbeitung beäugen, vom Flachsbündel bis zum Webstuhl oder Spinnrad.

Besonders interessant wird es, wenn Webermeister Helmut Altmann am Webstuhl anschaulichen Unterricht gibt, wie kürzlich geschehen. Und Heike Haug, Sibylle Hornung oder auch Sandra Brix mit Spinnrad und Handspindel aus den Fasern Garn herstellen. Die Herzen von Technikfans werden höher schlagen angesichts des Radioempfängers von 1925, der vier Röhren aufweist und hörbar voll funktionsfähig ist. Ein echter Hingucker ist auch die Modelleisenbahn aus Blech, Marke Fleischmann, die ihre Runden in einem Ausstellungszimmer dreht.

Öffnungszeiten

Jeden ersten Sonntag im Monat hat das Museum in Horlachen von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Im Museumscafé gibt es selbst gebackenen Kuchen und Kaffee.

Zwei Studentinnen der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd, Anica Jakobsen und Daniela Casorati, haben das Museum in Gschwend-Horlachen ganz genau unter die Lupe genommen. In ihrer Bachelorarbeit haben sie eine neue Konzeption ausgetüftelt, um die ehrenamtlich geführte Einrichtung in die Moderne zu bringen. Dafür sorgen Oma und Opa, die die Besucherinnen und Besucher über eine App mitnehmen in vergangene Zeiten.

Renovierung nach Wasserschaden

Doch bis es so weit ist,

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