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Sexuellen Missbrauch von Kindern verhindern: So können Sie helfen

Kindesmissbrauch Gewalt an Kindern
Symbolbild. © Pixabay License

Missbrauch an Kindern bleibt oft im Verborgenen. Trotz zahlreicher Informationen der Bevölkerung über sexuellen Kindesmissbrauch werde diese Straftat verhältnismäßig selten polizeilich bekannt. Das teilt die Polizei in einer Pressemitteilung des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg mit, die sie am Dienstag (11.08.) veröffentlich hat. Woran liegt das? Die Taten bleiben häufig deswegen verborgen, weil sexuelle Gewalt innerhalb der Familie oder des Bekanntenkreises ausgeübt wird.

Warum schrecken viele vor einer Anzeige zurück?

Um Missbrauchsfälle häufiger aufzudecken, macht die Polizei auf ihre bundesweite Kampagne „Missbrauch verhindern!“ aufmerksam, mit der sie Erwachsene über Schutzmöglichkeiten von Kindern aufklärt. In diesem Zusammenhang ist es besonders wichtig, Anzeige zu erstatten.

Viele schrecken davor zurück, Anzeige zu erstatten. Die Gründe für eine mangelnde Anzeigenbereitschaft bei Verdacht auf sexuelle Gewalt an Kindern sieht die Polizei darin, dass das Opfer in einem Abhängigkeitsverhältnis zum Täter oder zur Täterin steht. Oft handelt es sich bei den Tätern und Täterinnen um Bekannte oder Verwandte. Angehörige hätten Angst vor den Folgen einer Anzeige in einem damit verbundenen Gerichtsverfahren.

Warum eine Strafanzeige wichtig und notwendig ist

„Schützen Sie Kinder durch Ihr Handeln“, heißt deshalb die wichtigste Botschaft der Kampagne ‚Missbrauch verhindern!‘. Damit will die Polizei Erwachsenen im Umfeld von betroffenen Kindern Handlungsmöglichkeiten zum Kinderschutz aufzeigen. Dazu gehöre auch eine Strafanzeige bei der Polizei, sagt Dr. Stefanie Hinz, Vorsitzende der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes.

Im Jahr 2019 erfasste die bundesweiten Polizeilichen Kriminalstatistik 13 670 Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch. 15 701 Jungen und Mädchen wurden dabei Opfer. Diese Zahlen spiegeln nach Angaben der Polizei aber nur einen Teil des eigentlichen Ausmaßes von sexueller Gewalt wider. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von einer Million betroffener Kinder in Deutschland aus.

Anhand dieser Schätzungen wird deutlich, dass viele Fälle nicht angezeigt werden. Daher will die Kampagne „Missbrauch verhindern!“ auch insbesondere die Ängste vor einer Strafanzeige und einem Gerichtsverfahren abbauen – ohne den Schutz der kindlichen Opfer zu vernachlässigen.

Statistik über sexuellen Missbrauch von Kindern
Sexueller Missbrauch von Kindern. © PROGRAMM POLIZEILICHE KRIMINALPRÄVENTION der Länder und des Bundes (ProPK


„Angehörige von betroffenen Kindern sollten wissen, dass eine Strafanzeige entscheidend dazu beiträgt, sexuelle Gewalt und damit das Leid der Kinder zu beenden heißt es in der Pressemitteilung.

Sagen Sie "Nein" zu Kindesmissbrauch

Für viele sei der Gang zur Polizei nicht einfach, jedoch gäbe es spezialisierte Beratungsstellen oder auch die Anlaufstellen des Weissen Rings, die hier unterstützen.

Stefanie Hinz appelliert an die Bevölkerung, diese Möglichkeiten zu nutzen und „Nein“ zu Kindesmissbrauch“ zu sagen. Mit den fünf Schritten der Kampagne „Missbrauch verhindern!“ können Erwachsene Kinder vor sexueller Gewalt schützen.

Schützen Sie Kinder durch:

1. Ihr Wissen: Informieren Sie sich über Fakten und Risiken – Unkenntnis begünstigt Missbrauch.

2. Ihre Offenheit: Machen Sie Missbrauch nicht zum Tabuthema – damit helfen Sie Opfern, sich anzuvertrauen.

3. Ihre Aufmerksamkeit: Oft gibt es Signale für Missbrauch – seien Sie aufmerksam.

4. Ihr Vertrauen: Vertrauen Sie den Aussagen von Kindern. Kinder erfinden selten eine an Ihnen begangene Straftat.

5. Ihr Handeln: Kümmern Sie sich um betroffene Kinder, holen Sie sich Hilfe und erstatten Sie Anzeige. Kinder können den sexuellen Missbrauch nicht beenden, sie brauchen die Hilfe von Erwachsenen.

Über „Missbrauch verhindern!“

Die Kampagne informiert seit 2013 über die Internetseite www.missbrauch-verhindern.de, eine gleichnamige Broschüre für Erwachsene sowie über Plakate über die Schutzmöglichkeiten bei sexueller Gewalt gegen Kinder. Die Medien sind kostenlos bei (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstellen erhältlich und unter www.missbrauch-verhindern.de zum Download eingestellt. Zusätzlich informiert die Polizei über die strafbare Verbreitung von Kinderpornografie. In den dazugehörigen FAQ werden die häufigsten Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet. Dadurch soll die Bevölkerung konsequent über die Meldewege aufgeklärt werden unter: www.polizei-beratung.de/faqzukinderpornografie