Spekulatius statt Spotlight

Schauspieler Martin Semmelrogge feiert Weihnachten auf Mallorca

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Martin Semmelrogge freut sich schon auf das Weihnachtsfest. © siehe Bildtext
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Martin Semmelrogge als X-Mas-Rider: Ein Auto, eine Mütze, ein Mann! © siehe Bildtext
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Im Serien-Auto K.I.T.T. posiert Martin Semmelrogge neben dem Grinch. © siehe Bildtext

Harley-Tour an Heiligabend

Martin Semmelrogge war heuer zu Gast bei der Comic Con in Stuttgart. Wir haben die seltene Gelegenheit genutzt, um uns mit dem bekannten Schauspieler – der bei uns im „Ländle“, in Bad Boll, Landkreis Göppingen, geboren wurde – für „Spekulatius statt Spotlight“ zu verabreden. Gut gelaunt plaudert der 66-Jährige über seine Vorstellungen von und Erinnerungen an Weihnachten, die schönsten Geschenke – und warum bei ihm ein veganes Weihnachtsessen nicht (mehr) funktioniert. Und dank der Comic Con entstehen zudem ein paar ganz einzigartige Bilder.

„Wir müssen dieses Jahr umdisponieren: Eigentlich wollten wir das Fest mal wieder in Amerika feiern“, erzählt Martin Semmelrogge. „Meine Verlobte und ich, wir lieben Amerika!“ Deshalb wollte das Paar über den Jahreswechsel eine Motorrad-Tour zum Monument Valley und dem Grand Canyon unternehmen. „Aber dort ist gerade alles dermaßen überbucht, das wird uns zu teuer.“ Die Tour gibt’s stattdessen im April: „Vermutlich dann mit einem Halt in Las Vegas – weil da kann man auch heiraten!“

Die angestrebte Weihnachts-Biketour wird also voraussichtlich in Semmelrogges Wahlheimat, auf Mallorca, stattfinden, denn: Was dem Weihnachtsmann der Rentier-Schlitten, das ist dem 66-Jährigen seine 33 Jahre alte Harley, mit der er dann an Heiligabend über die Insel cruist. Nicht allzu lange, denn auf der Harley können seine Hunde Buddy und Teddy nicht mitfahren. „Für mich ist Weihnachten meine Frau Regine, meine zwei Hunde, mein Fitnessstudio, meine Insel und mein Strand“, resümiert er. „Und ich hole mir dann auch gerne mal ein Bäumchen nach Hause, das wir gemeinsam aufstellen und das dann von meiner Frau geschmückt wird.“ Er steuere oft noch eine Lichterkette bei: „Ich mag das Funkeln“, sagt Semmelrogge fröhlich. „Wir werden ganz sicher eine schöne Feier hinbekommen.“

Heiligabend im kleinsten Kreis

„Weihnachten im kleinsten Familienkreis“, das bedeutet für Semmelrogge: Partnerin und Hunde. Sein Sohn lebe in Düsseldorf, seine Tochter in München: „Wir sind alle recht individuell unterwegs und eher für uns.“ Freilich besuche man einander. Nur dies just zum Weihnachtsfest zu organisieren, das hält er für unrealistisch. „An Weihnachten alle zusammenzubekommen, das würde recht schwierig.“

Neben der kleinen Motorrad-Tour sowie ein wenig Zeit mit den Hunden spielt Semmelrogge mit dem Gedanken, an Heiligabend ein nahe gelegenes Gasthaus zu besuchen. Das ist auf Mallorca kein Problem, denn das ganz große Fest – mit Bescherung und Co. – wird dort gemäß spanischer Tradition erst am 6. Januar gefeiert: Da kommen die Heiligen Drei Könige, bringen die Geschenke – und da hätten dann auch die Lokale und sein Fitnessstudio geschlossen. Am 24. Dezember hingegen kann man es sich in der hiesigen Gastronomie richtig gutgehen lassen: „Wir leisten uns dann schon mal was.

Dann gehen wir in ein Lokal, wo es richtig fantastische Rindersteaks gibt.“ Und obwohl Semmelrogge inzwischen seltener Fleisch esse als früher, weiß er den kleinen Luxus dennoch zu schätzen: „So ein Porterhouse-Steak ist doch was Feines: Wo die ganze Familie dran mitessen kann – und die Hunde auch.“

Sein Papa spielte „Herodes“

Später am Abend freut er sich auf den einen Weihnachtsfilm: So was wie „Bad Santa“ mit Billy Bob Thornton oder „Schöne Bescherung“ mit Kevin Chase. „Wenn er das ganze Haus dekoriert und es am Ende explodiert – so was mag ich“, sagt Semmelrogge und lacht. Ob er denn früher schon mal an einem Filmset mit den Kollegen Weihnachten gefeiert habe? – „Bislang noch nicht“, bekennt er, jedoch habe er immerhin einmal bis zum 23. Dezember Auftritte mit der „Rocky Horror Show“ gehabt. „Das war dann schon recht weihnachtlich!“ So ein Ensemble mit anderen Schauspielern sei für ihn immer wie eine „Familie auf Zeit“, findet Semmelrogge: „Und manchmal trifft man nach vielen Jahren irgendjemanden aus so einer Familie wieder – und erinnert sich an die gemeinsam erlebte Zeit.“

Gute Erinnerungen hat Martin Semmelrogge auch noch an die Weihnachtsfeste seiner Kindheit. „Das waren für mich die schönsten Weihnachtsabende“, sagt er mit einem versonnenen Lächeln. „Im Erwachsenenalter bedeutet einem das ja nicht mehr so viel. Zeitweise hat es einen da sogar genervt: immer dieser Druck, dieser Konsum. Diese Abneigung hat sich mittlerweile zum Glück wieder gelegt.“

Früher habe er immer mit der ganzen Familie die Krippenspiele bei sich im Dorf besucht: „Die ganze Geschichte rund um Maria und Josef; als ich ein kleiner Junge war, haben wir da immer zugeschaut. Und mein Vater hat oft auch mitgespielt: mal als Josef, später auch mal als König Herodes. Das war für mich etwas ganz Besonderes!“

Als Kind habe er freilich vor allem der Bescherung entgegengefiebert: „Ich bin ja schon immer so autoverrückt. Deshalb habe ich mich als Kind besonders über eine Carrera-Rennbahn und mal über ein Gokart gefreut.“ Ganz in diesem Geiste nutzt Auto-Fan Semmelrogge die Gelegenheit, bei der Comic Con dem „K.I.T.T.“ aus der „Knight Rider“-Serie einen Besuch abzustatten – und schickt dem Serien-Star David Hasselhoff gleich noch ein WhatsApp-Selfie von sich und dem Auto: „David, rate mal, wo ich bin!“

Diesmal wieder Fleisch

Es könne auch sein, mutmaßt Semmelrogge, dass seine Verlobte an Heiligabend gerne zu Hause bleiben und selber kochen möchte. „Die kann das richtig gut!“, lobt er. An eine leckere Gans oder einen Truthahn nach englischer Tradition erinnert er sich gerne zurück. Eine deutliche Steigerung zu seiner Kindheit: „Damals gab’s meistens Würstchen und Kartoffelsalat.“ 2020 sei zur Abwechslung mal etwas Veganes auf den Tisch gekommen: „Das war ganz gut gewürzt und sehr lecker.“ Nur die Hunde hätten es nicht gemocht: „Denen braucht man mit so was nicht kommen.“ Und weil die Hunde eben auch zur Familienweihnacht gehören, gibt es also zum diesjährigen Fest „wieder etwas mit Fleisch“.

Singen? – Lieber nicht!

Gänzlich ausgeklammert wird im Hause Semmelrogge Weihnachtsmusik: „Singen können wir alle nicht“, bekennt er – und tritt den Beweis an: „Jingle Bells, Jingle Bells, Jingle all the way!“ Er lacht. „Höchstens mal als Gag. Hausmusik ist nichts für uns, da zieht’s einem ja die Schuhe aus.“ Einem Kirchbesuch hingegen sei er nicht abgeneigt: „Dann aber etwas Kleines, in irgendeinem Dorf. Nicht in großen Kirchen, wo die Massen hinströmen.“ Er erinnert sich an einen Kirchgang mit engen Freunden in Österreich, wo alles eingeschneit war, sie alle gemeinsam zu der kleinen Kirche des Dorfes stapften und der Weihnachtspredigt des Pfarrers lauschten. „Es war ein geradezu idyllischer Weihnachtsabend.“

Neue Perspektiven

Als Schauspieler und in Bezug auf Weihnachten sowie biblische Geschichten nimmt Martin Semmelrogge bisweilen Perspektiven ein, die anderen kaum bewusst sind. Gibt er etwa in der „Passion Christi“ den „Judas“, so spiele er diesen nicht als „böse“ Figur, sondern betrachtet auch den Menschen, der dahintersteht. „Der hat sich verplappert“, ist er überzeugt. „Er war eigentlich ein treuer Gefährte und liebte Jesus.“ Trotzdem habe er sich hinreißen lassen, und das Establishment, das Jesus drankriegen wollte, habe diese Chance genutzt. „Er wollte die 20 Silberlinge gar nicht, hätte gerne alles rückgängig gemacht – und hat sich ja dann auch umgebracht.“ Semmelrogge wird nachdenklich: „Auch die, die wir als die Bösen sehen, sind selten von Grund auf böse“, so lautet seine persönliche Erkenntnis. Oft resultiere deren Handeln aus einer Situation heraus, aus Schmerz, Verzweiflung; sie sähen Dinge im falschen Licht, träfen die falschen Entscheidungen – „und dann ist der Keks gegessen, der Drops gelutscht, die Sache ist gelaufen.“ Semmelrogge ist sicher: „Niemand ist nur böse, man sollte immer beide Seiten betrachten.“ Ein schöner Gedanke – gerade auch zum „Fest der Liebe“.

von Mathias Schwappach