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TransnetBW ruft am Sonntag (15.01.) zum Stromsparen auf – Was bedeutet das?

Strommast Strom Symbol Symbolbild symbolfoto
Symbolfoto. © ZVW/Alexandra Palmizi

TransnetBW, Stromversorger von rund elf Millionen Menschen in Baden-Württemberg, weist am Sonntag (15.01.) auf Twitter auf eine „angespannte Situation im Stromnetz" hin. Die Ampel auf dem Twitter-Account des Stromversorgers zeigt für die Uhrzeit zwischen 10 bis 17 Uhr gelb, von 17 bis 18 Uhr sogar rot. Was bedeutet das für Baden-Württemberg?

Kommt es zu Engpässen bei der Stromversorgung oder sogar zu Stromausfällen?

Auf dem Twitter-Account von TransnetBW heißt es dazu: „An der Küste ist starker Wind am Sonntagnachmittag prognostiziert. Wir beobachten die Auswirkungen auf das Stromsystem ganz genau und werden es stabil halten. Mit Ihrer Unterstützung können wir das aber noch besser. Helfen Sie mit!“

Bewohnerinnen und Bewohner Baden-Württembergs müssen keine Sorge vor einer Mangelversorgung an Strom haben, erklärt Annett Urbaczka, Leiterin Unternehmenskommunikation von TransnetBW, auf Nachfrage. TransnetBW macht „die Stromautobahn für Baden-Württemberg“. Hintergrund ist ein sogenannter "Redispatch", das bedeutet ein Eingriff in die Stromerzeugung, um Engpässe zu vermeiden.

Im vergangenen Jahr hat TransnetBW die App „StromGedacht“ entwickelt, die den Bürgerinnen und Bürgern eine Chance geben soll, an der Netzstabilisierung mitwirken zu können. Laut Annett Urbaczka ist speziell Baden-Württemberg aktuell in der Situation, dass sehr viele zusätzliche Kraftwerke angefahren werden müssen.

Zu viel Strom in Norddeutschland führt zu Staus auf der Stromautobahn

Der Grund dafür: Aktuell ist es sehr windig in Deutschland. In Norddeutschland gibt es sehr viele Windenergie-Anlagen. Diese produzieren gerade sehr viel Strom. Wird so viel Strom an einer Stelle produziert, der anschließend über die „Stromautobahn“ fahren muss, kommt es zu „Staus“. In Baden-Württemberg sind wir von diesen „Staus“ betroffen. Der Strom, der im Norden im Überfluss vorhanden ist, kommt nicht nach Baden-Württemberg.

In der Folge müssen – zumeist ältere – Kraftwerke angeworfen werden oder Strom aus dem Ausland dazugekauft werden. Und das ist teuer. In dieser Situation befindet sich Baden-Württemberg gerade. Bürgerinnen und Bürger können laut TransnetBW mit einem „angepassten Stromverbrauch selbst einen aktiven Beitrag leisten“, damit weniger Strom importiert wird.

Das kann zum Beispiel so aussehen, dass Wäsche nicht zwischen 10 und 18 Uhr gewaschen wird, sondern erst später oder am nächsten Tag.

Unter dem Motto „Heute schon an StromGedacht?“ soll die TransnetBW-App Menschen nicht erst in drohenden Strommangelsituationen zum Stromsparen aufrufen. Sie kann auch zur Reduktion von Kosten und CO2 beitragen: Je weniger von dem für Redispatch georderten Strom verbraucht wird, desto besser für das Klima und den Geldbeutel.

Die Kosten für Redispatch werden über die Netzentgelte umgelegt und kommen so über die Stromrechnung beim Endverbraucher an. Mit "StromGedacht" bekommen Bürgerinnen und Bürger erstmals die Möglichkeit, ihren Stromverbrauch an die jeweilige Netzsituation anzupassen.

500 Megawatt Kraftwerksleistung müssen aus dem Ausland bezogen werden

Hohes Windaufkommen im Norden führt laut Pressestelle an diesem Sonntag erneut zur Aktivierung eines großen Redispatch-Volumens in der Regelzone von TransnetBW. Die Ampel in der App “StromGedacht” zeigt darum tagsüber „Gelb“ und rät, den Stromverbrauch vorzuziehen oder zu verschieben. Um 17 Uhr wird die Ampel „Rot“, dann wird das größte Redispatch-Volumen angefordert. In dieser Phase, in der auch größere Mengen Strom aus dem Ausland zur Bedarfsdeckung verwendet werden, motiviert „Rot“ zwischen 17 und 19 Uhr zum Stromsparen.

Im Sinne einer Sensibilisierung der Bevölkerung signalisieren die Ampelfarbe Rot, dass TransnetBW mehr als gewöhnlich dafür tun muss, das Stromnetz stabil zu halten. Am heutigen Sonntag müssen zwischen 17 und 19 Uhr zum Beispiel mehr als 500 Megawatt Kraftwerksleistung aus dem Ausland zur Deckung des Redispatch-Bedarfs in Baden-Württemberg bezogen werden.