TVB Stuttgart

TVB Stuttgart vergibt leichtfertig den Matchball im Abstiegskampf

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Ernüchterung beim TVB Stuttgart (von links Viggó Kristjánsson, Sascha Pfattheicher, Trainer Roi Sánchez und Alexander Schulze): Die Niederlage in Lemgo war ziemlich unnötig. © Ralph Steinemann Pressefoto

Der Handball-Erstligist TVB Stuttgart hat am fünftletzten Spieltag fahrlässig die Chance vergeben, im Abstiegskampf für klare Verhältnisse zu sorgen: Beim stark ersatzgeschwächten TBV Lemgo verlor der TVB vor 2364 Zuschauern mit 30:33 (15:14) und blieb damit im sechsten Vergleich in Folge gegen Lemgo sieglos. Statt sieben Punkten Polster auf die Abstiegsränge sind’s nur noch fünf Punkte – zu sicher sollte sich der TVB noch nicht sein.

„Wir haben es selbst vergeigt“, sagte der Stuttgarter Rückraumspieler Jerome Müller kurz nach dem Spiel. Wohl wahr. Nach 45 Minuten führte der TVB mit 24:21 – und lag keine zwei Minuten später mit 24:25 im Hintertreffen. Mit diesem Lauf schöpfte Lemgo neuen Mut und der TVB fand nicht mehr zurück in die Spur.

Schock: Minden gewinnt beim BHC

Der eine oder andere Bittenfelder dürfte sich bei der Anreise ins Lipperland am Tag vor dem Spiel schon Gedanken gemacht haben darüber, wie und wo er im Falle eines Sieges und einer Niederlage von Minden beim Bergischen HC den Klassenverbleib feiern wird. Den ersten Dämpfer indes gab’s schon am Samstagabend: Der Vorletzte nahm mit 26:25 die Punkte mit aus dem Bergischen Land. Also galt es für den TVB, mit einem Sieg in Lemgo den alten Sieben-Punkte-Abstand wieder herzustellen.

Die Voraussetzungen für den TVB hätten besser kaum sein können: Das Selbstvertrauen nach 8:2 Punkten war groß, und Roi Sánchez hatte seinen kompletten Kader beisammen. Im Gegensatz zu dessen Trainerkollegen Florian Kehrmann. Zu den schon länger verletzten Andrej Kogut, Andreas Cederholm und Isaias Guardiola gesellte sich der erkrankte Jonathan Carlsbogard kurzfristig hinzu. So fehlten Lemgo gleich vier Rückraumspieler.

Lemgo mit 5:1-Deckung

Damit rückte der Ex-Bittenfelder Bobby Schagen von Rechtsaußen auf Halbrechts. Und natürlich war Lemgo diese Schwächung im Positionsangriff deutlich anzumerken. Es fehlten die Abstimmung und die Durchschlagskraft aus der Fernwurfzone. Mit schnellem Passspiel und Eins-gegen-eins-Aktionen versuchte das Heimteam, die Stuttgarter Deckung in Bewegung zu bringen. Die indes war ebenso flink auf den Beinen und verschob gut.

Den 0:2-Rückstand bog der TVB zur 4:2-Führung (7.) um. Ebenso schnell war dieses Polster aber wieder weg, weil sich die Gäste zu viele technische Fehler leisteten. Der starke Tim Suton brachte Lemgo beim 8:5 in Vorteil (15.). Der TBV Lemgo versuchte, wie schon beim Sieg gegen die Rhein-Neckar Löwen zuletzt, den Spielaufbau des Gegners mit einer 5:1-Deckung zu stören. Das funktionierte phasenweise gut, manchmal weniger gut.

Viele Wendungen im Spiel

Der überragende Bjarki Mar Elisson sorgte für das 11:8 (20.), doch dann schlug der TVB mit einem 4:0-Lauf zurück zum 12:11 (24.) in einem Spiel, das von vielen Aufs und Abs auf beiden Seiten geprägt blieb. Lemgo unterlief eine ganze Reihe von Abspielfehlern. Stuttgart verpasste es, sich deutlicher abzusetzen. Immerhin rettete der Gast die 15:14-Führung in die Halbzeit.

In den zweiten 30 Minuten zeigte sich ein ähnliches Bild, recht deutliche Führungen wechselten mehrfach. Die Defensive des TVB brachte Lemgo immer wieder ins Zeitspiel, so holte sich Stuttgart beim 20:16 (35.) erneut die recht komfortable Führung. Es folgte der nächste Hänger, Elisson glich zum 20:20 aus (40.).

Viele Fehler nach 24:21-Führung

Kehrmann ordnete für die restlichen 20 Minuten das Sieben-gegen-Sechs an, wodurch sein Team zu besseren Abschlussmöglichkeiten kam. Nach Zarko Peshevskis Tor zum 24:21 (45.) schien der TVB die Partie wieder im Griff zu haben – und schenkte sie unkonzentriert wieder her. Lemgo kam in sein Tempospiel, drehte die Partie zum 25:24 (46.). Es blieb spannend bis kurz vor Schluss (28:28/54.). Der gute TBV-Rechtsaußen Lukas Zerbe machte zwei Minuten vor dem Ende mit dem 32:29 alles klar – zumal der TVB bei dieser Aktion auch noch eine Zeitstrafe kassierte. So fuhr der TVB Stuttgart mit der ziemlich ärgerlichen 30:33-Niederlage nach Hause, die ihn weiterhin zittern lässt.

Der TVB hat nun eineinhalb Wochen Pause. Am Donnerstag, 26. Mai, gastiert um 19.05 Uhr der Tabellendritte SG Flensburg-Handewitt in der Porsche-Arena. Sollten am kommenden Donnerstag GWD Minden gegen Hannover-Burgdorf und Balingen-Weilstetten gegen Wetzlar gewinnen, hätte sich das Polster des TVB auf die Abstiegsränge auf drei Punkte reduziert.

TBV Lemgo: Zecher, Johannesson; Hutecek (3), Elisson (8/2), Simak (2), Schagen (3), Schwarzer, Suton (7), Zerbe (6), Guardiola (4), Hansen, Reitemann, Blaauw, Geis.

TVB Stuttgart: Pesic (1), Vujovic; Häfner (4), Rúnarsson, Weiß (1), Hanusz (5), Lönn, Schulze (1), Röthlisberger, Nicolaus (2), Augustinussen, Zieker (2), Müller (7), Pfattheicher (4), Peshevski (1), Kristjánsson (2/1).

Der Handball-Erstligist TVB Stuttgart hat am fünftletzten Spieltag fahrlässig die Chance vergeben, im Abstiegskampf für klare Verhältnisse zu sorgen: Beim stark ersatzgeschwächten TBV Lemgo verlor der TVB vor 2364 Zuschauern mit 30:33 (15:14) und blieb damit im sechsten Vergleich in Folge gegen Lemgo sieglos. Statt sieben Punkten Polster auf die Abstiegsränge sind’s nur noch fünf Punkte – zu sicher sollte sich der TVB noch nicht sein.

„Wir haben es selbst vergeigt“, sagte der

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