TVB Stuttgart

Der Weg des TV Bittenfeld in die Handball-Bundesliga: Der Aufstieg in die 2. Liga in der Saison 2005/2006

Freude nach Sieg gegen Konstanz
Das 32:31 im letzten Heimspiel gegen die HSG Konstanz ist der neunte Sieg des TVB in der Aufstiegsrunde. Hier feiern (von links) Sebastian Stump, Cedric Coudoro und Mario Hoppe. Am Ende steigt der TVB mit drei Punkten Vorsprung sensationell in die 2. Bundesliga auf. Dabei hat er sich nur hauchdünn für die Aufstiegsrunde qualifiziert. Foto: Schrade © Schrade

Vor 25 Jahren war an Profi-Handball im Rems-Murr-Kreis nicht zu denken gewesen. Nun steht der TV Bittenfeld, der seit der Saison 2015/16 unter dem Namen TVB Stuttgart spielt, vor seiner sechsten Saison in der ersten Bundesliga. In einer Serie erinnern wir an den Aufstieg von der Verbandsliga in die Elite-Liga.

Nach zwei Aufstiegen in Folge und dem überraschenden vierten Platz im ersten Regionalliga-Jahr steht der TV Bittenfeld in der zweiten Saison 2005/2006 vor einer besonderen Herausforderung: Eine Umstrukturierung steht an. Die Regionalliga Süd wird in zwei Staffeln aufgeteilt, je zehn Mannschaften in den Staffeln West und Ost spielen von September bis Januar gegeneinander. Die ersten fünf Teams machen im anschließenden Wettbewerb den Aufsteiger unter sich aus, der Rest spielt in der Abstiegsrunde ums sportliche Überleben. Im schlimmsten Fall können von zehn Mannschaften acht absteigen.

Der TV Bittenfeld bekommt es in der Ost-Staffel mit folgenden Gegnern zu tun: VfL Waiblingen, HSV Glauchau, HSC Bad Neustadt, HC Erlangen, SG HC Dresden, HSC Coburg, Haspo Bayreuth, VfB Forchheim und TSV Simbach.

Das Ziel der Bittenfelder in der ersten Etappe ist klar: unter die ersten fünf zu kommen. Nur wenig ändert sich am Kader. Pierre Freudl zieht’s zu seinem Heimatverein, dem Zweitligisten TV Kornwestheim. Nicht mehr dabei sind die Torhüter Götz Kemner (hört auf) und Barabos Özsöz. Bis November muss der TVB auf Alexander Heib verzichten, der einen Kreuzbandriss auskuriert.

Neun Spieler sind unter 20 Jahre alt

Zum TVB zurückkehren wird Markus Brodbeck, der zur Rückrunde des Aufstiegsjahres bereits ausgeholfen hat. Brodbeck wird zusammen mit Marc Bürkle und Steffen Lehle das Torhütertrio bilden. Der Rechtsaußen Cedric Coudoro kommt vom HBW Balingen-Weilstetten II, der Kreisläufer Julius Emrich vom Oberligisten TV Willstätt. Neu ist auch der zusätzliche Co-Trainer Markus Heilemann. Henning Fröschle legt doch keine Pause ein, wie zunächst geplant ist.

Die Bittenfelder gehen wieder mit einer sehr jungen Mannschaft in die Spielzeit. Ältester Feldspieler ist Jürgen Schweikardt – mit 25 Jahren. Neun Spieler sind unter 20 Jahren.

Der TVB schafft es nur knapp in die Aufstiegsrunde

Knapp geht’s her in der Platzierungsrunde. Mitte Januar verliert der TVB unglücklich mit 32:34 beim VfB Forchheim, dem direkten Konkurrenten um den entscheidenden fünften Rang. Am finalen Spieltag muss der TVB gegen Haspo Bayreuth ran, das zuvor von elf Spielen zehn gewonnen hat. Forchheim spielt gegen Glauchau, das mit 7:13 Punkten längst keine Chance mehr hat auf die Aufstiegsrunde. Die Bittenfelder zerlegen Bayreuth mit 38:27, zeitgleich knöpfen die Glauchgauer dem Bittenfelder Konkurrenten beim 29:29 einen Zähler ab. Damit springt der TVB mit 22:14 Punkten (Forchheim 21:15) in die Aufstiegsrunde und hat zugleich den Ligaverbleib sicher.

Vom furiosen Auftritt gegen Bayreuth scheinen die Bittenfelder regelrecht beflügelt, denn in sämtlichen folgenden zehn Spielen der Aufstiegsrunde gehen sie als Sieger vom Spielfeld. Nach knappen Erfolgen gegen Deizisau (31:28), in Herrenberg (29:27) und gegen Kronau (35:31) sorgt der TVB mit dem 29:26-Erfolg beim Meister der Westgruppe, der HSG Konstanz, für Aufsehen. Den Deckel drauf macht der TVB im letzten Spiel, beim 35:29 in Altensteig, und steigt mit 28:8 Punkten auf. Zweiter wird der HSC Bad Neustadt (25:11), Dritter Haspo Bayreuth (22:14).

Die Altensteiger Eichwaldhalle ist an diesem Maitag fest in Bittenfelder Hand. Die Fans folgen ihrem Team in vier Bussen und unzähligen Privat-Autos in den Schwarzwald und sorgen für eine prächtige Stimmung. Schon Minuten vor der Schlusssirene feiern die Zuschauer den größten Erfolg in der Geschichte des TV Bittenfeld: den Aufstieg in die 2. Bundesliga.

Damit ist auch der Leitsatz von Trainer Günter Schweikardt („Für meine Spieler gibt’s nur Bundesliga oder Bittenfeld“) Geschichte. Die Aufstiegs-Shirts sind schon am nächsten Tag bedruckt: „Bittenfeld oder Bundesliga? Bittenfeld ist Bundesliga!“

Der Coach gibt den Fans in Altensteig noch drei Aufgaben mit auf den Weg: „Erstens geht am Montag keiner zur Arbeit. Zweitens kommt ihr nachher alle ins Vereinsheim. Und drittens überklebt ihr sämtliche Bittenfelder Ortsschilder mit der Aufschrift ‘Ausnahmezustand’.“

Der Spielführer des TVB ist nach dem Spiel überglücklich. „Das war eine Katastrophenwoche für mich, das kann sich keiner vorstellen“, sagt Jürgen Schweikardt. „Mein Traum war es nie, Nationalspieler zu werden. Mein Kindheitstraum war immer, mit Bittenfeld in die Bundesliga aufzusteigen. Jetzt gibt’s ein Fest, wie es noch keiner gesehen hat.“

Roland Wissmann nimmt zehn Kilo ab

Roland Wissmann, Ex-Spieler des TVB, ist „total fertig“. Er habe die ganze Woche nicht richtig geschlafen und zehn Kilo abgenommen. „Ich habe schon ein bisschen gezweifelt, ob die Nerven der Spieler halten werden, und habe 50 Minuten nicht auf die Anzeigetafel geschaut.“

Hellauf begeistert ist auch der Waiblinger Oberbürgermeister. Der TV Bittenfeld sei ein Beispiel dafür, was man mit konsequenter Jugendarbeit erreichen könne, sagt Andreas Hesky. „Der Verein muss sich Gedanken machen, was er jetzt braucht.“ Die Stadt Waiblingen werde ihn dabei unterstützen. „Eines allerdings ist auch klar: Es muss deutlich gemacht werden, dass Bittenfeld ein Ortsteil von Waiblingen ist“, so Hesky.

Vor 25 Jahren war an Profi-Handball im Rems-Murr-Kreis nicht zu denken gewesen. Nun steht der TV Bittenfeld, der seit der Saison 2015/16 unter dem Namen TVB Stuttgart spielt, vor seiner sechsten Saison in der ersten Bundesliga. In einer Serie erinnern wir an den Aufstieg von der Verbandsliga in die Elite-Liga.

Nach zwei Aufstiegen in Folge und dem überraschenden vierten Platz im ersten Regionalliga-Jahr steht der TV Bittenfeld in der zweiten Saison 2005/2006 vor einer besonderen

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper