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Nach zwei Jahren Corona: So geht es dem Veranstalter Music Circus aus Stuttgart

Konzert Symbol Symbolbild Publikum Zuschauer
Symbolbild. © Pixabay (CC0 Creative Commons)

In den letzten zwei Jahren mussten wir uns in Verzicht üben. Konzerte, Festivals und Veranstaltungen waren für längere Zeit Wunschdenken. Schuld daran war Corona und die damit einhergehenden Einschränkungen. Diesen Sommer kehrte wenigstens etwas Normalität zurück. Wir haben mit dem Geschäftsführer des Veranstalters Music Circus Concertbüro, Hans-Peter Haag, über die Veranstaltungsbranche und das Publikumsverhalten nach zwei Jahren Corona gesprochen. Welche Probleme hat Corona mit sich gebracht und wie ist die bisherige Resonanz für den Herbst?

Das Konzertbüro Music Circus ist ein örtlicher Veranstalter für Konzerte und Veranstaltungen. Neben Stuttgart, Ludwigsburg und Esslingen ist es auch in Heilbronn, Karlsruhe, Pforzheim und im mittleren Neckarraum vertreten. Während es letzten Sommer noch viele Einschränkungen und Regeln für Veranstalter gab, sah es dieses Jahr schon besser aus: „Wir hatten Glück, dass die Corona-Maßnahmen bei der aktuellen Durchführung keine Rolle mehr gespielt haben und es nur wenige Einschränkungen gab.“ Im Sommer gab es nämlich beispielsweise keine Maskenpflicht mehr fürs Publikum. „Es war auch nicht erforderlich, zu kontrollieren, ob die Besucher geimpft oder genesen sind“, erzählt Haag. Bei den Mitarbeitern war man aber trotzdem vorsichtig: In manchen Bereichen sei das Personal getestet worden, erzählt Haag. In der Garderobe zum Beispiel habe es auch eine Maskenpflicht gegeben.

Eines der größten Risiken für die Veranstalter waren Krankheitsausfälle bei den Künstlern, weil sie nicht zu ersetzen sind. Deswegen wurden sie vom Geschehen separiert. Fast genauso wichtig sind die technischen Mitarbeiter der Künstler. „Ein Ton- oder Lichtmann sowie bestimmte spezialisierte Techniker sind nicht leicht zu vertreten.“

Tickets haben meist ihre Gültigkeit behalten

Viele Veranstaltungen wurden nur verschoben und sind nicht ersatzlos ausgefallen. Das heißt, Tickets haben ihre Gültigkeit behalten und die Veranstalter trotzdem ihre Einnahmen. Käufer hatten aber auch die Möglichkeit, bereits gekaufte Tickets wieder zurückzugeben. Die Veranstaltungen seien aber größtenteils so gefragt gewesen, dass nur wenige erstattet werden mussten und zurückgegebene Tickets schnell wieder verkauft werden konnten. „Glücklicherweise haben wir nur wenig unter Corona gelitten“, sagt Haag.

Der Veranstalter hat dieses Jahr größtenteils Konzerte durchgeführt, die eigentlich schon die letzten Jahre geplant waren und mehrfach verschoben wurden. „Die Resonanz der Ticketkäufer war bei uns sehr gut. Aus unserer Sicht war es auf jeden Fall ein überdurchschnittliches Jahr, was die Zahl der Veranstaltungen betrifft.“ Die meisten Veranstaltungen von 2020 und 2021 haben erst 2022 stattfinden können. Zusätzlich sind auch noch neue Events dazugekommen. „Zu den Umsatzzahlen im Gegensatz zum Vor-Corona-Jahr 2019 kann man aber pauschal nichts sagen.“ Das liege daran, dass sich der Umsatz aufgestaut habe.

Auf die Frage, ob sich die Stimmung bei den Besuchern verändert hat, antwortet Haag: „Wer Tickets während Corona gekauft hat, war sich wahrscheinlich auch der Risiken bewusst und hatte mit den geltenden Bedingungen keine Probleme.“ Er hat auch nicht den Eindruck, dass Besucher allgemein ängstlicher geworden sind: "Diejenigen, die Angst vor Corona haben oder hatten, sind wahrscheinlich eher zu Hause geblieben.“

Eine besondere Herausforderung in Stuttgart war außerdem die Verlegung vom Stadion auf den Cannstatter Wasen aufgrund von Umbaumaßnahmen: „Das hat das Ganze natürlich erschwert.“ Normalerweise wird bei verschobenen Veranstaltungen nur der Termin geändert - die Karten behalten ihre Gültigkeit. „Uns hat es mit den Rammstein-Konzerten getroffen." Alle Karten mussten ausgetauscht werden, weil das Gelände, der Aufbau und die Platzeinteilung anders waren.

Wie hat sich die Veranstaltungsbranche verändert?

Die Veranstaltungsbranche hat sich, wie viele andere Bereiche auch, durch Corona verändert. Daran gibt es keinen Zweifel. „Viele leiden besonders unter der langen Pause, die die Personalknappheit oder Knappheit aller möglichen Art verursacht hat. Die meisten haben nicht zwei Jahre gewartet und nichts getan, sondern sich beruflich neu orientiert.“

Die Rückkehr zur Normalität hat auch andere Probleme mit sich gebracht. Dazu gehört auch die Beschaffung von technischem Material: „Die Dienstleister, die Material zur Verfügung stellen - Beispiel Bühnenbauer, Ton- und Lichtfirmen - haben in den zwei Jahren keine Anlässe gehabt, ihren Bestand zu halten, aufzustocken oder in neues Material zu investieren – da war alles sehr knapp."

Wie geht es nach Corona weiter?

Die Frage, die sich viele jetzt stellen: Wie geht es nach Corona weiter? „Momentan ist alles wieder einigermaßen normal, was die Veranstaltungsbranche betrifft. Viele spekulieren, dass es im Herbst wieder anders aussehen wird“, sagt Haag.  

Momentan bemerkt das Konzertbüro auch eine deutliche Kaufzurückhaltung für Events, die im Herbst stattfinden – das gilt aber nicht für alle, es gibt auch gewisse Ausreißer. „Die Besucher wollen vielleicht erst einmal abwarten“, nennt Haag als Grund. „Im Herbst gehen außerdem all jene Veranstaltungen über die Bühne, bei denen wir nicht auf die Karten zurückgreifen können, die vor Corona verkauft wurden.“

Dass die Lebenshaltungskosten und die Mobilität teurer geworden sind, kann ebenfalls eine Rolle beim Kaufverhalten spielen, weiß Haag. In Bezug auf die Energieversorgung beispielsweise ist vieles unsicher: „Es wird bestimmt auch Verhaltens- oder Gewohnheitsänderungen geben, die während der zwei Jahre Pandemie schon stattgefunden haben. Menschen waren wenig auf Veranstaltungen unterwegs und haben vielleicht festgestellt, dass es nicht so wichtig für sie ist, oder aber sie haben neue Freizeitaktivitäten gefunden.“

Anders geplant wird nicht: „Wir wissen ja nicht, was kommt. Man müsste so viele Sachen und Varianten berücksichtigen, die sich dann nachher wieder als falsch herausstellen könnten.“ Die Wahrscheinlichkeit sei einfach zu groß, dass im Herbst wieder ganz andere Regeln gelten.