Stuttgart & Region

Nach erneuter Krawallstimmung: Stadt Stuttgart sperrt Freitreppe zum kleinen Schlossplatz

Polizei Polizist Vollstreckungsbeamte SYMBOL
Symbolfoto. © ZVW/Gabriel Habermann

Ab sofort wird die Freitreppe zum kleinen Schlossplatz an Freitagen und Samstagen sowie vor Feiertagen jeweils zwischen 20 Uhr und 6 Uhr des Folgetags gesperrt. Das gibt die Landeshauptstadt Stuttgart in einer Pressemitteilung am Dienstag (01.06.) bekannt.

Die Sperrung der Treppe sei das Ergebnis einer intensiven Beratung zwischen Stadt und Polizei und eine Reaktion auf Auseinandersetzungen zwischen Polizeibeamten und mehreren hundert Jugendlichen und Heranwachsenden in der Nacht von Samstag auf Sonntag (29. /30.05.).

Clemens Maier, Bürgermeister für Sicherheit, Ordnung und Sport, sagte, dass die Freitreppe Samstagnacht Ausgangspunkt der Provokationen und Übergriffe auf Polizeibeamte gewesen sei. Von dort aus wurden die Einsatzkräfte massiv beleidigt und teilweise auch mit Flaschen beworfen. Das soll künftig verhindert werden.

Der Ordnungsbürgermeister erklärte, dass Überlegungen zu einem Verweilverbot in Teilen des Cityrings vorerst zurückgestellt würden, weil davon auch diejenigen betroffen wären, die sich friedlich und ordnungsgemäß verhalten. Es solle kein Kollektivverbot wegen des Fehlverhaltens Einzelner für alle Stuttgarterinnen und Stuttgarter sowie Besucher geben.

Neben der Sperrung der Freitreppe wollen Stadt und Polizei die Präventionsarbeit noch weiter ausbauen. Zusätzlich zu den Sozialarbeitern der Mobilen Jugendarbeit werden auch speziell geschulte Kommunikationsteams der Polizei im Einsatz sein und „Provokateure“ ansprechen und aufklären.  

Darüber hinaus wird die Polizei die personenbezogenen Aufklärungsmaßnahmen verstärken. Markus Eisenbraun, Vizepräsident des Polizeipräsidiums Stuttgart, erklärte: „Es hat sich gezeigt, dass es immer wieder Rädelsführer gibt, die die überwiegend friedliche Menge anzustacheln versuchen. Dabei nutzen sie die Freitreppe als Tribüne.“ Diese Personen will die Polizei identifizieren und gezielt auf ihr Verhalten einwirken.

Auch die Heidelberger Neckarwiese wird von Mittwochabend an zur Sperrzone, in der Tübinger Innenstadt gilt ein Alkoholverbot. In Heidelberg gilt auf der Neckarwiese von Mittwochabend bis Montagmorgen zwischen 22.00 und 6.00 Uhr ein Aufenthaltsverbot. Wie die Stadt am Dienstag mitteilte, sollen Spaziergänger oder Jogger dort aber erlaubt bleiben. Für die Innenstadt kündigte die Stadtverwaltung verstärkte Kontrollen von Polizei und Ordnungsdienst an. 

Auch die Stadt Tübingen zieht nach den Ausschreitungen vom Wochenende Konsequenzen. Nach Angaben der Verwaltung gilt in der Innenstadt von Mittwoch an zwischen 22.00 Uhr und 4.00 Uhr ein Alkoholverbot abseits der Außengastronomie. Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hatte eine solche Regelung nach den Krawallen am Wochenende angekündigt.

Unterdessen meldete die Heidelberger Polizei Ermittlungserfolge nach den dortigen Krawallen.

Nach Angaben von Polizei und Heidelberger Staatsanwaltschaft durchsuchten die Ermittler am Dienstagmorgen die Anwesen von drei Verdächtigen im Alter von 17 und 18 Jahren. Die beiden 17-Jährigen stehen demnach im Verdacht, das Zelt einer Corona-Schnellteststation unter anderem mit einem Holzpfahl demoliert zu haben. Der 18-Jährige soll mit einem E-Scooter auf den Pavillon eingeschlagen und eine Flasche auf einen fahrenden Streifenwagen geworfen haben. Er wurde noch am Dienstag einer Richterin vorgeführt, die Haftbefehl unter anderem wegen des Verdachts auf Landfriedensbruch erließ.