TVB Stuttgart

Regelbruch gegen Bergischen HC? Warum es trotzdem beim Sieg des TVB bleibt

Buzzer
Eigentlich sollte der rote Buzzer (links neben dem Zeitnehmertisch), der seit dieser Saison die Grüne Karte für die Beantragung der Auszeit ersetzt, für Gerechtigkeit sorgen. Im Spiel des TVB gegen den BHC löste er Ärger aus. TVB-Interimscoach Michael Schweikardt bleibt gelassen. © Jens Körner

Die Aufregung ist riesig gewesen in der Schlussphase der Partie zwischen dem TVB Stuttgart und dem Bergischen HC. Für heftige Diskussionen, auch noch lange nach Spielschluss, sorgte die mutmaßlich spielentscheidende Auszeit des TVB elf Sekunden vor dem Ende. Der BHC monierte einen Regelverstoß, einen Einspruch gegen die Wertung des Spiels wird – oder kann – er allerdings nicht einlegen: Er hätte vor der Versiegelung des Spielberichtes vor Ort in der Porsche-Arena reagieren müssen. Zurück bleiben dennoch einige Fragen.

Rückblende: Es steht 26:26, der TVB ist 40 Sekunden vor der Schlusssirene im Angriff. Elf Sekunden vor dem Ende sucht der TVB-Spielmacher Egon Hanusz die Lücke in der gegnerischen Abwehr, prallt an Frederik Ladefoged ab und bleibt am Boden liegen. Der BHC-Spieler Linus Arnesson schnappt sich den Ball und will den Gegenzug einleiten. Zu diesem kommt es allerdings nicht.

Undurchsichtige Situation

Um die folgenden Sekunden nachzuvollziehen, braucht's einen mehrfachen Durchlauf der Szene in der TV-Sky-Konserve. Zu hören ist der Pfiff der Schiedsrichter und einen Wimpernschlag später das vom TVB ausgelöste Buzzer-Signal für die Auszeit. Die Schiedsrichter Julian Köppel und Denis Regner besprechen sich mit dem Technischen Delegierten Bernd Andler und gewähren dem TVB die Auszeit. Quasi mit dem Schlussgong erzielt Adam Lönn den 27:26-Siegtreffer. Der ist nach Ansicht der Bergischen Löwen irregulär. Ihre Begründung: Der Auszeit-Buzzer darf nur bei eigenem Ballbesitz betätigt werden. Und nach dem Pfiff der Unparteiischen habe der Ballbesitz gewechselt. Tatsächlich haben Köppel/Regner auf Stürmerfoul entschieden und nicht auf ein Foul von Ladefoged an Hanusz.

In der „Ordnung zur Durchführung von Spielen“ werden unter Punkt B – Sanktionen im Falle des unberechtigten Betätigens des Buzzers – mehrere Szenarien aufgeführt. In Stuttgart kamen beispielsweise Punkt 1 und 2 infrage

Punkt 1: Beantragt eine Mannschaft ein Team-Time-out, während die gegnerische Mannschaft im Ballbesitz ist, werden die folgenden Strafen verhängt:

• a.) Progressive Bestrafung für den Mannschaftsoffiziellen, der das Team-Time-out beantragt hat.

• b.) Siebenmeter für die Mannschaft, die in Ballbesitz war.

Kein Vermerk im Spielbericht

Punkt 4: Wenn eine Mannschaft unmittelbar nach dem Verlust des Ballbesitzes ein Team-Time-out beantragt und klar ist, dass dies nicht absichtlich der Fall war, wird die folgende Entscheidung getroffen:

• a.) Das Team, das die Unterbrechung durch das fehlerhafte Team-Time-out verursacht hat, verliert ein Team-Time-out.

• b.) Spielfortsetzung entsprechend der Situation auf dem Spielfeld im Moment der Unterbrechung.

Die große Frage ist: Wie war die Situation nun? Befand sich der BHC in Ballbesitz, hätte es einen Freiwurf für ihn am eigenen Neun-Meter-Kreis geben müssen. Wurde der Buzzer jedoch rechtzeitig gedrückt, wäre das Spiel mit der Auszeit fortgesetzt worden. Weil so entschieden wurde, fühlten sich die BHC-Spieler und Verantwortlichen verschaukelt. Sie forderten einen Siebenmeter und echauffierten sich lange nach Spielschluss. Sie versäumten es aber, ihren Unmut im Spielbericht vermerken zu lassen. Nur mit diesem hätte der BHC binnen 72 Stunden gegen die Spielwertung Protest einlegen können.

Michael Schweikardt wollte sich auf Anfrage dieser Zeitung zur Szene nicht mehr ausgiebig äußern. „Ich bin mit der Sache durch“, sagte der TVB-Interimstrainer. „Für mich war’s ein klarer Freiwurf für uns, deshalb habe ich den Buzzer gedrückt.“

Nicht ganz sicher in ihrer Regelauslegung waren sich auch die Unparteiischen. Beim Studium der TV-Bilder ist zu sehen, wie der Feldschiedsrichter Denis Regner zunächst wohl ein Foul an Hanusz erkannte, sich dann aber anders entschied.

Die Aufregung ist riesig gewesen in der Schlussphase der Partie zwischen dem TVB Stuttgart und dem Bergischen HC. Für heftige Diskussionen, auch noch lange nach Spielschluss, sorgte die mutmaßlich spielentscheidende Auszeit des TVB elf Sekunden vor dem Ende. Der BHC monierte einen Regelverstoß, einen Einspruch gegen die Wertung des Spiels wird – oder kann – er allerdings nicht einlegen: Er hätte vor der Versiegelung des Spielberichtes vor Ort in der Porsche-Arena reagieren müssen. Zurück

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