Ukraine

Zur Ukraine übergelaufen: Wagner-Söldner exekutieren Ex-Kameraden auf brutale Weise

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Die sogenannten Wagner-Söldner haben einen übergelaufenen Ex-Kameraden hingerichtet. © IMAGO IMAGES/SNA

Weil er auf die ukrainische Seite übergelaufen war, haben die russischen Wagner-Söldner einen ehemaligen Kameraden hingerichtet. Die Exekution ist in seiner brutalen Form verstörend, doch es gibt Zweifel an dem genauen Hergang.

n russischen Telegram-Kanälen und sozialen Netzwerken kursiert derzeit ein Video, das die Exekution eines ehemaligen Mitglieds der russischen Wagner-Armee zeigt. Auf der Aufnahme ist ein Mann zu sehen, dessen Kopf an einen Stapel aus Ziegeln und Beton befestigt ist. Er stellt sich zunächst auf Russisch mit Namen und Geburtsjahr vor. Dann erklärt er, dass er an die Front gegangen ist, um auf die ukrainische Seite überzulaufen, was ihm Anfang September gelungen sei.

Im November habe er in Kiew auf offener Straße „einen Schlag auf den Kopf“ bekommen. Er habe das Bewusstsein verloren und sei nun in einem Keller aufgewacht, wo man ihm gesagt habe, dass man ihn verurteilen werde. Danach schlägt ein uniformierter Unbekannter dem Mann von hinten mit einem Vorschlaghammer auf den Kopf. Als dessen Körper zu Boden fällt, schlägt der Uniformierte weiter auf den Mann ein.

Wurde der Ex-Söldner eingetauscht?

Laut Recherchen des „Spiegel“ soll es sich bei dem getöteten Mann tatsächlich um ein ehemaliges Mitglied der russischen Wagner-Söldnertruppe handeln. Zu dem Video gibt es demnach einen Text, in dem der Exekutierte „ein Verräter“ genannt wird, der die „traditionelle Wagner-eigene Bestrafung“ erhalten habe. Doch besonders an einer Aussage, die in dem Video gemacht wird, gibt es Zweifel.

Experten, wie die russische Menschenrechtsorganisation Gulagu.net, glauben nicht, dass das ehemalige Wagner-Mitglied nach einem „Schlag auf den Kopf“ aus Kiew zurück nach Russland gebracht wurde. Zum einen sei es überaus fraglich, wie sich der Russe frei in der ukrainischen Hauptstadt bewegen konnte. Zum anderen glauben Beobachter nicht, dass sich die Wagner-Gruppe bei der derzeitigen Lage im Ukraine-Krieg ungefährdet in Kiew aufhalten könnte.

Viel wahrscheinlicher sei es, dass die ukrainischen Behörden den Übergelaufenen gegen mehrere eigene Soldaten eingetauscht haben. Laut „Spiegel“ habe die Führung in Kiew am 11. November die Rückkehr von 45 ukrainischen Soldaten vermeldet, im Gegenzug sollen auch Wagner-Mitglieder zurück nach Russland gebracht worden sein. Dies decke sich mit den Angaben des Gefangenen in dem Video.

Wagner-Finanzier spottet, Hinterbliebene trauern

Der Finanzier und Gründer der Wagner-Gruppe, Yevgeny Prigoschin, kommentierte unterdessen auf Telegram: „Was den Hingerichteten betrifft, so geht aus diesem Video klar hervor, dass er in der Ukraine kein Glück gefunden hat, sondern böse, aber faire Menschen getroffen hat. Ich denke, dieser Film sollte heißen ‚Ein Hund verdient den Tod eines Hundes.‘“

Das berichtet die „Frankfurter Rundschau“ und beruft sich dabei auf Angaben der ukrainischen „Pravda“. Demnach endet Prigoschins Kommentar mit den Worten „Ich hoffe, dass während der Dreharbeiten keine Tiere verletzt wurden.“

Nach Angaben der britischen Tageszeitung „The Guardian“ reagierte die Familie des Exekutierten entsetzt auf die Aufnahmen. „Unsere ganze Familie war in Tränen aufgelöst, als sie das Video sah … er wurde wie ein Tier ermordet“, erklärte der Sohn des Getöteten.

Sein Vater sei zunächst in einer Strafkolonie gewesen, da er im Jahr 1999 einen Mord begangen habe. Ein Gericht habe ihn damals zu 24 Jahren Haft verurteilt. Da er sich für die Wagner-Gruppe meldete, sei er im Juli vorzeitig aus der Haft entlassen worden.