Der Brettspiel-Check

Schöne neue Welt - so spaßig kann Korruption sein

Brettspiele sind gerade in der kalten Jahreszeit ein beliebter Zeitvertreib. Doch welche sind wirklich unterhaltsam? Unser Brettspiel-Checker stellt Ihnen aktuelle Neuheiten vor – persönlich getestet und für gut befunden!

Im komplexen Strategiespiel „Planet B“ agieren wir als skrupellose Politiker, die sich auf einem neu  besiedelten Planeten die Taschen vollmachen wollen. Dabei überzeugt das Spiel vor allem mit einer  gehörigen Portion schwarzem Humor.

Darum geht’s:

In einer gar nicht so weit entfernten Zukunft hat die Menschheit tatsächlich eine zweite Chance erhalten: Ein neuer Planet wurde entdeckt, erfolgreich besiedelt und liebevoll „Planet B“ getauft. In dieser neuen Heimat sollte fortan alles besser und gerechter werden als auf der Erde. Tja, Pustekuchen. Es hat nicht lange gedauert, bis einige von uns dieses Ziel aus den Augen verloren haben und gierig und machtgeil geworden sind. Als korrupte Gouverneure schließen wir nun krumme Deals mit Konzernen ab und haben dabei nur den eigenen Kontostand im Blick. Allzu sehr sollten wir es uns mit der Bevölkerung jedoch nicht verscherzen, schließlich wollen wir unbedingt die nächste Präsidentschaftswahl gewinnen – und sei es mit ein wenig Wahlbetrug.

So wird’s gespielt:

Das Ziel bei „Planet B“ ist es, möglichst viel Geld in Form von Siegpunkten zu erwirtschaften. Auf dem Weg dahin stehen uns zahlreiche Aktionsmöglichkeiten zur Verfügung. Wir können nützliche Ressourcen  produzieren, Gebäude mit individuellen Fähigkeiten bauen, Arbeiter anheuern, um sie in diesen Gebäuden gewinnbringend einzusetzen, unser Ansehen bei politischen Fraktionen steigern und sogar bestimmen, was in den TV-Nachrichten zu sehen ist. Viele dieser Aktionen wirken sich positiv oder negativ auf die Stimmung der Bevölkerung aus, was Einfluss auf die nächste Präsidentschaftswahl hat. Diese Wahl ist ein wichtiger Teil des Spiels und wird im Laufe einer Partie mehrmals durchgeführt. Dabei werden Stimmzettel aus einem Stoffbeutel gezogen, um verschiedene Ämter zu vergeben, die einem fortan besondere Vorteile bieten. So darf man beispielsweise als amtierende Präsidentin über Gesetzentwürfe entscheiden, die Auswirkungen auf alle Spieler haben.

Das gefällt mir besonders:

„Planet B“ punktet vor allem mit seinem außergewöhnlichen Thema und seinem schwarzen, teils skurrilen Humor. Da darf ich in meinem Zug zunächst ein Gesetz erlassen, das die Abholzung des Regenwaldes erlaubt, anschließend schicke ich einen Arbeiter in meine jüngst eröffnete Klonfabrik und zum Schluss fordere ich noch einen Gefallen bei der Futuristen-Fraktion ein, der mir einige Stimmzettel für die nächste Wahl bringt. Hinter dieser detailverliebt illustrierten Fassade verbirgt sich ein durchaus anspruchsvolles Strategiespiel, bei dem vorausschauendes Planen belohnt wird. Verschiedene Spielmechaniken sind hier eng miteinander verzahnt, wobei besonders der Wahlvorgang hervorsticht, bei dem man auch ein Quäntchen Glück benötigt. Kompliziert sind die Regeln von „Planet B“ zwar nicht, ein wenig Erfahrung mit komplexeren Brettspielen sollte man jedoch mitbringen.

von Jan-Philipp Schütze

Planet B

  • Spielerzahl: 2 bis 4 Spieler
  • Spieldauer: ca. 60 bis 180 Minuten
  • Alter: ab 14 Jahren
  • Autor: Johannes Natterer
  • Verlag: Hans im Glück