Stuttgart & Region

Kommt die Autobahn durchs Remstal?

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Josef Michel, Sprecher der Arge Nordostring, Archivbild. © Bernhardt / ZVW

Schwäbisch Gmünd. Der Nordostring um Stuttgart nur als Entlastung für die Stuttgarter? Vertreter des BUND und der Bürgerinitiative Arge Nordostring sind überzeugt, dass die verantwortlichen Politiker etwas ganz anderes planen: eine autobahnmäßig ausgebaute Straße zwischen dem Rheintal und den Zentren Regensburg, Augsburg, Ingolstadt.

Auch Politiker im Ostalbkreis gehören nach Ansicht der Initiative zu den „Treibern“ dieser Planung: der Gmünder CDU-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium Norbert Barthle, der Aalener CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter, Landrat Klaus Pavel sowie auf der anderen Seite der Landesgrenze der CSU-Abgeordnete Ulrich Lange. Nun wollen sich die BUND-Regionalverbände entlang der geplanten Route deshalb verbünden und gemeinsam gegen das ihrer Ansicht nach bedrohliche Großprojekt vorgehen. Denn dieses Vorhaben, sagen sie, würde pro Tag bis zu 70 000 Fahrzeuge zusätzlich ins Remstal führen. Das machten sie am Donnerstag in einem Pressegespräch in Schwäbisch Gmünd klar.

Josef Michel, Sprecher der Arge Nordostring, und Werner Gottstein, Landesvorstandsmitglied des BUND und Regionalvorsitzender Ostwürttemberg, werfen den Politikern „Etikettenschwindel“ vor. Bei Baumaßnahmen wie der Umgehung Mögglingen oder auch den geplanten Umgehungen von Bopfingen und Trochtelfingen gehe es den Verantwortlichen nur vordergründig um die Entlastung der Bürger. Dahinter stehe ein anderer, viel größerer Plan. Schon die Maße der Mögglinger Umgehung zeigten, dass dort weit mehr als eine Ortsumfahrung gebaut werde. Michel und Gottstein weisen auf die Maßnahmen hin, die im Bundesverkehrswegeplan vorgesehen sind oder bereits laufen:

Die B 10, die das Rheintal und Stuttgart verbindet, werde massiv ausgebaut.

An der B 29 im Remstal sei der Gmünder Tunnel fertig, der Ausbau Gmünd-Mögglingen auf dem Weg, die Umfahrung Mögglingen im Bau, der Ausbau Essingen-Aalen auf dem Weg. Die B 29n als Fortsetzung im bayerischen Teil ist im vordringlichen Bedarf des Verkehrswegeplans.

So würde, argumentiert der BUND, eine wie eine Autobahn ausgebaute Straßenverbindung zwischen dem Rheintal und den bayerischen Wirtschaftszentren entstehen, die parallel dazu zwischen den überlasteten Autobahnen A 6 im Norden und A 8 im Süden verlaufen würde. Das noch fehlende Stück wäre der Nordostring, der die B 10 und die B 29 verbinden würde.

Wenn dieses Verbindungsstück gebaut würde, sagen Michel und Gottstein, würde die zusätzliche Verkehrsflut für die Orte an der Strecke die Entlastung, die ihnen durch Umfahrungen versprochen wird, wieder auffressen. Nach Gottsteins Überzeugung arbeiten die Verantwortlichen ganz geplant auf eine „Autobahn“ von Karlsruhe durchs Remstal bis Regensburg hin. Mit der Ampelschaltung bei der Anbindung an die A 7 würden gezielt Stauungen verursacht, um den Druck für den Ausbau zu verstärken.

Sollte der Lückenschluss kommen, sieht der BUND-Regionalgeschäftsführer Andreas Mooslehner Gmünd trotz seines Tunnels als großen Verlierer. Die Belastung der Stadt würde wieder Ausmaße wie vor der Tunneleröffnung annehmen. Und diese Belastung, sagt Gottstein, werde vor allem durch Lastwagen kommen. Denn er sieht die Trasse Stuttgart-Bayern als starke Verbindung der großen Autobauer.

Was wäre die Alternative für den Ausbau? Nach Ansicht von BUND und Arge muss viel stärker dafür gesorgt werden, dass überregionaler Schwerverkehr auf den bestehenden Autobahnen bleibt - oder doch auf die Schiene verlagert wird.