Ringen um Kompromisse

Tarifstreit für öffentlichen Dienst in entscheidender Phase

Warten auf Kompromisse
Im Tarifstreit versuchen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst den Druck aufrecht zu erhalten. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa © Hauke-Christian Dittrich

Potsdam (dpa) - Arbeitgeber und Gewerkschaften versuchen nach intensiven Beratungen, einen Kompromiss im Tarifstreit um den öffentlichen Dienst zu erzielen.

Beide Seiten legten ihre Vorstellungen zu allen strittigen Fragen detailliert auf den Tisch, wie die dpa aus Verhandlungskreisen in Potsdam erfuhr. Käme es zu einem Durchbruch, wären neue Streiks etwa in Kliniken, Rathäusern oder Kitas vom Tisch.

Am Freitag sollten die Gespräche um 10 Uhr fortgesetzt werden. Nachdem nun gegenseitig Transparenz zu den Positionen hergestellt sei, könne das Ringen um Kompromisse in die entscheidende Phase gehen, hieß es. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde vorerst Stillschweigen vereinbart.

Zum Start der dritten Runde hatte sich zunächst noch keine Annäherung abgezeichnet. Es geht um das künftige Einkommen der mehr als zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen. Zum Auftakt hatten die Beteiligten ein Ergebnis in dieser Runde zwar für möglich gehalten. Ein Durchbruch gelinge aber möglicherweise erst am Wochenende, hatte es geheißen. Die Gewerkschaften schlossen auch ein Scheitern nicht aus. Die Arbeitgeber zeigten sich optimistischer.

Zu den Konfliktpunkten, die am Donnerstag auf den Verhandlungstisch kamen, zählte die lineare Erhöhung der Einkommen. Die Arbeitgeber bieten 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt für drei Jahre, die Gewerkschaften fordern 4,8 Prozent für ein Jahr. Dazu zählten auch die von den Gewerkschaften geforderte Einmalzahlung sowie die Situation von Pflegekräften und Sparkassenmitarbeitern. Für diese beiden Gruppen wurden getrennte Verhandlungen geführt, um die achtköpfige Spitzengruppe thematisch nicht zu überfrachten.

Als besonders heikles Thema stellte sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen eine Forderung der kommunalen Arbeitgeber zur Eingruppierung der Beschäftigten heraus. Eingeführt werden soll demnach, dass Beschäftigte anders bezahlt werden, wenn sie in ihrer Arbeitszeit Tätigkeiten verrichten, die unterhalb ihrer eigentlich höher bezahlten Aufgabe liegen. Als Beispiel wurden Ärzte genannt, die dadurch schlechter bezahlt werden könnten, dass sie etwa Organisationsaufgaben erledigten.

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