Widersprüchliche Aussagen

Trump nach Corona-Infektion: «Wahre Prüfung» kommt erst noch

1/3
US-Präsident Trump
Der mit dem Coronavirus infizierte US-Präsident Donald Trump arbeitet in der Präsidenten Suite des Militärkrankenhauses Walter Reed in Bethesda. Foto: Joyce N. Boghosian/The White House/AP/dpa © Joyce N. Boghosian
2/3
Nach positivem Coronatest
Anhänger von US-Präsident Donald Trump versammeln sich vor dem Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda. Foto: Steven Ramaherison/TheNEWS2 via ZUMA Wire/dpa © Steven Ramaherison
3/3
US-Präsident Trump
Donald Trump arbeitet in einem Konferenzraum des Militärkrankenhauses Walter Reed in Bethesda. «Während er noch nicht über den Berg ist, bleibt das Team vorsichtig optimistisch», erklärte Arzt Sean Conley. Foto: Joyce N. Boghosian/The White House/AP/dpa © Joyce N. Boghosian

Washington (dpa) - Der Leibarzt von Donald Trump gibt trotz «erheblicher» Fortschritte seit der Corona-Diagnose keine Entwarnung für den Gesundheitszustand des US-Präsidenten.

«Während er noch nicht über den Berg ist, bleibt das Team vorsichtig optimistisch», erklärte der Arzt Sean Conley in einem in der Nacht zum Sonntag vom Weißen Haus veröffentlichten Memorandum. Trump (74) verwies in einer am Samstagabend von ihm auf Twitter verbreiteten Videobotschaft aus dem Krankenhaus darauf, dass die nächsten Tage über den Krankheitsverlauf entscheiden würden.

Trump war am Freitagabend - keine 24 Stunden nach der Diagnose - per Hubschrauber ins Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Bethesda nördlich von Washington geflogen worden. Am Samstag sorgten dann widersprüchliche Aussagen zu Trumps Gesundheitszustand, zum Zeitpunkt der positiven Corona-Diagnose und zur Behandlung für Verwirrung.

Leibarzt Conley teilte mit, Trump gehe es weiterhin gut, er habe kein Fieber und brauche keinen zusätzlichen Sauerstoff. Der Präsident habe am Samstag gearbeitet und sich ohne Schwierigkeiten in seinem Quartier im Krankenhaus bewegt. Trump sagte in seiner Videobotschaft: «Ich fange an, mich wieder gut zu fühlen.» Man wisse aber nicht, wie es in den kommenden Tagen laufen werde. Dann komme «die wahre Prüfung» - «wir werden sehen, was passiert». Zugleich gab sich der Präsident zuversichtlich: «Ich denke, ich werde bald zurück sein.»

Trumps Stabschef Mark Meadows bestätigte unterdessen, dass die Coronavirus-Infektion bei Trump einen schwereren Verlauf genommen hatte als zunächst dargestellt. «Gestern waren wir wirklich besorgt», sagte Meadows am Samstagabend im TV-Sender Fox News. «Er hatte Fieber, die Sauerstoffsättigung seines Bluts war rapide gefallen.» Das Weiße Haus hatte am Freitag mitgeteilt, es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, dass Trump ins Krankenhaus komme.

Nach Medienberichten wurde Trump am Freitag im Weißen Haus zusätzlicher Sauerstoff zugeführt, bevor er in das Militärkrankenhaus geflogen wurde. Das Weiße Haus hatte am Freitag noch betont, dass Trump nur leichte Erkrankungssymptome habe und nur als Vorsichtsmaßnahme in die Klinik gebracht worden sei. Trump wurde nach Angaben des Weißen Hauses am Donnerstagabend positiv auf das Coronavirus getestet.

Nach Trumps Infektion werden immer mehr Ansteckungen in seinem Umfeld bekannt. Auch Trumps Wahlkampfchef Bill Stepien wurde positiv auf das Virus getestet, wie das Wahlkampfteam bestätigte. Einen Monat vor der Präsidentschaftswahl am 3. November wurden persönliche Auftritte des Republikaners Trumps bis auf weiteres abgesagt. Trumps Herausforderer, der Demokrat Joe Biden (77), setzt seinen Wahlkampf fort.

Nach Trumps Infektion richtet sich der Fokus inzwischen besonders auf eine Veranstaltung des Präsidenten, bei denen viele der nun Infizierten waren: Die Vorstellung der konservativen Juristin Amy Coney Barrett als Kandidatin für den freien Posten am Supreme Court am Samstag vor gut einer Woche im Rosengarten des Weißen Hauses. Dort versammelten sich auf engem Raum mehr als 100 Menschen. Auf Fotos und Videos ist zu sehen, dass wenige Masken trugen oder Abstand hielten. Teilnehmer umarmten sich oder schüttelten sich die Hände.

Bei mindestens acht Teilnehmern fielen seitdem Corona-Tests positiv aus: Neben dem Präsidenten und First Lady Melania Trump sind das die frühere Trump-Beraterin Kellyanne Conway, die Senatoren Mike Lee und Thom Tillis, der Präsident der katholischen Universität Notre Dame, John Jenkins, der frühere Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, sowie ein Reporter. Die Nachbesetzung des Richterpostens durch Barrett soll trotzdem planmäßig laufen.

Der Samstag war geprägt von Verwirrung über den Gesundheitszustand des Präsidenten. Erst zeichneten Conley und sein Ärzteteam ein positives Bild. Aber nur wenige Minuten später hieß es unter Berufung auf eine informierte Person: «Wir befinden uns noch immer nicht auf einem klaren Weg zu einer vollständigen Genesung.» Die nächsten 48 Stunden seien entscheidend. Die zunächst anonyme Quelle war laut Medienberichten Stabschef Meadows.

In der Nacht zum Sonntag teilte Conley mit, die Sauerstoffsättigung von Trumps Blut habe zuletzt bei 96 bis 98 Prozent gelegen. Das ist ein wichtiger Wert: Wenn Covid-19 die Lunge angreift, wird der Körper schlechter mit Sauerstoff versorgt. Conley erklärte, Trump habe auch ohne Komplikationen eine zweite Dosis des Medikaments Remdesivir erhalten - es hemmt ein Enzym der Viren, das für deren Vermehrung nötig ist. Der Arzt hatte zuvor eine fünftägige Behandlung Trumps mit Remdesivir in Aussicht gestellt. Am Sonntag werde man seinen Zustand beobachten und ihn bei der Ausübung seiner Amtspflichten unterstützen, sagte Conley.

Trump sagte in seiner Videobotschaft: «Als ich hierher kam, fühlte ich mich nicht so gut. Jetzt fühle ich mich viel besser.» Seine Stimme klang etwas belegt und er wirkte leicht kurzatmig. «Ich muss zurückkommen, weil wir immer noch Amerika wieder groß machen müssen», sagte der Präsident in Anspielung auf sein Wahlkampf-Motto. «Ich denke, ich werde bald zurück sein.»

Zugleich verteidigte Trump seine Vorgehensweise in den vergangenen Monaten, in denen er viele öffentliche Auftritte und Wahlkampfreisen absolvierte - und dabei oft auf Vorsichtsmaßnahmen wie das Tragen einer Maske verzichtete. «Ich hatte keine Wahl, ich konnte nicht einfach nur im Weißen Haus bleiben», sagte er. «Als Anführer muss man Probleme angehen.» Mit Blick auf Präsidentenwahl sagte Trump, er wolle «den Wahlkampf so abschließen, wie er begonnen hat».

Solange Trump als Wahlkämpfer ausfällt, sollen seine Kinder und Vizepräsident Mike Pence für ihn einspringen. Trumps Wahlkampfteam rief dafür am Wochenende die «Operation MAGA» aus - in Anlehnung an das Motto «Make America Great Again», mit dem es Trump vor vier Jahren ins Weiße Haus geschafft hatte. Er war zuletzt mehrmals pro Woche zu Events in verschiedenen Städten geflogen.

Pence soll nun am 8. Oktober einen ersten Wahlkampfauftritt für Trump in Peoria im Bundesstaat Arizona absolvieren. Für den Tag davor ist seine TV-Debatte mit der demokratischen Vize-Kandidatin Kamala Harris in Salt Lake City angesetzt. Neben Pence sollen auch Trumps Kinder Donald Trump Jr. und Eric Trump zu Wahlkampf-Events reisen.

© dpa-infocom, dpa:201004-99-815976/8