Stuttgart & Region

Motorradlärm: Bis zu 8000 Motorradfahrer demonstrieren in Stuttgart gegen Fahrverbote

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Motorradfahrer fahren während einer Demo auf einer Autobahn
Motorradfahrer fahren auf einer Autobahn. © dpa/Hauke-Christian Dittrich
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Motorradfahrer demonstrieren in Bad Cannstatt.
Motorradfahrer demonstrieren am 4.7. in Bad Cannstatt. © Gülay Alparslan
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Motorradfahrer treffen sich in Ludwigsburg
Treffen der Demoteilnehmer in Ludwigsburg. © Gülay Alparslan
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Treffen der Demo-Teilnehmer in Ludwigsburg
Treffen der Demonstrationsteilnehmer bei Autobahnauffahrt Ludwigsburg-Süd. © Tobias Klecker

In Stuttgart kamen nach Angaben der Beamten am frühen Nachmittag bis zu 8000 Motorradfahrer zusammen, um gegen mögliche Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen zu demonstrieren. Nach Angaben eines Polizeisprechers waren es deutlich mehr als erwartet. Auch aus dem Rems-Murr-Kreis nahmen viele Motorradfahrer teil. Mehr als Hundert versammelten sich beispielsweise auf einem Park-and-Ride-Parkplatz bei Schorndorf-Haubersbronn und fuhren um 13 Uhr von der Polizei eskortiert in Richtung Stuttgart. Am Bodensee schätzten Polizei und Veranstalter die Zahl der demonstrierenden Motorradfahrer auf 5000 und damit ebenfalls deutlich höher als die erwarteten 1000 Teilnehmer. 

Die Biker wollten mit den Demo-Korsos im Südwesten Flagge zeigen gegen eine Initiative des Bundesrats zur Reduzierung von Motorradlärm. Die Veranstalter fürchten dabei vor allem, dass ihnen die Bundesregierung angesichts zunehmender Klagen über den Lärm die Ausfahrten an Sonn- und Feiertagen verbietet.  

Am Bodensee mussten die Biker aufgrund ihrer hohen Zahl auf Anweisung der Polizei von der geplanten Route abweichen: Eigentlich wollten sie am Seeufer entlang nach Engen (Kreis Konstanz) fahren, wo eine kurze Kundgebung geplant war. Ein Teil der Strecke führte dann aber etwas abseits vom Bodensee über die Autobahn. In Stuttgart kam es nach Angaben der Polizei aufgrund der Demo zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Organisiert wurden die Aktionen unter anderem von der Gruppe «Biker for Freedom», die auch an zahlreichen weiteren Orten bundesweit zu Demos aufgerufen hatte. So waren beispielsweise auch in Wiesbaden einige Tausend Biker unterwegs - ebenso in München, wo eine Groß-Demonstration dazu eigentlich untersagt worden war.

Hintergrund der Proteste ist ein langer Streit über Motorradlärm. Die Bundesländer hatten sich Mitte Mai dafür eingesetzt, dass die Fahrzeuge weniger Lärm verursachen sollen. So sollen die zulässigen Geräusch-Emissionen auf einen Wert begrenzt werden, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Der Bundesrat will zudem beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

In Baden-Württemberg gelten vor allem landschaftlich reizvolle und kurvige Strecken wie auf der Schwäbischen Alb, im Schwarzwald und Odenwald sowie die Löwensteiner Berge und die Bergstraße als Lärm-Hotspots. Im Rems-Murr-Kreis sind das vor allem Strecken in Weinstadt-Schnait, Sulzbach an der Murr, Althütte, sowie Kernen, Schorndorf, Großerlach und Kirchberg an der Murr.

Mehr als 100 Städte, Gemeinden und Landkreise haben sich aus Protest zur «Initiative Motorradlärm» zusammengeschlossen. Ihr Forderungskatalog umfasst geänderte Zulassungsregelungen für Motorräder und drastischere Strafen für Manipulationen an Motoren, Verkehrsverbote und stärkere Kontrollen.

Auch die Bergstraße in Bodman-Ludwigshafen am Bodensee lockt viele Motorradfahrer an. «Die meisten fahren ordentlich, aber nicht wenige nutzen die Strecke, um hoch und runter zu rasen», sagte der Bürgermeister der Gemeinde, Matthias Weckbach. Zum Teil würden auch Wettrennen durch Wohngebiete und einen Uferpark gefahren. «Die Bergstraße thront über Ludwigshafen, der Lärm der Motorräder und hochmotorisierten PKW beschallt den ganzen Ort. Die Bürgerinnen und Bürger finden keine Ruhe.»

Er verstehe den Ärger über den Lärm durchaus, sagte dagegen Jörg Brucker von der Gruppe «Biker for Freedom», der auch die Demonstration am Bodensee organisiert hatte. Man dürfe die Motorradfahrer aber auch nicht unter Generalverdacht stellen - ein Fahrverbot sei aus seiner Sicht nicht der richtige Weg.