Meinung

Tönnies-Fleisch in der Theke der Winnender Metzgerei Häfele? Der Verbraucher hat's selbst in der Hand!

Schlachthof
Sie als Verbraucher wollen, dass in dieser Wursttheke nur noch Häfele-Fleisch zu finden ist? Dann müssen Sie an sich selber arbeiten. © ALEXANDRA PALMIZI

Definitiv nicht! Dieser Artikel stammt nicht aus einem Metzgerei-Häfele-Werbeblättle. Die Brüder Armin und Peter Häfele waren jüngst Interviewpartner, weil sie neben ihren 19 Filialen im und um den Rems-Murr-Kreis auch noch eine Schlachterei in der Nähe von Heilbronn betreiben. Das allein schon ist ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die allermeisten kleinen Schlachtereien sind längst kaputtgegangen. In der Häfele-Schlachterei ist aber bislang auch kein einziger Coronafall aufgetreten. Die Mitarbeiter werden dort am allerliebsten die gesamte Lebensarbeitszeit über angestellt. Und die Bauern bringen ihre Schweine und Rinder noch persönlich – aus nächster bis naher Umgebung. Wie das heute noch zu schaffen ist, in einer Zeit, in der die großen Fleischfabriken, die Tönnies’, Müllers, Vions’ oder Westfleischs, den Markt beherrschen, die Preise diktieren, das ist ein Interview wert.


Es dürfe nicht sein, dass dieser Betrieb als „Engel“ auf weiter Landschaft dargestellt werde, hieß es dann in einer Mail. Denn mit dem Fleisch aus der eigenen Schlachtung werde nur ein Bruchteil des Verkaufes gedeckt. Regelmäßig käme ein Tönnies-Laster an. Und in der Metzgerei sei für den Verbraucher nicht mehr zu erkennen, von woher das Fleisch komme.

Der letzte Satz ist richtig, sagt Armin Häfele. Liegt die Ware erst mal in der Theke, sieht jedes Schnitzel gleich aus. Und wo es herkommt, wer es geschlachtet hat, ist auch nicht zu schmecken: Das Tönnies-Fleisch hat genauso eine gute Qualität wie das Häfele-Fleisch. Das Tönnies-Problem liegt ja auch nicht im Produkt, sondern im Umgang mit Arbeitnehmern und Schlachtvieh.

Was den „Bruchteil“ angeht: „95 Prozent“ alles Fleischs, das die Häfeles verarbeiten, sei’s zu Gulasch, sei’s zu Wurst, „stammt aus eigener Schlachtung“, sagt Armin Häfele. Das ist, um’s mal ganz lapidar auszudrücken, fast alles. Beim Rest bleibe schlicht nichts anderes übrig, als zuzukaufen. Denn – nehmen wir einfach mal den Schweinehals, das Grillgut, das zurzeit tausendfach und tagtäglich auf den Rosten im Rems-Murr-Kreis brutzelt – ein Schwein hat einfach nicht so viel Nacken, wie er im Sommer gewünscht wird.

Die Häfeles könnten jetzt natürlich mehr Schweine schlachten. Die Kapazitäten hätten sie. Ein Schwein aber besteht ja aus viel mehr als aus Nacken. Was passiert dann mit dem Rest? Der wäre für die Tonne. So viel braucht’s für die Wurst nicht. Das, sagt Armin Häfele, kommt für ihn aber nicht infrage. Die Häfeles könnten ihre Kunden auch wieder mit der Aussage aus dem Laden schicken: Schweinenacken leider aus. Das aber verzeiht ein Kunde nicht. Die moderne Gesellschaft funktioniert anders. Bleibt also nur, die fehlenden Nacken zuzukaufen.

Dasselbe gilt zum Beispiel auch für die Lieblingswurst der allermeisten: Lyoner wird erst so richtig gut, wenn sie aus Schweinebäckchen gemacht ist. So ein Bäckchen ist, im Vergleich zum ganzen Schwein, ein ziemlich kleiner Teil des Körpers, oder?

„Wir versuchen“, sagt Armin Häfele, „dem Ganzen mit unseren Sonderangeboten

entgegenzusteuern“. Denn natürlich wolle man lieber das eigene Fleisch verkaufen, statt fremdes. Und deshalb gibt’s jetzt gerade, in der Sommerzeit, zum Beispiel das Suppenfleisch – aus eigener Schlachtung – zum günstigen Preis. Der Schweinehals – eigene Schlachtung – ist im Winter so billig wie nie in der Grillsaison.

Es liegt in der Hand des Verbrauchers: Wer absolut sicher sein will, dass kein Tönnies auf dem Teller liegt, kauft antizyklisch. Wer aber dennoch im Sommer grillen will, muss halt seine Gefriertruhe befüllen. Ist doch eigentlich kein Problem: Kann doch mal die viele Tiefkühlpizza raus. Da weiß ja auch keiner so genau, was draufliegt und wer dafür verantwortlich ist.

Es gibt übrigens noch eine Möglichkeit, in der Metzgerei Häfele ganz sicher nur Häfele zu kaufen: In den Geschäften gibt’s auch Bio. Fleisch und Wurst. Und nicht viel teurer als die konventionell erzeugten Produkte. Die Bioware ist zu 100 Prozent eigene Schlachtung, sagt Armin Häfele. Wer also dazu greift, umgeht ganz sicher die Fleischindustrie, sorgt dafür, dass der Bauer ein faires Auskommen und das Schlachtvieh ein artgerechtes Leben hat. Der Schweinenacken kann dann allerdings auch mal aus sein.

Trotzdem: Sie wollen nur das Beste für sich selbst, die Welt und den ganzen Rest? Dann kaufen Sie sich’s doch!

Definitiv nicht! Dieser Artikel stammt nicht aus einem Metzgerei-Häfele-Werbeblättle. Die Brüder Armin und Peter Häfele waren jüngst Interviewpartner, weil sie neben ihren 19 Filialen im und um den Rems-Murr-Kreis auch noch eine Schlachterei in der Nähe von Heilbronn betreiben. Das allein schon ist ein Alleinstellungsmerkmal. Denn die allermeisten kleinen Schlachtereien sind längst kaputtgegangen. In der Häfele-Schlachterei ist aber bislang auch kein einziger Coronafall aufgetreten. Die

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