Festtraditionen aus aller Welt

Weihnachten à la Provence

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Gudrun Mangold
Gudrun Mangold feiert Weihnachten in der Provence. © Philipp Rothe
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Eine typische Szenerie mit provenzalischen „Santons“ aus Figuren à la Familie Fouque aus Aix-en-Provence. © Gudrun Mangold
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Es gibt jeweils zwei Exemplare zu gewinnen! © Gudrun Mangold
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Es gibt jeweils zwei Exemplare zu gewinnen! © BKrause

Auf den Spuren vom "Prinzle"

Wie Weihnachten in anderen Ländern gefeiert wird, darüber wurde in früheren Weihnachtsmagazinen immer wieder aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Die Heidelberger Autorin Gudrun Mangold – Tochter des „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer – hat aus ihrem Werk „s’ Christkendle uff dr Alb“ viel Erfahrung mit alten Bräuchen hierzulande und vergleicht jene mit Fest-Traditionen in der Provence.

In ihrem Büchlein „’s Christkendle uff dr Alb“ erzählt Gudrun Mangold, wie man früher in der rauesten Region Württembergs Weihnachten gefeiert hat. Wie es war, als die Leute kaum etwas hatten, das sie unter den Christbaum legen konnten. Ihr beruflicher Weg führte sie indes auch in die Provence, wo sie dann ganz andere Weihnachtstraditionen kennengelernt hat:

Sehr beliebt in der Provence sind die Krippenfiguren, die sogenannten „Santons“. Anders als bei uns findet man um den Stall herum gruppiert zum Beispiel einen Bäcker, der vielleicht gerade dabei ist, seine Brote und Baguettes zu formen, oder ein paar Fischer, die ihren Kahn samt Fang an Land ziehen, oder eine Melonenverkäuferin mit einer schweren Frucht in ihrem hochgehaltenen Schurz. In großen Krippen werden ganze provenzalische Dörfer und ihre Szenerien dargestellt, darunter etwa das Boule-Spiel auf dem Dorfplatz. Sogar Figuren von Touristen tauchen heutzutage vereinzelt auf.

Aufgestellt werden die provenzalischen Krippen bereits am 4. Dezember. Am 24. Dezember schneidet man dann das frische Weizengras, dessen Keime man am Sankt- Barbara-Tag bewässert hat, und legt es zu Ochs und Esel. Und erst spät an Heiligabend kommt in der Provence das Jesuskind in die Krippe. Bevor es zur Mitternachtsmesse geht, gibt es das „menu maigre“, ein einfaches Essen ohne Fleisch. Gedeckt wird stets für eine Person mehr – auch ein unerwarteter Gast soll willkommen sein. Nach dem Kirchgang werden die „treize desserts“, die dreizehn Desserts, gereicht. Die Zahl symbolisiert Jesus und seine zwölf Jünger. Knackige Winterfrüchte sind auf dem Tisch: rotbackige Äpfel, feste, grüne Birnen und korsische Clementinen.

Dann der Nougat: In der Provence gab es früher viele Mandelbäume. Die Herstellung von Nougat ist deshalb eine weit verbreitete Tradition. Kinder sollen den Namen geprägt haben: „Tata nous gâte!“, „Tantchen verwöhnt uns!“, sollen sie gerufen haben, als sie die Leckerei bekamen. Das „Tantchen“ war auf die geniale Idee gekommen, Mandeln und Honig zusammen zu kochen und über dem Feuer zu einer weißen, formbaren Masse verschmelzen zu lassen.

Zu den provenzalischen Naschereien zählen auch die „quatre mendiants“, die „vier Bettelmönche“: Rosinen, getrocknete Feigen, Haselnüsse und Mandeln. Das Aussehen der Früchte soll jeweils an die groben Kutten der Ordensleute erinnern: Dominikaner, Franziskaner, Karmeliter und Augustiner.

Ansonsten kann die Zusammenstellung der dreizehn Desserts von Ort zu Ort und von Familie zu Familie variieren. Auch Dörrobst, getrocknete Pflaumen und Aprikosen, oder das rötliche Quittenkonfekt sind weit verbreitet. In der alten Hafenstadt Marseille gibt es die „Navettes“, bootchenförmige Orangenblüten-Plätzchen. Sie gleichen den „Calissons d’Aix“, die aus Mandeln, Melonen und Orangen zubereitet werden. In Apt kandiert man das heimische Obst: Sehr dekorativ sind die erlesenen, glänzenden Kirschen, Aprikosen, Mandarinen oder ganze verzuckerte Melonen.

Schließlich ist der „Pompe de Noël“, ein weicher Kuchen aus Olivenöl-Teig mit dem intensiven Aroma von Orangen, stets mit von der Partie. Er soll an die Abendmahlsgeschichte erinnern, weshalb er nicht geschnitten, sondern bei Tisch mit den Händen auseinandergebrochen wird. Wenn er bisweilen etwas trocken gerät, schafft der „vin cuit“ Abhilfe, ein natursüßer Wein - es ist erlaubt, die Kuchenstücke in den Wein einzutauchen.

Auch die neueste Publikation von Gudrun Mangold hat ihren Ursprung in der Provence. Per Zufall war die Journalistin bei einer Wanderung durch das maurische Gebirge im Süden Frankreichs auf das damals verwaiste Schloss der Großeltern von Antoine de Saint Exupéry gestoßen – und durfte es besuchen. Ganz allein streifte sie durch die Räume, „die aussahen, als sei eben erst jemand nur kurz weggegangen. Auf den Wiesen vor dem alten, typisch provenzalischen Bau weideten Schafe mit Glöckchen, im Garten gab es eine alte Mauer mit einem Rosenstock – lauter Motive, die sich auch in Exupérys Buch „Le Petit Prince“, auf Hochdeutsch „Der kleine Prinz“, wiederfinden.“

So entstand die Idee fürs „Prinzle“, Gudrun Mangolds urschwäbische Übersetzung des weltberühmten Werks: „Die Herausforderung des authentischen Dialekts ist, dass er den Lesegewohnheiten entgegensteht. Doch wie bei jeder Sprache wird man das schnell gewohnt, wenn man sich darauf einlässt – je mehr man liest oder vorliest, desto leichter und flüssiger wird es. Und für diejenigen, deren Muttersprache der Dialekt ist, wirkt er viel emotionaler und direkter als Hochdeutsch. Das hat nichts mit Folklore oder Heimattümelei zu tun, sondern mit der Geschichte einer Landschaft, mit Authentizität.“

Gudrun Mangold hat uns je zwei Exemplare von „s’ Christkendle uff dr Alb – eine kleine Weihnachtsgeschichte – mit Original-Rezepten“ und von „s’ Prinzle“ zur Verfügung gestellt.