VfB Stuttgart

Verteilerschlüssel wird angepasst: Wie die TV-Gelder ab der Saison 2021/22 verteilt werden

TV-Geld
Die Clubs wollen erfahren, mit welchen Beträgen aus der TV-Vermarktung sie in den kommenden vier Jahren ungefähr rechnen können. Foto: Sven Hoppe/dpa-Pool/dpa © Sven Hoppe

Der Verteilerschlüssel der TV-Gelder für die 36 Clubs der 1. und 2. Liga wird sich ab der Saison 2021/22 verändern. Künftig soll auch das öffentliche Interesse an einem Verein stärker gewichtet werden. Traditionsvereine wie der HSV und der VfB Stuttgart könnten davon profitieren.

Bei der Neuregelung des Verteilerschlüssels der rund fünf Milliarden Euro an Vermarktungs-Einnahmen wolle die Deutsche Fußball Liga in den kommenden beiden Spielzeiten vor allem die Auswirkungen der Corona-Pandemie abfedern, sagte Liga-Geschäftsführer Christian Seifert am Montag in Frankfurt am Main. In den beiden Jahren danach solle dann der Leistungsgedanke, die Nachwuchsförderung und das Interesse an den jeweiligen Clubs etwas stärker gewichtet werden.

National

Aus dem bisherige Vier-Säulen-Modell - Bestand (70 Prozent), Sportliche Nachhaltigkeit (5 Prozent), Nachwuchs (2 Prozent) und Wettbewerb (23 Prozent) - werden für die Verteilung der nationalen Medienerlöse (zwischen 2021/22 und 2024/25 im Schnitt 1,1 Milliarden Euro pro Saison) die Säulen Gleichverteilung, Leistung, Nachwuchs und Interesse. Diese werden folgendermaßen aufgeschlüsselt:

  • Säule 1 („Gleichverteilung“) umfasst 2021/22 und 2022/23 jeweils 53 Prozent der Erlöse, 2023/24 und 2024/25 sind es jeweils 50 Prozent. In der Saison 2021/22 wird der Gesamtbetrag dieser Säule bei 569 Millionen Euro liegen, in der Saison 2024/25 werden es 604 Millionen Euro sein. Dabei erhalten die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga innerhalb der Ligen jeweils denselben Betrag. In der Bundesliga bedeutet das in der kommenden Rechteperiode eine Gleichverteilung von durchschnittlich 460 Millionen Euro pro Spielzeit, in der 2. Bundesliga sind es etwa 128 Millionen Euro.
  • Säule 2 („Leistung“) umfasst 42 Prozent (2021/22 und 2022/23) beziehungsweise 43 Prozent (2023/24 und 2024/25) der Erlöse. Dabei gibt es sowohl für die Clubs der Bundesliga als auch für die Clubs der 2. Bundesliga eine getrennte Fünf-Jahres-Wertung, bei der wie gehabt die vergangenen fünf Spielzeiten gewertet werden. 
  • Säule 3 („Nachwuchs“) umfasst 3 Prozent (2021/22 und 2022/23) beziehungsweise 4 Prozent (2023/24 und 2024/25) der Erlöse und gliedert sich in zwei Bereiche: Zwei Drittel entfallen auf Einsatzminuten für junge Talente. Die Verteilung dieses Anteils erfolgt proportional zu den Einsatzminuten in Deutschland verbandsausgebildeter U23-Spieler im Local-Player-Status in der jeweils aktuellen Saison. Das weitere Drittel entfällt auf die Ausbildung der eingesetzten jungen Spieler. Der betrachtete Zeitraum beginnt mit der Spielzeit des 12. Lebensjahres.
  • Säule 4 („Interesse“) umfasst 2 Prozent (2021/22 und 2022/23) beziehungsweise 3 Prozent (2023/24 und 2024/25) der Erlöse, die proportional gemäß dem Interesse an den Clubs auf Basis der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse (AWA) verteilt werden. Die AWA fragt hierfür das Interesse an den Clubs der Bundesliga und der 2. Bundesliga (und der 3. Liga, um Aufsteiger in die 2. Bundesliga in der Wertung berücksichtigen zu können) unter der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahren mittels einer repräsentativen Stichprobe auf Basis von rund 23.000 befragten Personen ab. Die Ausschüttung der entsprechenden Erlöse erfolgt gesamthaft nach Ablauf einer Spielzeit. Die Verteilung erfolgt anhand des Gesamtinteresses am jeweiligen Club.

International

Im Bereich der internationalen Erlöse (2021/22 nach aktuellem Stand voraussichtlich etwa 180 Millionen Euro) gelten bei der neuen Verteilungssystematik ebenfalls die Prämissen Stabilität und Solidarität. Auch hier steigt der Anteil der Gleichverteilung: 35 Prozent der Erlöse werden künftig als Sockelbetrag gleichmäßig an alle 18 Clubs der Bundesliga ausgeschüttet.

Weitere 50 Prozent werden anhand einer Fünf-Jahres-Wertung mit Blick auf das internationale Abschneiden ausgekehrt. Dabei erfolgt die Verteilung proportional zu den in dieser Wertung erzielten Punkten. Verzichtet wird bei dieser Säule künftig auf Boni für teilnehmende Clubs nach Erreichen späterer Runden der internationalen Club-Wettbewerbe. Die weiteren 15 Prozent werden für die Teilnahme an UEFA-Clubwettbewerben in den vergangenen zehn Jahren ausgeschüttet.

Bevor die Clubs der Bundesliga zum Zuge kommen, wird die 2. Bundesliga in den kommenden vier Jahren mit einem festen Satz an den internationalen Erlösen beteiligt: 2021/22 und 2022/23 mit jeweils 4 Prozent, 2023/24 und 2024/25 mit jeweils 3 Prozent. Dieser Verlauf berücksichtigt vor allem die kurzfristig aus der Corona-Pandemie resultierenden Effekte. Erst nach Abzug dieses Anteils erfolgt die Ausschüttung an die Bundesliga-Clubs nach den dargelegten Kriterien.

Ausblick

DFL-Geschäftsführer Seifert rechnet angesichts der Corona-Krise mit massiven Verlusten für die Clubs. Einschließlich der vergangenen Saison werden die Vereine bis zur Spielzeit 2021/22 etwa zwei Milliarden Umsatzverlust machen, wie Seifert sagte. "Letzte Saison war bestenfalls ein laues Lüftchen, jetzt aber kommt der Sturm." Seifert erklärte weiter: "In dieser Saison müssen wir nahezu mit einem Gesamtausfall der Zuschauereinnahmen rechnen." Das entspreche einem Verlust von 650 Millionen Euro.

Derzeit finden nur Geisterspiele ohne Zuschauer statt. Der Einbruch auf dem Transfermarkt werde zwischen 250 bis 300 Millionen Euro betragen, sagte Seifert weiter. Der Umsatzverlust für die Saison 2020/2021 liege damit etwa bei einer Milliarde Euro. Seifert mahnte die Clubs, die Spielergehälter in der Corona-Krise zu senken. "Der ein oder andere Club wird auch weiter an seiner Kostenbasis arbeiten müssen. Ich habe jetzt die Bilanz gesehen", sagte Seifert und kritisierte: "Einige Clubs haben zu wenig an der Front der Spielergehälter gemacht."