VfB Stuttgart

Trainingslager in Kitzbühel: Wie Pellegrino Matarazzo den VfB fit für die Bundesliga machen will

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Bis kommenden Samstag (29. August) bereitet sich der VfB in Kitzbühel auf die neue Saison vor. © Pressefoto Baumann

Eine Testspiel-Niederlage und zwei verletzte Spieler: Den Start ins Trainingslager haben sich die Verantwortlichen des VfB Stuttgart mit Sicherheit anders vorgestellt. Beim 0:3 gegen den FC Liverpool zogen sich mit Erik Thommy (Bruch des linken Ellenbogens) und Roberto Massimo (Sprunggelenksverletzung) gleich zwei Außenbahnspieler schwere Blessuren zu.

„Das gehört zum Fußball dazu. Wir müssen es akzeptieren, auch wenn es sehr bitter ist“, sagte Sportdirektor Sven Mislintat, der trotz der langen Ausfallzeiten nicht noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden möchte. „Wir haben einen breiten Kader, andere Spieler müssen das nun kompensieren.“

Thommy wurde bereits am Samstagabend operiert

Während Thommy bereits am Samstagabend in Zell am See operiert wurde und voraussichtlich sechs bis acht Wochen pausieren muss, steht die genaue Diagnose bei Roberto Massimo noch aus. Beim 19-Jährigen besteht der Verdacht auf eine Bänderverletzung im linken Sprunggelenk. Eine MRT-Untersuchung in Stuttgart soll Klarheit bringen. Auch ihm droht eine mehrwöchige Zwangspause.

Als Pellegrino Matarazzo seine Mannschaft am Sonntagvormittag in Tirol zum ersten Mal zum Training zusammenrief, fehlte zudem Clinton Mola. Der Außenverteidiger hatte die Reise nach Österreich wegen seiner Hüftprobleme gar nicht erst angetreten. Bei ihm sei eine Prognose schwierig, so Sven Mislintat am Sonntagvormittag: „Von sechs Wochen bis zur Winterpause ist da alles möglich.“

Abgesehen von den Verletzten war der Stuttgarter Cheftrainer trotz der klaren Niederlage gegen den Champions-League-Sieger von 2019 zufrieden mit dem ersten Testduell im Rahmen des Trainingslagers. „Der Mut und die Aktivität haben gestimmt. Unabhängig vom Ergebnis war es ein positives Testspiel für uns, das wir als Lernspiel nehmen“, sagte der 42-Jährige.

Die Erkenntnisse aus dem Liverpool-Test

„Man hat gesehen, dass sie es sehr ernst genommen haben in der ersten Halbzeit“, sagte Sven Mislintat mit Blick auf die FCL-Startformation in den ersten 45 Minuten. Bei seinem Team beobachtete der Sportdirektor gute Ansätze im Umschaltspiel, bemängelte aber die Fehler in der Defensive: „Wir haben die Tore zu leicht zugelassen. Liverpool war sehr effektiv.“

Ähnlich wie in vielen Spielen in der abgelaufenen Zweitliga-Saison gingen die Stuttgarter auch gegen die „Reds“ zu schlampig mit ihren Torchancen um - und gerieten früh in Rückstand. „Der Unterschied liegt im Detail und auch in der Präzision. Liverpool hat mit wenigen Chancen drei Tore geschossen“, so Matarazzo.

„Wir wollen Volumen, wollen arbeiten und Meter machen“

Der Test gegen den FCL lieferte dem Stuttgarter Cheftrainer in jedem Fall genügend Themengebiete und Ansatzpunkte für die kommenden Tage in Kitzbühel. In seiner ersten Saison-Vorbereitung mit dem VfB muss Matarazzo den Aufsteiger fit für die Bundesliga machen.

Tempo und Intensität werden zunehmen, die Qualität der Gegner ebenfalls. Auch werden die Schwaben in der 1. Liga mit deutlich weniger Ballbesitz zurecht kommen müssen. Folglich sollen in der Saisonvorbereitung unter anderem das Konterspiel und die Abschlussqualitäten verbessert werden. „Wir müssen mit unseren Ballgewinnen besser umgehen“, fordert der Trainer.

Der ersten Einheit vor Ort folgte am Sonntagnachmittag eine kognitive Einheit im Teamhotel. Am Montag warten auf die VfB-Profis zwei Einheiten, am Dienstagvormittag eine weitere plus ein Team-Workshop am Nachmittag. „Wir wollen Volumen, wollen arbeiten und Meter machen“, so Matarazzos Marschroute für die kommenden Tage. „Wir wollen fit werden, auch wenn wir aufgrund der Intensität vielleicht in den Testspielen ein wenig müde sein werden.“

Was wird aus Nicolas Gonzalez?

Nach seiner Muskelverletzung stand am Sonntag auch Nicolas Gonzalez auf dem Trainingsplatz. Der Argentinier gilt nach wie vor als heißer Wechselkandidat, bekommt deshalb von seinem Trainer aber keine Sonderbehandlung: „Aktuell ist er Teil des Teams und wird auch so behandelt.“

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Torjäger Nicolas Gonzalez (mi.) hat die Absicht, Stuttgart trotz Vertrags bis 2023 noch in diesem Sommer zu verlassen. © Pressefoto Baumann


Eine vom Verein gesetzte Deadline, bis wann sich der 22 Jahre alte Angreifer entschieden haben muss, wird es nicht geben. Aus Sicht von Kaderplaner Mislintat mache das keinen Sinn, „schon gar nicht in Zeiten von Corona.“

Mit Blick auf das Ende der Transferfrist am 05. Oktober schätzt Mislintat die Situation folgendermaßen ein: „Wenn am 01. Oktober jemand kommt - egal ob für Nico oder jemand anderes - und auf einmal eine völlige Fabelsumme von 30 Plus auf den Tisch legt, dann möchte ich die Teams sehen, die das in den heutigen Zeiten ablehnen können. Wir gehören da nicht dazu. Ich sehe das aber im Moment nicht kommen.“

Zu Beginn der Transferphase habe es einige „sehr heiße Gerüchte“ gegeben, ein konkretes Angebot - beispielsweise von Premiere-League-Aufsteiger Leeds United - lag bislang aber noch nicht vor.

Der Trainingslager-Kader

  • Tor: Gregor Kobel, Jens Grahl, Fabian Bredlow
  • Abwehr: Waldemar Anton, Marc Oliver Kempf, Konstantinos Mavropanos, Pascal Stenzel, Borna Sosa, Antonis Aidonis, Marcin Kaminski, Luca Mack
  • Mittelfeld: Wataru Endo, Tanguy Coulibaly, Gonzalo Castro, Daniel Didavi, Erik Thommy, Atakan Karazor, Darko Churlinov, Philipp Förster, Philipp Klement, Orel Mangala, Lilian Egloff, Momo Cissé, Roberto Massimo, Mateo Klimowicz
  • Sturm: Sasa Kalajdzic, Silas Wamangituka, Hamadi Al Ghaddioui, Nicolas Gonzalez