Klimaschutz

Umweltorganisationen fordern Aus für Kurzstreckenflüge

Flugverkehr
Allein der innerdeutsche Flugverkehr ist jährlich für etwa zwei Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Foto: Robert Michael/dpa/Symbolbild © Robert Michael

Berlin (dpa) - Mehrere Umweltschutzorganisationen fordern ein sofortiges Aus für alle innerdeutschen Kurzstreckenflüge bis zu einer Entfernung von 600 Kilometern.

So könnten jährlich mehr als eine Million Tonnen Kohlenstoffdioxid gespart und das Klima stärker geschützt werden, argumentieren die Organisationen in einem veröffentlichten Forderungspapier, das sich explizit an die Ampel-Verhandlungspartner SPD, Grüne und FDP richtet.

«Die Hälfte aller innerdeutschen Flüge kann bereits jetzt durch eine Bahnfahrt von maximal vier Stunden ersetzt und dadurch jährlich 1,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden», sagte Werner Reh vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Auch die Umweltorganisation Robin Wood, die Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BVF) und regionale Organisationen sind an dem Papier beteiligt.

Es sei «völlig unverständlich, warum Ultrakurzstreckenflüge in Zeiten der Klimakrise überhaupt noch erlaubt» seien, erklärte Reh weiter. Gemeint sind Flüge bis zu einer Entfernung von 600 Kilometern. Laut Papier sollte jeder Flug, dessen Ziel «innerhalb von vier Stunden mit dem ICE erreichbar» wäre, abgeschafft werden. Im nächsten Schritt fordern die Organisationen, dass auch Kurzstreckenflüge bis 1500 Kilometer «überflüssig gemacht» werden.

Allein der innerdeutsche Flugverkehr ist jährlich für etwa zwei Millionen Tonnen CO2 verantwortlich. Nicht einberechnet sind Flüge, die in Deutschland starten und ins Ausland gehen. Die tatsächliche klimaschädliche Wirkung des Luftverkehrs ist Experten zufolge aber etwa dreimal so hoch wie die Wirkung der CO2-Emissionen alleine. Das liegt an zusätzlichen Effekten und Emissionen wie etwa dem Ausstoß von Stickoxiden, der ebenfalls zur Erderwärmung beitragen kann.

Die Unterzeichner mahnen eine deutliche Verlagerung des Flugverkehrs hin zum Schienenverkehr und ein Ende der staatlichen Subventionen für Flughäfen an. Die künftige Bundesregierung müsse die Weichen für einen attraktiveren und günstigeren Bahnverkehr stellen.

Widerspruch kam vom Flughafenverband ADV. Das Verlagerungspotenzial von der Luft auf die Schiene sei «nicht endlos», sagte Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel der Deutschen Presse-Agentur. Das Bahnnetz und die Taktfrequenz der Züge müssten dafür deutlich erhöht werden. Selbst wenn dies gelänge, bliebe «der innerdeutsche Luftverkehr eine wichtige Säule im deutschen Mobilitätssystem». Tagesdienstreisen seien oft nur mit dem Flugzeug umsetzbar.

Darüber hinaus verweist der ADV-Chef darauf, dass «ein gutes Drittel der Fluggäste» den innerdeutschen Flugverkehr nutze, um auf einen internationalen Flug umzusteigen. «Einseitige Begrenzungen würden den Luftverkehrsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb schwächen - dem Klima würde dies nichts bringen», sagte Beisel. Ein Verbot von innerdeutschen Flügen würde aus seiner Sicht die Emissionen durch «zusätzliche Umwege» sogar noch erhöhen.

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