VfB Stuttgart

Union Berlin besiegelt den nächsten VfB-Absturz

VfB-Abstieg in Berlin_0
Mit dem erlösenden Schlusspfiff stürmten die Fans des 1. FC Union Berlin den Platz und starteten die große Aufstiegsparty, völlig enttäuscht flüchteten die Profis des VfB Stuttgart vom Rasen. © ZVW/Danny Galm

Berlin. Der VfB Stuttgart kam am Montagabend im entscheidenden Relegationsspiel gegen den Zweitligisten Union Berlin nicht über ein 0:0 (0:0) hinaus und muss so zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren in die 2. Liga absteigen. Den Grundstein für ihren Triumph hatten die Berliner mit dem 2:2 im Hinspiel in Stuttgart gelegt. Und während die „Eisernen“ vor heimische Publikum den ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte feiern durften, müssen die Schwaben zum dritten Mal nach 1975 und 2016 den schweren Gang in die Zweitklassigkeit antreten.


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Im Berliner „Hexenkessel“ hatte VfB-Trainer Nico Willig seine Mannschaft im Vergleich zum 2:2 im Hinspiel auf vier Positionen verändert: Holger Badstuber, Dennis Aogo, Santiago Ascacibar und Steven Zuber rückten für Marc Oliver Kempf (wegen Knieproblemen nicht im Kader), Emiliano Insua, Gonzalo Castro und Daniel Didavi (alle Bank) in die Stuttgarter Anfangsformation. Union-Coach Urs Fischer nahm lediglich zwei Änderungen an seiner Startelf vor: Anstelle von Kapitän Christopher Trimmel (Gelbsperre) und Michael Parensen (Bank) durften Julian Ryerson und Florian Hübner von Beginn an ran.

Aogos direkt verwandelter Freistoß zählt nicht

Angetrieben von den rund 2500 mitgereisten VfB-Fans standen die Stuttgarter vom Anpfiff weg auf dem Gaspedal. In der ersten Viertelstunde entwickelte die VfB-Offensive gefühlt mehr Torgefahr als in den vorausgegangenen 35 Pflichtspielen zusammen. Nach der ersten dicken Chance durch Innenverteidiger Kabak - Union-Schlussmann Gikiewicz war auf dem Posten (3.) - brachte Dennis Aogo mit einem direkt verwandelten Freistoß die Alte Försterei zum Schweigen (9.). Doch die Stille und der Jubel der VfB-Fans währten nur kurz. Der Grund: Schiedsrichter Christian Dingert. 

Der nahm den Treffer korrekterweise nach dem Studium der Videobilder wieder zurück. VfB-Stürmer Nicolas Gonzalez war im Abseits und im Sichtfeld von Berlins Keeper gestanden. Der anschließenden Jubel der Union-Anhänger brachte die Tribüne zum Beben. Die Stimmung nach nicht einmal zehn gespielten Minuten auf dem Siedepunkt - und der VfB weiter auf Betriebstemperatur.

Doch dann gab es auch für die Schwaben ein kurze Schrecksekunde: Die beiden Innenverteidiger Holger Badstuber und Ozan Kabak rauschten nach einem Kopfballduell mit Sebastian Andersson mit den Köpfen aneinander (20.). Während Routinier Badstuber schnell wieder auf den Beinen stand, musste der junge Türke minutenlang auf dem Rasen behandelt werden. Schließlich konnten beide Abwehrspieler mit einem Kopfverband weiter spielen. 

Der VfB hat mehr vom Spiel - belohnt sich aber nicht

Kurz vor dem Halbzeitpfiff musste sich Rafael Gikiewicz im Union-Tor noch einmal strecken und einen strammen Zuber-Schuss zur Ecke abwehren (44.). Die Stuttgarter hatten im ersten Durchgang deutlich mehr vom Spiel (6:1 Torschüsse, 62 Prozent Ballbesitz), belohnten sich aber nicht für ihren Aufwand. Die Hausherren hingegen waren mit wackeligen Knien auf den Platz gekommen, bissen sich dann aber in die Partie und warfen sich leidenschaftlich in jeden Zweikampf. Torlos ging es in die Halbzeitpause. Die „Eisernen“ waren zu diesem Zeitpunkt nur noch 45 Minuten vom ersten Bundesliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte entfernt.

Für den zweiten Durchgang brachte VfB-Coach Willig wie schon im Hinspiel mit Mario Gomez einen frischen Stürmer. Der Altmeister kam für den jungen Nicolas Gonzalez in die Partie. Die Schwaben kontrollierten auch in Hälfte zwei das Spielgeschehen, Union verlegte sich mit dem Hinspielergebnis im Rücken aufs Kontern. Je länger die Partie andauerte, umso umkämpfter wurden die Zweikämpfe und umso lauter wurde das Stadion. Jede Grätsche wurde frenetisch bejubelt, jeder Befreiungsschlag gefeiert wie ein Tor. 

Stuttgart im Glück: Union trifft zweimal den Pfosten

Dem VfB drohte jetzt so langsam aber sicher die Zeit davonzulaufen und nach einer Stunde kam für Anastasios Donis der angeschlagene Stuttgarter Spielmacher Daniel Didavi ins Spiel. Und auf einmal hatten die Berliner aus dem Nichts gleich zweimal die große Chance auf das Führungstor: Aus 16 Metern zog Suleiman Abdullahi ab und der Ball klatschte an den rechten Torpfosten (64.). Und keine zwei Minuten später landete der Ball direkt noch einmal am Stuttgarter Pfosten! Wieder war es Abdullahi, der im letzten Moment aber noch entscheidend von Holger Badstuber gestört werden konnte. 

In der Schlussphase entwickelte sich jetzt ein offener Schlagabtausch - und Union Berlin konnte das Spielgeschehen immer häufiger vor das Tor von VfB-Keeper Ron-Robert Zieler verlagern. Dem VfB fehlten in dieser entscheidenden Phase im Offensivspiel Struktur und Ideen. Mit dem Mut der Verzweiflung warf der VfB in den letzten Minuten alles nach vorne, um doch noch irgendwie ein Tor zu erzielen. 

Die beste VfB-Chance hatte Weltmeister Benjamin Pavard, der mit seinem Volleyschuss am aufmerksamen Berliner Keeper scheiterte (89.). Mehr brachten die Stuttgarter nicht mehr zustande und so besiegelte Union Berlin den nächsten VfB-Absturz in die 2. Liga.


1. FC Union Berlin - VfB Stuttgart 0:0 (0:0)

Berlin: Gikiewicz - Ryerson, Friedrich, Hübner, Reichel - Schmiedebach - Prömel, Zulj (90. Parensen) - Abdullahi (82. Gogia), Hartel (65. Mees) - Andersson

Stuttgart: Zieler - Pavard, Kabak, Badstuber, Aogo - Ascacibar, Gentner - Akolo, Zuber (68. Castro), Gonzalez (46. Gomez) - Donis (60. Didavi)

Tore: -

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)

Zuschauer: 22.012 (ausverkauft)

Gelbe Karten: Schmiedebach (51.), Friedrich (90.+1) / Gentner (72.)