TVB Stuttgart

TVB Stuttgart springt nach Sieg gegen Hannover auf Rang drei

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Der Torhüter Urban Lesjak (hinten Jannes Krone) zählte zu den besten Spielern bei der TSV Hannover-Burgdorf am Samstag in der Porsche-Arena. Das reichte indes nicht, um dem TVB Stuttgart gefährlich zu werden. Max Häfner und seine Kollegen fanden immer wieder eine Lücke. © Ralph Steinemann Pressefoto

„Wir hatten heute definitiv keine Chance auf den Sieg.“ Der kurzen Analyse von Carlos Ortega, Trainer des Handball-Erstligisten TSV Hannover-Burgdorf, nach der 26:31-Niederlage (9:15) seines Teams beim TVB Stuttgart war wenig hinzuzufügen. „Danke, Carlos“, sagte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Das ist für uns die größte Auszeichnung. Ich denke, wir haben ein sehr erwachsenes Spiel gemacht.“ Sein Team habe sich, anders als zuletzt in Erlangen, nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Und es zeigte gegen den Vorjahresvierten, dass es auch ohne seinen Kapitän und Leader Johannes Bitter gewinnen kann. Der Nationalkeeper verfolgte die Partie coronageschädigt – mit allerdings nur leichten Symptomen – zum zweiten Mal vor dem Fernseher. Und er freute sich, dass sein Vertreter Primoz Prost am Samstag viel besser in die Partie fand, als das drei Tage zuvor der Fall gewesen war. Der 37-Jährige parierte gleich den ersten Wurf von Iljia Brozovic und hatte mit acht Paraden großen Anteil an der 15:9-Pausenführung des TVB.

Erfolgreicher taktischer Kniff: Der siebte Feldspieler

Hannover, in Bestbesetzung und mit acht aktuellen Nationalspielern angereist, hatte enorme Probleme mit der klug agierenden Stuttgarter Deckung um den überragenden Innenblock Samuel Röthlisberger / Adam Lönn. Auch die „Halben“ in der Defensivabteilung arbeiteten gut, so dass die gefährlichen Rückraumschützen der Gäste kaum in aussichtsreiche Wurfpositionen kamen. Vorne spielte der TVB variabel, zeigte sich abschlussstark und führte nach zehn Minuten mit 5:1.

Nach einer Auszeit tauschte der Gästetrainer Ortega seine Halbspieler. Für Fabian Böhm und Nejc Cehte kamen der 19-jährige Martin Hanne und Ivan Martinovic. Der Youngster belebte tatsächlich das Angriffsspiel der Hannoveraner, wobei der TVB zunächst klar am Drücker blieb und nach einer Viertelstunde mit 7:2 führte.

Doch wie in Erlangen erlaubte sich der TVB anschließend eine Schwächephase, scheiterte mehrmals frei am guten TSV-Keeper Urban Lesjak und kassierte vier Gegentreffer in Folge zum 7:6 (19.). Aus dem Spiel gegen Erlangen schien das Team jedoch gelernt zu haben, es verfiel nicht in Hektik und hielt den Gegner auf Distanz (9:6). Weil sich der TVB aber im Positionsangriff schwertat, versuchte es Schweikardt mit dem siebten Feldspieler – und dieser taktische Kniff erwies sich womöglich als Matchwinner.

Kristjánsson ist nicht zu bremsen

Vor allem der spielstarke Viggó Kristjánsson, der erst nach 17 Minuten zum Einsatz kam, dirigierte sein Team. Der Isländer setzte seine Mitspieler mit überraschenden Anspielen in Szene und zeigte sich zudem gewohnt treffsicher. Nachdem Martinovic auf 7:9 verkürzt hatte (24.), nutzte der TVB eine Fehlerflut der Gäste mit einem 6:0-Lauf binnen fünf Minuten zum 15:7 eiskalt aus. In die Halbzeit ging’s mit 15:9.

Konzentriert kam das Schweikardt-Team aus der Kabine zurück. Die Sechs-Tore-Führung hatte auch nach 40 Minuten noch Bestand (20:14). Der TVB agierte weiterhin in nahezu jedem Angriff im Sieben gegen sechs, spielte geduldig und mit sicherem Passspiel so lange, bis sich eine gute Wurfchance bot. Nach Kristjánssons Treffer zum 25:17 (45.) hatte es den Anschein, als resignierten die Gäste. Die kamen zwar gegen die nun nicht mehr ganz so sattelfeste Stuttgarter Abwehr etwas müheloser zu Toren. Allein: Es brachte sie nicht mehr in Schlagdistanz, weil auch der TVB weiterhin Gefallen am Torewerfen fand.

Hannover hoffte auf den finalen Impuls durch die 5:1-Deckung und den Torhüterwechsel, doch sämtliche Maßnahmen an diesem Abend fruchteten nicht. Stuttgart diktierte das Geschehen. Einmal noch, beim 25:21 (52.), durften sich die „Recken“ leise Hoffnungen machen auf die Wende. Die machte der überragende Kristjánsson mit zwei tollen Toren zum 27:21 zunichte (54.). Mit seinem 60. Treffer zum 31:24 setzte sich der Isländer nebenbei an die Spitze der Bundesliga-Torschützenliste.

Am Sonntag zum Top-Spiel nach Flensburg

Am Ende stand der überraschend souveräne 31:26-Erfolg, den die 14 ausdauernden Trommler des TVB-Fanclubs in der ansonsten leeren Porsche-Arena lautstark feierten. Mit dem fünften Saisonsieg hat der TVB elf Punkte gesammelt. „Das ist für uns zu diesem Zeitpunkt herausragend“, sagte Jürgen Schweikardt. Ganz nebenbei schob sich das Team auf Rang drei hinter den Rhein-Neckar Löwen und dem THW Kiel. Dass die Tabelle durch die vielen Spielverlegungen ziemlich schräg ist und wenig Aussagekraft hat, dürfte die Überraschungsmannschaft der Liga kaum stören.

Das Spitzenspiel am kommenden Spieltag steigt übrigens am Sonntag (13.30 Uhr) in der Flens-Arena, wo der Dritte TVB Stuttgart beim Vierten SG Flensburg-Handewitt antritt.

TVB Stuttgart: Prost, Hummel; Häfner (4), Asgeirsson, Weiß, Faluvégi, Lönn (5), Schulze, Röthlisberger (1), Zieker (6), Müller (3), Pfattheicher (1), Pesevski (1), Kristjánsson (10/2), Wieling.

TSV Hannover-Burgdorf: Lesjak, Ebner; Cehte, Kuzmanovski, Martinovic (4), Mäver (1), Hansen (1/1), Pevnov (1), Jönsson (4), Böhm, Krone (3), Donker, Hanne (6), Brozovic (3), Feise (3), Büchner.

„Wir hatten heute definitiv keine Chance auf den Sieg.“ Der kurzen Analyse von Carlos Ortega, Trainer des Handball-Erstligisten TSV Hannover-Burgdorf, nach der 26:31-Niederlage (9:15) seines Teams beim TVB Stuttgart war wenig hinzuzufügen. „Danke, Carlos“, sagte der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. „Das ist für uns die größte Auszeichnung. Ich denke, wir haben ein sehr erwachsenes Spiel gemacht.“ Sein Team habe sich, anders als zuletzt in Erlangen, nicht aus der Ruhe bringen

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