VfB Stuttgart

Teil III: Das Missverständnis

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Sportpsychologe Philipp Laux arbeitet künftig wieder für den VfB Stuttgart. © Danny Galm

Stuttgart.
Der Verein für Bewegungsspiele Stuttgart hat ein bewegtes Jahr hinter sich. Vom Abstieg nach 39 Jahren in Deutschlands höchster Spielklasse, über einen radikalen Umbruch im gesamten Verein und einen neuen jungen Hoffnungsträger. In fünf Teilen werfen wir einen Blick zurück auf zwölf Monate voller Hoffnung, Verzweiflung, Aufbruchsstimmung, Zweifel und Zuversicht.


Der große VfB-Jahresrückblick:


Teil III: Das Missverständnis

Als Experte für Betriebsunfälle, wie beispielsweise den Abstieg aus der Bundesliga ins Fußball-Unterhaus, wurde Jos Luhukay im Sommer 2016 nach Bad Cannstatt gelotst. Der Niederländer sollte den direkten Wiederaufstieg in die Bundesliga mit einer neuzusammengestellten Mannschaft in Angriff nehmen.

Luhukay ein echter „Aufstiegsexperte“

Hinter Ralf Rangnick, aber etwa vor Jürgen Klopp ist der 53-jährige Niederländer in der 42-jährigen Geschichte der zweiten Liga der zweitbeste Trainer, der auf dieser Ebene mindestens 50 Partien im Amt gewesen ist. Während Rangnick einen Punktedurchschnitt von 1,96 erreicht, brachte es Luhukay - vor seinem Engagement beim VfB - bei 174 Auftritten auf einen Wert von 1,83 Punkten.

Mit dem 1. FC Köln (2003), Borussia Mönchengladbach (2008), dem FC Augsburg (2011) und Hertha BSC (2013) war der Niederländer von der zweiten in die erste Liga aufgestiegen - der 1,68 Meter kleine Ex-Profi ein großer „Aufstiegsexperte“.

Zerwürfnis mit Maxim

Und der runderneuerte VfB startete fulminant vor ausverkauftem Haus in die erste Zweitliga-Saison seit 39 Jahren: Mit 2:1 siegten die Schwaben unter gleißendem Flutlicht über die Kiezkicker vom FC St. Pauli. „Man of the Match“ war der eingewechselte Alexandru Maxim, der die Schwaben nach 0:1-Rückstand zur Pause, noch zu einem 2:1-Heimsieg führte.

Trainer und Spielmacher lagen allerdings von Anfang an nicht auf einer Wellenlänge. Bereits eine Woche vor dem Auftaktmatch gegen den FC St. Pauli hatte Jos Luhukay seinem Spieler mitgeteilt, dass er gegen die Hamburger nicht in der Startformation stehen wird. Dass Alexandru Maxim über außergewöhnliche fußballerische Qualitäten verfügt, steht außer Frage. Dass ihm aber trotzdem Spieler vorgezogen wurden, die ganz offensichtlich weniger Qualität besitzen, empfand der Rumäne als schallende Ohrfeige.

Zerwürfnis mit Schindelmeiser

Zum Zwist mit dem Stuttgarter Spielmacher gesellte sich bald auch noch ein Zerwürfnis mit Sportvorstand Jan Schindelmeiser. Jos Luhukay zweifelte öffentlich an der Qualität, der von Schindelmeiser verpflichteten Spieler Mane, Asano und Pavard. Sie hätten in der vergangenen Saison wenig gespielt und müssten zudem erst die deutsche Sprache lernen. Es folgte ein öffentlicher Rüffel von Aufsichtsratschef Wilfried Porth, der den Niederländer nochmals auf die klaren Hierarchien im Club hinwies: „Der Trainer ist Angestellter des Vereins, er sollte da ein bisschen disziplinierter vorgehen. Sein Vorgesetzter ist der Sportvorstand.“

„Alleine kann man keinen Erfolg haben", betonte daraufhin Sportvorstand Schindelmeiser. In einem Geschäft, in dem gerne über Konzepte gesprochen wird, spielen Hahnenkämpfe keine kleine Rolle. Als Aufsichtstrat Porth dem Trainer öffentlich empfahl, "sich auf das zu konzentrieren, wofür wir ihn geholt haben", wusste Luhukay, dass er diesen Hahnenkampf verloren hatte und zog die Reißleine – am 15. September, nach gerade einmal fünf Pflichtspielen mit dem VfB, verkündete Luhukay seinen Rücktritt.

Jos Luhukay und der VfB – ein Missverständnis

Im Nachgang kritisierten viele Fans und Beobachter, dass es genau die falsche Reihenfolge gewesen war, zunächst den Trainer zu verpflichten und danach erst Jan Schindelmeiser als Sportvorstand und damit als Luhukays Vorgesetzten. In den nachfolgenden Partien gegen Kaiserslautern und Braunschweig übernahmen interimsmäßig die Ex-Bundesligaprofis Olaf Janßen, Andreas Hinkel und Heiko Gerber das Kommando.

Im September war das vier Monate zuvor mit so großen Hoffnungen gestartete Kapitel mit Jos Luhukay und dem VfB also bereits beendet. Jos Luhukay und der VfB – ein Missverständnis. Jan Schindelmeiser musste einen neuen Abschnitt eröffnen und fand auf der der Suche nach einer Dauerlösung einen für viele vollkommen unbekannten Coach.