Wagenhallen Stuttgart

Medienkünstler mit Mission für die Ukraine

Der 26-jährige Oleksandr Sirous und eines seiner Medien-Kunst-Projekte.
Der 26-jährige Oleksandr Sirous und eines seiner Medien-Kunst-Projekte. © Oleksandr Sirous /Nastia_Lopatiuk

Weil er zu Hause derzeit nicht arbeiten kann, hält sich der junge ukrainische Medienkünstler Oleksandr Sirous gerade in Frankfurt am Main auf. Er hat ein dreimonatiges Stipendium der Kunstplattform Basis erhalten. Als Gastkünstler lebt und arbeitet der in Charkiw geborene 26-Jährige nun dort und spricht etwa bei offenen Veranstaltungen über seine Arbeit.

Zuvor war er im belgischen Antwerpen, davor in Berlin, erzählt er am Telefon. Im September kommt er nach Stuttgart, um beim New-Normal-Festival in den Wagenhallen seine Performance „Construction of Destruction“ vorzustellen und auf die Situation in der Ukraine aufmerksam zu machen.

Alex, wie er sich hier nennt, macht Neue-Medien-Kunst. Er entwickelt etwa audiovisuelle und interaktive Performances oder schafft komplexe Simulationsräume, die mit Künstlicher Intelligenz arbeiten. Live in Echtzeit erlebbar ist das zum Beispiel am 3. September im Projektraum des Kunstvereins Wagenhalle.

Kunst als Mittel der Ukraine zu helfen

„Ich wollte eigentlich gar nicht aus der Ukraine weg, aber mittlerweile sehe ich die einzige Chance für mich, der Ukraine zu helfen, wenn ich weg bin“, sagt er. Im Ausland will er aufmerksam auf die Kultur der Ukraine und seine Kunst machen und Spenden sammeln für sein Künstlerkollektiv Photinus Studio – einem Zusammenschluss aus Medienkünstlern.

Mit seinen Freunden aus dem Kollektiv habe er in den ersten Kriegswochen viel Zeit in den vor Bomben und Angriffen halbwegs geschützten Bunkern und Kellern Kiews verbracht. Die Gruppe gab es schon vor dem Krieg, doch der ist nun das Hauptthema von Photinus Studio und Sirous. Kurz nach Kriegsbeginn hat die Gruppe ein Soundvideo zur ersten Kriegsnacht in der Ukraine erstellt und mit dem Zusatz: „Soundtrack of the first Night of War in Ukraine“ auf Instagram veröffentlicht.

Mittlerweile gehe es hauptsächlich um das Spendensammeln für die Ukraine mithilfe der Kunst, sagt Alex. Andere aus dem Kollektiv sind Kämpfer im Krieg für die Ukraine geworden, ist auf der Instagram-Seite von Photinus Studio zu lesen. „Ich bin hier, um mein Land zu unterstützen und um zu arbeiten. Wochenende gibt es für mich nicht. Keiner meiner Freunde zu Hause hat unter den derzeitigen Umständen ein Wochenende, aber wirklich arbeiten können sie dort auch nicht“, berichtet er.

„Ich glaube an große Veränderungen in der Ukraine“

Zu Russland hat er eine klare Meinung, auch wenn er das Land gerne bereiste und russische Freunde habe, wie er erzählt. „Die Leute müssen verstehen, dass sie von Russland getäuscht werden. Russland will andere kleinhalten, aber wir sind eine eigenständige Kultur, die wir auch der Welt präsentieren wollen.“

Der umtriebige 26-Jährige hat sich über Facebook beim Institut für Auslandsbeziehungen (Ifa) gemeldet, das Künstler aus der Ukraine nach Deutschland und Baden-Württemberg vermittelt. So landete er, wie vor einigen Monaten auch die ukrainische Zeichnerin Toma Safarova, bei dem Stuttgarter Kunstverein Linienscharen.

„Wir suchen dann ein passendes Projekt für die Künstler und freuen uns, dass Alex auch hier vor Ort sein kann. Wir agieren quasi als Vernetzer und wollen offen sein, in der Zusammenarbeit gepasst hat es dann mit dem Festival in den Wagenhallen“, sagt Stef Stagel von Linienscharen.

Neue Netzwerke beim New Normal Festival

Nicht nur wegen seiner Neuen-Medien-Kunst scheint Alex Sirous dort gut hinzupassen. „Ich glaube wirklich an große Veränderungen in der Ukraine. Ich sehe auch ein großes Potenzial in dem, was gerade passiert, mittlerweile wissen die Leute, dass die Ukraine ein eigenes Land ist. Das ist ein Fortschritt. Ich will mich für neue Netzwerke einsetzen“, sagt er.

Mit dieser Einstellung teilt er den Anspruch des dreitägigen Wagenhallen-Festivals New Normal. Die Macher wollen nichts anderes als die Kulturszene nach der Pandemie nachhaltig verändern, durch Vernetzung, durch ein übergreifendes Format Öffnung in vielerlei Richtung bieten, Zugang und Möglichkeiten schaffen, mit Musik als Katalysator für die Befreiung kollektiver Energien, wie auf der Festival-Homepage zu lesen ist. Dafür steht ein vielversprechendes wie buntes Line-up: Künstler wie etwa M. Sayyid aus den USA, Alpha Maid aus Großbritannien oder Levin goes Lightly aus Stuttgart, Soundskulpturen, DJ-Sets und Performances, ein Workshop und Raum für Austausch bilden den Rahmen, in dem sich dann auch Alex Sirous präsentiert.

Netzwerk und Termine

Kontaktstelle
Das Land Baden-Württemberg hat zusammen mit dem Ifa – Institut für Auslandsbeziehungen eine Anlaufstelle für Künstlerinnen und Künstler aus der Ukraine sowie baden-württembergische Kultureinrichtungen eingerichtet. Wer etwas anbieten möchte oder ukrainische Künstlerinnen und Künstler unterstützen möchte, kann sich dorthin wenden. Telefon: 07 11 / 22 25 - 2 00, Mail: kultur-ukraine@ifa.de, www.ifa.de/foerderungen/kulturhilfe-ukraine/

New Normal Festival
2. bis 4. September, ab 20 Uhr, Kunstverein Wagenhalle, Innerer Nordbahnhof 1, Stuttgart,https://newnormal2022.de/

Weil er zu Hause derzeit nicht arbeiten kann, hält sich der junge ukrainische Medienkünstler Oleksandr Sirous gerade in Frankfurt am Main auf. Er hat ein dreimonatiges Stipendium der Kunstplattform Basis erhalten. Als Gastkünstler lebt und arbeitet der in Charkiw geborene 26-Jährige nun dort und spricht etwa bei offenen Veranstaltungen über seine Arbeit.

Zuvor war er im belgischen Antwerpen, davor in Berlin, erzählt er am Telefon. Im September kommt er nach Stuttgart, um beim

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper