TVB Stuttgart

Bittenfelder Entwicklungshilfe für den HSV Hamburg: Fünf Ex-TVB-Spieler beim Champions-League-Sieger

HC Erlangen - TVB 1898 Stuttgart
"Es ist natürlich schön, noch einmal mit Jogi und Schimmel zusammenzuspielen." Nach dem Sieg in Nürnberg im März 2018 gegen den HC Erlangen jubelten Johannes Bitter (links) und Manuel Späth gemeinsam im Trikot des TVB Stuttgart. In der kommenden Spielzeit werden die beiden Routiniers beim HSV Hamburg wieder vereint sein. © Sportfoto Zink / WoZi

Nach der Insolvenz im Jahr 2016 bastelt der ehemalige Deutsche Handball-Meister und Champions-League-Sieger HSV Hamburg eifrig an seiner Wiederauferstehung – mit Bittenfelder Unterstützung. Nach einem einjährigen Intermezzo beim portugiesischen Spitzenclub FC Porto wechselt der frühere TVB-Kreisläufer Manuel Späth zur neuen Saison an die Alster und trifft dort auf vier ehemalige Spieler des TVB Stuttgart. Nicht nur deshalb freut sich der 35-Jährige auf Hamburg.

Nur zwei Trikots, das von FA Göppingen und des TVB Stuttgart, hat der bodenständige Schwabe in 14 Jahren Erste Bundesliga getragen. Im Herbst seiner Karriere wagt sich Späth nun an sein zweites großes Abenteuer. Eines, dem er nur schwer widerstehen konnte. Schließlich gilt der Handball-Sport-Verein (HSV) Hamburg als das derzeit wohl spannendste Projekt im deutschen Handball.

Abstiegskampf oder Aufstiegsrennen

„Vor etwa sechs, sieben Wochen ist der Kontakt zustande gekommen“, sagt Späth. Da liegt die Vermutung nahe, dass ihn Johannes Bitter gelockt hat, der den TVB am Ende der Saison verlassen und zu seinem Ex-Club zurückkehren wird. Natürlich habe er auch mit Bitter geredet, so Späth. Entscheidend seien aber die Gespräche mit dem HSVH-Geschäftsführer Sebastian Frecke und Torsten Jansen gewesen.

Mit dem Hamburger Trainer spielte Manuel Späth einst zusammen in der deutschen Nationalmannschaft. „Als ich darüber nachgedacht habe, vielleicht noch einmal irgendwo anders zu spielen, gab’s nicht so viele Sachen, die mich gereizt hätten – wenn es überhaupt etwas gegeben hätte“, sagt Späth. Hamburg sei eine sehr interessante und spannende Alternative zu Porto. „Und ich habe die Chance, noch einmal in der deutschen Bundesliga zu spielen.“ Aktuell ist der HSV Hamburg mit 37:7 Punkten Tabellenführer in der 2. Liga. Drei Punkte Vorsprung sind’s zu Rang drei, die ersten beiden Teams steigen auf.

Falls es nicht klappen sollte, werden die Hamburger in der nächsten Spielzeit einen neuen Anlauf nehmen. „Beides hat seinen Reiz“, so Späth. Entweder mit der jungen und relativ unerfahrenen Mannschaft in der ersten Liga gegen den Abstieg zu kämpfen oder eben um den Aufstieg zu spielen.

Tanz auf drei Hochzeiten

So oder so: Es wird ein Wiedersehen geben mit alten Weggefährten aus Bittenfelder Tagen. „Es ist natürlich schön, noch einmal mit Jogi und Schimmel zusammenzuspielen.“ Mit beiden ist Späth befreundet. TVB-Vergangenheit beim HSVH haben außerdem Jan Forstbauer und Jonas Maier.

Obwohl Manuel Späth ursprünglich – aufgrund einer Verletzung eines Teamkollegen – nur für ein Jahr vom FC Porto verpflichtet wurde, gab es zuletzt Überlegungen seitens des Clubs, den Vertrag noch einmal zu verlängern. Er habe sich das „natürlich auch sehr gut vorstellen können“, so Späth. Schließlich genießt die Familie die Zeit im schönen und warmen Porto, die Wohnung liegt direkt am Strand. „Ich denke, es passt für beide Seiten gut“, so Späth. „Aktuell konnte mir der Verein jedoch keine Verlängerung zusichern.“

Mit dem FC Porto tanzt Späth in dieser Saison noch auf drei Hochzeiten. Ungeschlagen führt das Team die Tabelle in der Liga an, hat die Hinspiele gegen die härtesten Konkurrenten Sporting Lissabon und Benfica Lissabon gewonnen. Im Mai stehen die Rückspiele an, die über das Meisterschaftsrennen entscheiden werden. Im portugiesischen Pokal steht der FC Porto im Viertelfinale, in der Champions League gegen Aalborg im Achtelfinale. „Theoretisch haben wir die Chance auf drei Titel“, sagt Späth. Wobei der Gewinn der Champions League eher unrealistisch sei. „Aber zumindest vom Final Four dürfen wir träumen.“

Schock nach Tod des Torhüters

Die Saison könnte besser also kaum laufen für den FC Porto, Späth selbst ist „sehr zufrieden“. Auch wenn er nicht 60 Minuten auf der Platte steht. Über seine Rolle im Team sei er sich von vorneherein im Klaren gewesen. „Mit Victor Iturizza und Daymaro Salina haben wir zwei Weltklasse-Kreisläufer im Team. Ich denke, ich kann die beiden vor allem in der Abwehr ganz gut entlasten.“ Der Trainer Magnus Andersson verteile die Einsatzzeiten gut.

Ende Februar wurde die sportliche Euphorie beim FC Porto jäh gebremst, als der Verein aus traurigem Anlass in die Schlagzeilen geriet: Der 32-jährige Torhüter Alfredo Quintana erlitt im Training einen Herzinfarkt und verstarb im Krankenhaus. „Wenn ein Mitspieler vor deinen Augen zusammenbricht und nicht mehr zurückkommt, dann ist das ein riesiger Schock“, sagt Späth. Auch Wochen nach seinem Tod sei Quintana immer noch sehr präsent. Vor allem für diejenigen, die teilweise zehn Jahre mit ihm zusammengespielt hätten und die beste Kumpels gewesen seien.

In der portugiesischen Nationalmannschaft, in der Quintana mit vielen Mannschaftskollegen spielte, war der gebürtige Kubaner ein Rückhalt und sehr angesehen. Entsprechend groß ist die Trauer auch dort. „Deshalb hat es mich sehr gefreut, dass sich die Jungs den großen Traum von der Teilnahme an den Olympischen Spielen erfüllt haben.“ Bei der Qualifikation hätten sie für Alfredo Quintana gespielt. „Man hat gemerkt, dass es ihnen gutgetan hat, auch mal an andere Dinge zu denken. Mit den Spielen fanden sie ein wenig Ablenkung.“

Persönliche Reiseführer

Späth selbst hat das Unglück nachdenklich gemacht. „Wenn so ein Schicksalsschlag im direkten Umfeld passiert, wird einem schon bewusst, dass man gewisse Dinge im täglichen Leben anders wahrnehmen sollte.“ Sprich: die schönen Dinge zu genießen, die einem das Leben bietet. Zunächst die letzten drei Monate am Atlantik. Nach dem Ende der Saison Anfang Juni („Ich möchte mich gerne mit der Meisterschaft und dem Pokal verabschieden“) bleibt noch Zeit für drei Wochen Urlaub im Süden. Anschließend geht’s für zwei, drei Wochen in die Heimat nach Esslingen, ehe der Umzugswagen bestellt wird. Ende Juli soll das neue Heim bezogen werden. Hetzen muss die Familie nicht, da sie immer noch flexibel ist: Manuel Späths Ehefrau ist in Elternzeit, die beiden Töchter sind noch nicht schulpflichtig.

Im Norden müssen sich die Späths auf kühlere Temperaturen einstellen, das Meer ist rund hundert Kilometer entfernt. „Natürlich ist das etwas anderes als Porto, doch es gibt sicherlich schlechtere Städte als Hamburg“, sagt Manuel Späth mit einem Schmunzeln. Einen großen Vorteil hat die neue Heimat gegenüber Porto unbestritten: Mit Bitter und Schimmelbauer stehen gleich zwei persönliche Reiseführer parat.

Nach der Insolvenz im Jahr 2016 bastelt der ehemalige Deutsche Handball-Meister und Champions-League-Sieger HSV Hamburg eifrig an seiner Wiederauferstehung – mit Bittenfelder Unterstützung. Nach einem einjährigen Intermezzo beim portugiesischen Spitzenclub FC Porto wechselt der frühere TVB-Kreisläufer Manuel Späth zur neuen Saison an die Alster und trifft dort auf vier ehemalige Spieler des TVB Stuttgart. Nicht nur deshalb freut sich der 35-Jährige auf Hamburg.

Nur zwei Trikots, das

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper