Stuttgart & Region

Kein linkes Bündnis bei OB-Neuwahl in Stuttgart: Die Chancen für Frank Nopper steigen

Frank Nopper
Frank Nopper (CDU), Kandidat zur Wahl des Oberbürgermeisters in Stuttgart. Foto: Tom Weller/dpa/Aktuell © Tom Weller

Gegen 14.30 Uhr am Mittwoch war Veronika Kienzles Traum ausgeträumt: Da sei ihr klar gewesen, dass sie sich aus dem Rennen um das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters nimmt. Als Zweitplatzierte des ersten Wahlgangs wohlgemerkt. Der Grund: Die drei aussichtsreichsten Bewerber aus dem linken Spektrum konnten sich nicht auf einen gemeinsamen Gegenkandidaten für CDU-Mann Frank Nopper einigen, der beim ersten Wahlgang am Sonntag in Führung lag.

Klar ist damit schon jetzt: In der baden-württembergischen Landeshauptstadt verlieren die Grünen den Chefsessel. Vier Monate vor der Landtagswahl könnte das ein schlechtes Omen für die Ökopartei sein.

Rockenbauch und Schreier gehen in den zweiten Wahlgang

Mit Hannes Rockenbauch, der für das Fraktionsbündnis SÖS/Linke im Gemeinderat sitzt, und Sozialdemokrat Marian Schreier, der nach Streitigkeiten mit seiner Partei als unabhängiger Bewerber angetreten war, hatte Kienzle über fast 30 Stunden immer wieder an einer Lösung gearbeitet. Drei Treffen am Dienstag, sagte sie. Dann saßen sie seit Mittwochmorgen wieder zusammen. Rangen um ein gemeinsames Vorgehen.

Kienzle hatte am Sonntag 17,2 der Stimmen geholt, Schreier 15 und Rockenbauch 14. Zusammen hätten die Chancen gut gestanden. Nopper lag zwar mit 31,8 Prozent der Stimmen überraschend weit davor - aber in erreichbarer Nähe. Hätte das Trio seine Anhängerschaft gebündelt.

Das Auseinandergehen klingt eher nach Streit als nach einer knapp gescheiterten Einigung: Rockenbauch und Kienzle sagten ganz klar, Schreier sei ausgeschert und habe unbedingt kandidieren wollen. Rockenbauch entschied sich daraufhin für eine eigene Kandidatur - zuversichtlich, dass eine Mehrheit seine ökologische und soziale Politik unterstütze. Als dritte im Bunde entschloss sich Kienzle daraufhin für einen Rückzug. Wohlwissend, dass drei politisch ähnlich verortete Kandidaten sich gegenseitig zu viel Konkurrenz machen.

Wem sie ihre Stimmen gönnt, könne sie eine halbe Stunde nach ihrer Entscheidung nicht sagen, sagte Kienzle der Deutschen Presse-Agentur. «Für eine Wahlempfehlung ist es zu früh.» Inhaltlich große Überschneidungen gebe es mit Rockenbauch. Bei Schreier könne sie nicht einschätzen, ob dessen Äußerungen nur Lippenbekenntnisse seien.

Ein Wahlkampf der Überraschungen und Kuriositäten

Und was sagt der 30-Jährige dazu? Der amtierende Bürgermeister des Luftkurorts Tengen mit 4600 Bürgern in Bodensee-Reichweite ist in der 630 000-Einwohner-Stadt Stuttgart mit dem Wahlslogan «Der Junge kann das» angetreten. «Ich bin sehr zuversichtlich, erfolgreich aus der Wahl hervorgehen zu können», verkündete Schreier am Mittwoch. «Es gibt ein relativ konservatives Angebot und ein relativ linkes Angebot. Ich bin aber der Meinung, dass die Wähler sich ein progressives Angebot in der politischen Mitte wünschen.» Wobei er nicht in Lagern denke.

Am 29. November wird sich also zeigen, ob die CDU das Stuttgarter Rathaus nach nur einer Amtszeit von Fritz Kuhn zurückerobern kann, der aus persönlichen Gründen nicht mehr antritt und mit dieser Entscheidung selbst Parteifreunde überrascht hatte. Die Chancen für Nopper sind mit den Entscheidungen vom Mittwoch jedenfalls gestiegen. Als der CDU-Kandidat gegen 15.30 Uhr davon erfuhr, wirkte er zunächst sprachlos. Später kommentierte er: «Der Stuttgarter OB-Wahlkampf scheint sich zu einem Wahlkampf der Überraschungen und Kuriositäten zu entwickeln. Ich bin erstaunt über die aktuellen Entwicklungen.»

Für die Grünen aber sind die Aussichten so oder so bitter, kann doch der Machtverlust an der Stuttgarter Rathausspitze als schlechtes Vorzeichen für die Landtagswahl interpretiert werden. Zwar betonen sie, OB-Wahlen seien regionale Persönlichkeitswahlen. Gerade diese unterschiedlichen Persönlichkeiten und deren Charaktere, waren aber nun aber wohl ausschlaggebend für das Platzen des linken Bündnisses.