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Lucha: Coronavirus-Infektion in Göppingen ist "Einzelfall"

Manfred Lucha
Manfred Lucha (Bündnis 90/Die Grünen), Gesundheitsminister von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © dpa

Stuttgart.
Bei der ersten Infektion eines Patienten aus Baden-Württemberg mit dem neuartigen Coronavirus handelt es sich laut dem baden-württembergischen Gesundheitsministers Manne Lucha (Grüne) um einen Einzelfall. "Es gibt nach wie vor keinen kursierenden Virus bei uns", sagte Lucha am Mittwoch in Stuttgart. Der Erreger sei aus dem Ausland mitgebracht worden. Der Mann habe sich vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt.

13 Kontaktpersonen des erkrankten 25-jährigen Mannes aus dem Kreis Göppingen seien bekannt und kontaktiert worden. Zwei von ihnen - die Lebensgefährtin des 25-Jährigen sowie die Freundin in Italien, die die beiden besucht hatten, wurden getestet. Das Ergebnis steht noch aus. Die übrigen Kontaktpersonen sollen nicht untersucht werden, solange sie keine Symptome zeigen.

Der Mann hatte sich zwei Tage nach den ersten Symptomen beim Gesundheitsamt gemeldet. Er sei am Freitag (21. Februar) von einem Mailand-Aufenthalt zurückgekehrt, habe am Sonntagmittag Husten bekommen und am Dienstagmorgen Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen, sagte Stefan Brockmann, Leiter des Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz am Landesgesundheitsamt (LGA). Noch am selben Tag sei ein Abstrich im LGA untersucht worden, der Patient sei in eine Klinik gekommen.

"Es gibt keinen Grund zur Unruhe"

Der Zustand des Mannes ist bislang stabil. "Es geht ihm gut, er ist in der Klinik und unter Beobachtung", sagte ein Sprecher des Ministeriums. Nach dpa-Informationen wird der Patient isoliert in einer Einrichtung der Alb Fils Kliniken in Göppingen behandelt.

Der Landrat sieht den betroffenen Landkreis Göppingen gut gerüstet. Man setze darauf, das Virus in den Griff zu bekommen und eine Weiterverbreitung verhindern können" sagte Landrat Edgar Wolff. Es gebe einen Krisenstab, der die Lage stets neu bewerte.

Auch Gesundheitsminister Lucha mahnte zur Besonnenheit: "Es gibt keinen Grund zur Unruhe." Die Behörden reagierten "ruhig, besonnen, lageorientiert". Er habe es dennoch für selbstverständlich gehalten, seinen Urlaub in der Schweiz abzubrechen, um in Stuttgart Gespräche mit den Experten zu führen. "Baden-Württemberg hat sich schon früh auf diesen Fall eingestellt. Alle beteiligten Stellen arbeiten eng und intensiv zusammen", sagte er.

Mit Blick auf geplante Italien-Aufenthalte oder Reisen in andere vom Coronavirus betroffene Gebiete appellierte Lucha an die Vernunft der Bevölkerung. Die Menschen sollten "nicht gerade dahin gehen, wo die Lage noch unübersichtlich ist", sagte er am Mittwoch in Stuttgart. Zu einer freien Gesellschaft gehörten auch das Umplanen und der Verzicht. Am Dienstagabend war bekannt geworden, dass sich ein 25 Jahre alter Mann aus dem Kreis Göppingen vermutlich während einer Italienreise in Mailand angesteckt hatte. Er sei nach seiner Rückkehr mit grippeähnlichen Symptomen erkrankt und habe Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufgenommen, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Alle Krankenhäuser im Land seien in der Lage, Erkrankte aufzunehmen

Nach Angaben seines Ministeriums sind alle Krankenhäuser im Land in der Lage, Erkrankte aufzunehmen und zu isolieren. Zur Prophylaxe gehört zum Beispiel, dass bei einem nicht erhärteten Verdacht auf Influenza automatisch auch Laboruntersuchungen auf Corona vorgenommen werden. Labore beim Landesgesundheitsamt in Stuttgart und in den Unikliniken Heidelberg und Freiburg können die Erkrankung innerhalb von fünf Stunden feststellen.

Derzeit befinden sich noch 15 China-Rückkehrer in Quarantäne in einem Hoteltrakt in Kirchheim/Teck. Im Landkreis Karlsruhe sind zwei nicht erkrankte Menschen wegen Kontakt zu Coronavirus-Erkrankten in häuslicher Absonderung und sollen ihre Wohnung nicht verlassen.

In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden: vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus Wuhan. Diese Fälle führten aber nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen.

Vom Robert-Koch-Institut (RKI) hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen. Behörden versuchen, den Fällen mit Hochdruck nachzugehen, um eine weitere Verbreitung des Virus möglichst zu verhindern. Dadurch soll die Belastung auf das Gesundheitssystem gemildert werden.

Der Ursprung des neuartigen Virus liegt in China. Die Zahl der Todesopfer und Infizierten dort ist erneut gestiegen.