TVB Stuttgart

TVB Stuttgart gegen FA Göppingen: Ein Derby mit ungleichen Voraussetzungen

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Jerome Müller, hier im Hinspiel gegen die Göppinger Kresimir Kozina (links) und Nemanja Zelenovic (ganz links Zarko Pesevski), kommt beim TVB nach anfänglichen Problemen immer besser zurecht. Die Ellbogenverletzung aus dem Spiel gegen die Eulen behindert den Linkshänder nicht mehr. © Jürgen Weber

Vor neun Wochen waren die Handball-Erstligisten TVB Stuttgart und FA Göppingen lediglich zwei Punkte voneinander getrennt. Vor dem Aufeinandertreffen an diesem Samstag in der Scharrena (20.30 Uhr) sind’s 13. Es ist ein deutliches Indiz dafür, dass sich die beiden Teams in gegensätzliche Richtungen entwickelt haben. Während Göppingen nach zehn Spielen ohne Niederlage vom internationalen Geschäft träumen darf und vor Selbstvertrauen nur so strotzt, muss der kriselnde TVB noch die Abstiegsränge im Blick haben.

Normalerweise freut sich der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt auf die Derbys gegen den Nachbarn. Denn auch wenn die Göppinger meistens als Sieger das Spielfeld verlassen haben, hat der TVB in der einen oder anderen Partie doch angedeutet, dass er mittelfristig gerne die Göppinger als Nummer eins im Ländle ablösen möchte.

In dieser Spielzeit indes sind die Bittenfelder davon ein ganzes Stück entfernt. Das liegt zum einen daran, dass Göppingen bisher eine unerwartet erfolgreiche Saison spielt. Und zum anderen daran, dass sich der TVB als Meister der Unbeständigkeit erweist. Wobei die Ausschläge nach unten in diesem Kalenderjahr deutlich häufiger sind als in der Hinrunde. Zuletzt war der TVB bei der 24:28-Niederlage gegen die stark abstiegsgefährdeten Eulen Ludwigshafen chancenlos.

Nichts, was wir in der Öffentlichkeit diskutieren

Es war ein durchweg frustrierender Auftritt, der auch den Trainer und Geschäftsführer ziemlich ratlos machte. Kurz nach dem Spiel hatte Jürgen Schweikardt angedeutet, „dass wir uns überlegen müssen, ob wir unser Konzept ändern“. Eine Woche hatte er Zeit, sich Gedanken zu machen, wie er seine Mannschaft wieder in die Spur bringen möchte. „Natürlich können wir jetzt nicht alles über den Haufen werfen“, sagt er. „Wir haben uns ein paar Dinge überlegt, wie wir unser Spiel stabiler machen können.“ Ins Detail möchte er aber nicht gehen. „Das ist nichts, was wir in der Öffentlichkeit diskutieren.“

Geholfen wäre Schweikardt schon, wenn es ein Rezept dafür gäbe, wie seine Spieler ihr Selbstvertrauen zurückholen können. In der Regel helfen Siege dabei, was sich am Beispiel des kommenden Gegners hervorragend ablesen lässt. Kurz vor Weihnachten verlor FA Göppingen in eigener Halle gegen die MT Melsungen mit 23:30 und ging mit 15:13 Punkten in die WM-Pause. In den folgenden zehn Partien gab das Team von Trainer Hartmut Mayerhoffer nur einen Punkt ab – im jüngsten Spiel beim 26:26 gegen die HSG Nordhorn-Lingen. Göppingen besiegte unter anderem zweimal die Rhein-Neckar Löwen und einmal die Füchse Berlin. Das Glück war den Göppingern das eine oder andere Mal dabei auch hold: Gleich vier Partien gewannen sie mit einem Tor Unterschied.

17 Tore bedeuteten Negativrekord

Im Hinspiel gegen den TVB musste Göppingen nicht zittern, das 27:17 war eine heftige Backpfeife für das Schweikardt-Team. Weniger Treffer hat es noch nie in einem Bundesligaspiel erzielt. „Zusammen mit dem Spiel in Essen war das wohl unser schlechtestes Spiel“, so Schweikardt. Dabei hatte sich Göppingen, zumindest in puncto Chancenverwertung, zeitweise dem TVB angepasst. Mittlerweile tritt der TVB-Kontrahent mit breiter Brust auf. „Göppingen ist für uns jetzt der maximal unangenehmste Gegner“, sagt Schweikardt.

Aber was macht ihn so stark? „Zum Beispiel Tim Kneule“, so Schweikardt. Der Routinier, der nach der Verpflichtung von Janus Smarason eigentlich als Nummer zwei auf der Spielmacherposition vorgesehen war, erlebt seit der Verletzung des isländischen Nationalspielers seinen zweiten Frühling. Eine der großen Stärken der Göppinger ist das Kreisspiel mit dem cleveren Kresimir Kozina, der zusammen mit Jacob Bagersted auch einen der besten Mittelblöcke der Liga stellt. Hervorragend besetzt ist Göppingen auch im Rückraum mit den wurfgewaltigen Nemanja Zelenovic und Sebastian Heymann. Der Linksaußen und Nationalspieler Marcel Schiller hat die Führung in der Bundesliga-Torschützenliste übernommen und ist laut Schweikardt „in der Form seines Lebens“.

Jerome Müller ist wieder fit

Der TVB geht also als klarer Außenseiter ins Derby. Von vorneherein klein beigeben möchte Schweikardt aber natürlich nicht. „Für uns geht’s zunächst mal darum, ein besseres Spiel zu machen als gegen die Eulen. Wir müssen schauen, dass wir Stück für Stück aus unserem Tal herauskommen.“

Wenigstens sieht’s personell wieder besser aus: Jerome Müllers Ellbogenverletzung ist abgeklungen. Bis auf den Langzeitverletzten Rudi Faluvégi und Johannes Bitter (Meniskus-Operation) dürfte Schweikardt den kompletten Kader beisammenhaben. Ein bisschen Sorge bereitet der Genesungsprozess des Nationalkeepers. „Es könnte besser vorangehen“, sagt Schweikardt. Es sieht also so aus, als müsse Primoz Prost noch eine Weile den Alleinunterhalter spielen. Vielleicht sorgt der Slowene, für den es zuletzt nicht so gut lief, gegen seinen Ex-Club am Samstag für gute Stimmung.

Vor neun Wochen waren die Handball-Erstligisten TVB Stuttgart und FA Göppingen lediglich zwei Punkte voneinander getrennt. Vor dem Aufeinandertreffen an diesem Samstag in der Scharrena (20.30 Uhr) sind’s 13. Es ist ein deutliches Indiz dafür, dass sich die beiden Teams in gegensätzliche Richtungen entwickelt haben. Während Göppingen nach zehn Spielen ohne Niederlage vom internationalen Geschäft träumen darf und vor Selbstvertrauen nur so strotzt, muss der kriselnde TVB noch die Abstiegsränge

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