TVB Stuttgart

TVB kooperiert mit Drittligist Pforzheim: Über den zweiten Bildungsweg in die erste Liga

Suesser
Drei Spiele hat Lukas Süsser (rechts, gegen den Leipziger Lukas Binder) für den Erstligisten TVB Stuttgart absolviert. Der 20-Jährige ersetzt bis zum Jahresende per Zweitspielrecht den verletzten Kreisläufer Oskar Bergendahl. © Jens Körner

Seit 2016 kooperiert der Handball-Erstligist TVB Stuttgart mit dem Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen. Per Zweitspielrecht spielt seit der vergangenen Saison das Rückraum-Talent Nico Schöttle (19) beim TVB, vor ein paar Wochen sicherten sich die Bittenfelder bis zum Jahresende die Dienste des Kreisläufers Lukas Süsser (20). Der TVB-Trainer und Talentscout Michael Schweikardt und Alexander Lipps, Trainer der Pforzheimer Drittligamannschaft und Jugendkoordinator, kennen und schätzen sich schon lange – und erklären, was hinter der offensichtlich fruchtbaren Zusammenarbeit steckt.

Schon lange pflegt der TVB den Austausch mit diversen Vereinen aus der Region. Vor sechs Jahren kam der Kontakt mit dem Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen zustande, der für seine ausgezeichnete Jugendarbeit bekannt ist. Der deutsche Nationalspieler Patrick Groetzki durchlief einst die SG-Jugend, auch die ehemaligen Bittenfelder Felix Schmidl, Felix Lobedank und Bastian Rutschmann sowie der aktuelle TVB-Rechtsaußen Sascha Pfattheicher spielten in Pforzheim. Rutschmann kehrte 2019 nach Pforzheim zurück.

Mehrere Verbindungen zwischen TVB und Pforzheim

Der TVB-Trainer Michael Schweikardt hat schon seit einigen Jahren Kontakt mit Alexander Lipps. Berührungspunkte gab’s auf Trainerebene: Schweikardt coachte den Drittligisten TSB Heilbronn-Horkheim, Lipps trainiert seit acht Jahren den Kontrahenten SG Pforzheim/Eutingen und kennt auch die Bittenfelder Trainer Jörg Ebermann (BW-Oberligateam) und Ulf Hummel (A-Jugend) sehr gut. „Alex Lipps ist einer der wenigen in der dritten Liga, der im Handball hauptamtlich unterwegs ist“, sagt Schweikardt. „Er ist sehr gut informiert und vernetzt, wir waren immer im Austausch.“

Ein geeigneter Partner war die Spielgemeinschaft auch, weil die Doppelspielrechte dem TV Bittenfeld damals noch ein paar Punkte brachten. Die fehlten ihm, um die Voraussetzungen fürs Jugendzertifikat zu erfüllen. Der Kontakt des TVB zur SG ist im vergangenen Jahr durch die Personalie Nico Schöttle noch enger geworden. „Wir haben uns zusammengesetzt und gemeinsam überlegt, wie der bestmögliche Weg für Nico aussehen kann“, so Schweikardt. So sei das Zweitspielrecht über zwei Jahre beschlossen worden. Im ersten Jahr hatte der Drittligist das Erstzugriffsrecht, in der aktuellen Spielzeit wechselte das zum Erstligisten. Für Schweikardt ist das die perfekte Lösung. Sollte Schöttle beim TVB weniger zum Einsatz kommen, könne er in einer guten Liga und in einem bekannten Umfeld mehr Einsatzzeiten bekommen.

Süsser ersetzt Bergendahl bis Weihnachten

Während der TVB mit Schöttle langfristig plant, ist der zweite Kooperationszugang zunächst bis zum Jahresende eingeplant. Lukas Süsser (20) ersetzt den verletzten Kreisläufer Oscar Bergendahl. „Wir haben uns in der Region umgeschaut und überlegt, wer uns kurzfristig helfen kann.“ Süsser sei einer der wenigen Kandidaten gewesen, die vom Alter gepasst hätten und verfügbar gewesen seien. „Ich bin positiv überrascht, wie gut Lukas mithalten kann“, sagt Schweikardt. „Er hängt sich voll rein und zeigt großes Engagement. Er macht seine Sache gut. Wenn er weiterhin so hart arbeitet, ist noch einiges möglich.“

Auch Lukas Süssers Heimtrainer freut sich, dass nach Nico Schöttle ein weiterer seiner Schützlinge Bundesligaluft schnuppern darf. „Ich habe Lukas gesagt, du musst alles mitnehmen“, sagt Alexander Lipps. „Wenn er es gut macht, werden aus drei Angriffen irgendwann fünf oder vielleicht sogar mehr.“

Längst zum Stammspieler geworden beim TVB ist einer, der ebenfalls eine Pforzheimer Vergangenheit hat: Sascha Pfattheicher. Aus seinem Jahrgang stehen aktuell vier Spieler in der Drittligamannschaft der Pforzheimer. „Es gibt bis heute noch eine sehr enge Verbindung zu Sascha“, so Lipps.

Wahrnehmung in der Öffentlichkeit

Wie viel Wert die Pforzheimer auf die Jugendarbeit legen, zeigt, „dass etwa 80 Prozent des Drittligateams bei der SG ausgebildet worden sind“. Dass der Drittligist nicht alle Talente halten kann, ist die unvermeidliche Konsequenz davon und stört Alexander Lipps nicht – im Gegenteil: „Spieler, die den großen Schritt noch nicht sofort gemacht haben, profitieren von so einer Kooperation“, so Lipps. „Außerdem erfahren wir viel mehr Aufmerksamkeit.“ In den vergangenen zwei Wochen sei die SG Pforzheim/Eutingen und die Zusammenarbeit mit dem TVB über den TV-Sender Sky „außerordentlich oft“ erwähnt worden. Auch die Jugendlichen würden die SG nun stärker wahrnehmen. „Viele registrieren, dass man es auch bei uns zu einem Bundesligaspieler schaffen kann – auch ohne Internat“ – aber mit viel Fleiß und Arbeit.

Jüngstes Beispiel: Lukas Süsser. Er begann, wie Nico Schöttle, in Birkenfeld mit dem Handballspielen und wechselte früh zur SG Pforzheim/Eutingen. Vor drei Wochen wurde er quasi über Nacht zum Bundesligaspieler befördert. Nachdem ihn sein Trainer Alexander Lipps angerufen und angekündigt hatte, dass sich Michael Schweikardt bei ihm melden würde, „habe ich erst mal meine Werkzeuge aus der Hand gelegt und gewartet, bis das Telefon klingelt“, sagt Lukas Süsser und lacht. Der 20-Jährige arbeitet im elterlichen Betrieb in Birkenfeld. „Als der Anruf vom TVB kam, musste ich nicht lange überlegen.“

Beim Debüt gleich ein Tor

Ein paar Tage später feierte er bei der 26:33-Niederlage des TVB in Melsungen sein Debüt und erzielte sogar ein Tor. Auch gegen Magdeburg und Leipzig kam er zu einem Kurzeinsatz. Natürlich sei er ein bisschen aufgeregter gewesen als bei einem Drittligaspiel, nachdem er in Melsungen für einen Überzahlangriff aufs Feld gekommen sei. „Die Aufregung hat sich aber schnell gelegt“, sagt der 20-Jährige. „Man genießt jede Minute auf dem Spielfeld, aber alleine das Dabeisein ist der Hammer.“ Vor allem das Tempo habe ihn beeindruckt. Und wie konzentriert das Training über die Bühne gehe. Zweimal die Woche trainiert Süsser beim TVB mit, an diesen Tagen arbeitet er nur halbtags.

Die Integration ins TVB-Team habe ihm keine Probleme bereitet, zumal er Nico Schöttle und Fynn Nicolaus schon lange kenne. „Und die anderen Spieler sind alle sehr nett und aufgeschlossen.“

Vor seinem größten Erlebnis in seiner jungen Karriere steht Lukas Süsser am kommenden Wochenende. Nach dem Drittligaspiel mit der SG Pforzheim/Eutingen am Samstagabend in Oppenweiler wird er den Nachtzug nach Hamburg nehmen. Im Hotel stößt er zum TVB-Team – und wird am Sonntag (16.05 Uhr) mit den neuen Kollegen in die Flens-Arena einlaufen. „Die SG Flensburg-Handewitt und der THW Kiel sind der FC Bayern des Handballs“, sagt Süsser. „Es ist schon ziemlich geil, dort zu spielen.“

Auf das Flensburg-Spiel werden voraussichtlich noch vier weitere Partien im Trikot des TVB Stuttgart folgen, im neuen Jahr wird sich der Youngster wieder komplett auf die dritte Liga und seinen Stammverein SG Pforzheim/Eutingen konzentrieren. Mit der Erfahrung aus immerhin sieben Bundesligaspielen. „Ich merke schon, dass ich nun auch in der dritten Liga mehr Aufmerksamkeit bekomme“, sagt Lukas Süsser. „Das heißt, ich bin gesehen worden. Das alleine ist schon sehr wertvoll für mich.“

Seit 2016 kooperiert der Handball-Erstligist TVB Stuttgart mit dem Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen. Per Zweitspielrecht spielt seit der vergangenen Saison das Rückraum-Talent Nico Schöttle (19) beim TVB, vor ein paar Wochen sicherten sich die Bittenfelder bis zum Jahresende die Dienste des Kreisläufers Lukas Süsser (20). Der TVB-Trainer und Talentscout Michael Schweikardt und Alexander Lipps, Trainer der Pforzheimer Drittligamannschaft und Jugendkoordinator, kennen und schätzen sich

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