Ukraine

Alles nur inszeniert? Was hinter Putins Treffen mit Soldatenmüttern steckt

imago0195077957h
Vergangene Woche traf sich der russische Präsident Wladimir Putin mit Soldatenmüttern - oder doch nicht? © IMAGO IMAGES/ITAR-TASS

In der vergangenen Woche traf sich Kreml-Chef Wladimir Putin mit MÜttern russischer Soldaten. Thema: Die Heldenhafte Mission ihrer Söhne im Ukraine-Krieg. Allerdings hat die Aktion einen Schönheitsfehler. Bei den vermeintlichen Müttern soll es sich um hochrangige Funktionärinnen handeln.

Noch immer wird der russischen Bevölkerung der Ukraine-Krieg als „militärische Operation“ verkauft. Doch spätestens seit der Teilmobilmachung im September droht die Stimmung im Land zu kippen. Zahlreiche Russen fliehen aus dem Land, andere ziehen zum Protest auf die Straße.

Kreml-Chef Wladimir Putin muss sich den Vorwurf gefallen lassen, unerfahrene und schlecht ausgerüstete Männer als Kanonenfutter an die Front zu schicken. Dennoch hält der Präsident weiterhin an seinen militärischen Plänen fest – und traf sich vergangene Woche mit Müttern russischer Soldaten.

Putin spricht „Müttern“ sein Beileid aus

Einige der anwesenden Frauen sollen ihre Söhne im Krieg verloren haben. „Ich möchte, dass Sie wissen, dass wir diesen Schmerz mit Ihnen teilen, und dass wir natürlich alles dafür tun werden, damit Sie sich nicht vergessen fühlen“, sagte Putin unter anderem bei dem Treffen. Er halte regelmäßig Kontakt zu den Soldaten an der Front. „Ich habe mit einigen Jungs direkt am Telefon gesprochen. Sie haben mich mit ihrer Laune, ihrer Einstellung zu der Sache überrascht“, so der Kreml-Chef.

Handelt es sich um aufrichtige Anteilnahme und Empathie oder um eine propagandistische Inszenierung? Laut Recherchen des „Stern“ weisen viele Erkenntnisse auf letzteres hin. Demnach befanden sich unter Putins Gästen keinesfalls Mütter von Soldaten, sondern hochrangige Funktionärinnen und Beamtinnen, vorwiegend aus der Regierungspartei „Einiges Russland“.

Hochkarätige Gästeliste

Das Magazin nennt beispielsweise den Namen Olga Belzewa. Sie ist Abgeordnete der Partei „Einiges Russland“ und Mitglied des Abgeordnetenrates des Moskauer Bezirks Otradnoje. Julia Belechova soll Leiterin des Exekutivkomitees der Moskauer Sparte einer Organisation mit dem Titel „Gesamtrussische Volksfront“ sein – ein Zusammenschluss nationalistisch-konservativer Organisationen.

Links neben Putin saß die russische Regisseurin Olesja Schigina, die laut „Stern“ vor allem orthodoxe patriotische Filme dreht. Rechts saß, in ein schwarzes Kopftuch gehüllt, eine Frau namens Zharadat Aguewa, ein Mitglied der sogenannten tschetschenischen Aristokratie. Ihre Söhne sind hochrangige Sicherheitsbeamte, der eine soll ein „brüderliches Verhältnis“ zum tschetschenischen Machthaber Ramzan Kadyrow haben.

Dass es sich bei den Frauen um Putin-treue Funktionärinnen handelte, spiegelte sich auch in deren Aussagen wider, die während des Treffens gemacht wurden. So zitierte eine vermeintliche Soldatenmutter ihren Sohn mit den Worten: „Mama, ich werde für Russland kämpfen, ich werde für die russische Welt kämpfen, ich werde für das russische Wort kämpfen, für die russische Erinnerung.“

Putin wiederum bedankte sich bei den Frauen dafür, dass ihre Söhne das russische Land verteidigten. „Er nannte sie alle Helden und erzählte, dass er mit der gesamten Regierung des Landes den Schmerz der Trennung oder des Verlusts teilt, den die Mütter unserer Soldaten empfinden“, zitierte die russische Propagandasendung „60 Minuten“ den Kreml-Chef.

In der vergangenen Woche traf sich Kreml-Chef Wladimir Putin mit MÜttern russischer Soldaten. Thema: Die Heldenhafte Mission ihrer Söhne im Ukraine-Krieg. Allerdings hat die Aktion einen Schönheitsfehler. Bei den vermeintlichen Müttern soll es sich um hochrangige Funktionärinnen handeln.

{element}

Noch immer wird der russischen Bevölkerung der Ukraine-Krieg als „militärische Operation“ verkauft. Doch spätestens seit der Teilmobilmachung im September droht die Stimmung im Land zu

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper