VfB Stuttgart

VfB-Kapitän Gonzalo Castro vor seinem 400. Bundesliga-Spiel: „Das hätte ich mir am Anfang meiner Karriere nicht träumen lassen“

Fußball Bundesliga  SC Freiburg vs. VfB Stuttgart
Am Samstag im Auswärtsspiel beim SC Freiburg absolvierte Gonzalo Castro sein 399. Bundesliga-Spiel. Hier sind Vincenzo Grifo (li.) und Nicolas Höfler (re.) dem Edeltechniker auf den Fersen. © Pressefoto Baumann

Am Freitag (29.01.) im Auswärtsspiel beim FSV Mainz 05 könnte Gonzalo Castro eine ganz besondere Marke reißen: Der Kapitän des VfB Stuttgart steht aktuell bei beeindruckenden 399 Bundesliga-Spielen. Legenden der Liga wie Jürgen Kohler (398), Jens Lehmann (394) oder Mehmet Scholl (392) hat der Mittelfeldspieler damit schon hinter sich gelassen. Und ans Karriereende denkt der 33-Jährige noch lange nicht: „Mein Körper sagt im Moment, dass es ganz gut läuft, dass ich auf jeden Fall noch ein Jahr weitermachen will.“

Vertragsgespräche mit Sven Mislintat stehen an

Ob der gebürtige Wuppertaler dabei auch weiterhin im Trikot mit dem roten Brustring auflaufen wird, steht noch nicht fest. Sein Vertrag im Schwabenland läuft im Sommer aus, die Gespräche mit VfB-Sportdirektor Sven Mislintat stehen demnächst an. „Wir werden jetzt in ein paar Wochen sprechen - und dann werden wir sehen, wie es nach dem Sommer weitergeht“, sagte Castro, „Ich glaube, ich war noch nie so locker bei der Vertragsverhandlung wie jetzt.“

Von den aktiven Profis haben aktuell nur Unions-Mittelfeldmann und Ex-VfB-Kapitän Christian Gentner (416) sowie Bayern-Keeper Manuel Neuer (423) mehr Bundesliga-Spiele auf dem Buckel. Für den gelernten Sport- und Fitness-Kaufmann eine große Ehre: „Das hätte ich mir am Anfang meiner Karriere nicht träumen lassen.“ Wie schafft man es überhaupt, über 15 Jahre lang auf höchstem Niveau zu kicken? Der Körper müsse die Belastung mitmachen, die Familie einem Rückhalt geben und auch eine gehörige Portion Glück gehöre dazu, so Castro.

Den Großteil (286) seiner bald 400 Duelle in der deutschen Eliteklasse absolvierte der 1,72 Meter große Profi für Bayer 04 Leverkusen. Im Alter von 12 Jahren holte ihn der damalige Manager der Werkself, Michael Reschke, unters Bayerkreuz. „Ich musste seiner Mutter zusichern, dass er Trainingsverbot bekommt, wenn seine schulischen Leistungen nachlassen“, berichtete Reschke nun der dpa. 2018 lotste Reschke den technisch versierten Rechtsfuß schließlich zum VfB. „Er war in Stuttgart nicht immer unumstritten“, sagte Reschke. „Umso mehr freut es mich, dass er noch mal so aufblüht. Spielertypen wie ihn gibt es nicht mehr viele.“

„Ich hätte gerne noch ein paar Jahre in Spanien gespielt“

Zwischen den Jahren in Leverkusen und der aktuellen Station beim VfB spielte Castro noch drei Jahre (2015 bis 2018) für Borussia Dortmund. Nach seiner Zeit in Leverkusen (2005 bis 2015) wäre der Mittelfeldspieler fast im Heimatland seiner Eltern gelandet. „Ich hätte gerne noch ein paar Jahre in Spanien gespielt. Aber es hat vom Zeitpunkt her nicht gepasst“, sagte Castro am Dienstag (26.01.) in einem Mediengespräch anlässlich seines bevorstehenden Jubiläums. „Es waren zwei, drei Clubs. Das Interesse war da, hat mich auch sehr gefreut - aber das Risiko wollte ich nicht eingehen.“ Auch die Auswirkungen der Finanzkrise und die wirtschaftlich schlechte Situation der spanischen Clubs standen einem Transfer letztlich im Weg.

Was Gonzalo Castro seinen jungen Mitspielern rät

In seiner Karriere hat Castro mit zahlreichen Trainer-Unikaten zusammengearbeitet. In seiner Anfangszeit in Leverkusen war es Klaus Augenthaler („Er hat mir das Vertrauen geschenkt“) und später Jupp Heynckes („Einer der größten Trainer, die ich je erleben durfte.“). Auch unter Thomas Tuchel beim BVB habe er „taktisch noch einmal enorm viel dazugelernt“.

Und sein aktueller Trainer beim VfB? „Matarazzo ist für Gonzo Gold wert“, sagt sein einstiger Mentor Michael Reschke. „Die Beziehung zum Trainer war für Gonzo schon immer sehr wichtig. Er hat überragendes Spielverständnis, braucht auf dem Feld seine Freiheiten, schwimmt zwischen den Linien. Du darfst ihn nicht in ein taktisches Korsett pressen.“ Mit dem analytischen Pellegrino Matarazzo kommt der ruhige Castro bestens aus. Im Sommer bekam der Routinier sogar die Kapitänsbinde überreicht. Seitdem führt er als „Vater der Kompanie“ die junge Mannschaft der Schwaben. Den Talenten steht Castro dabei mit all seiner Erfahrung zur Seite: „Mein Rat ist einfach: hart arbeiten. Das hat mir geholfen, in meiner Karriere so lange auf hohem Niveau zu spielen.“

Top Ten: Wer hat die meisten Bundesliga-Einsätze?

  1. Karl-Heinz Körbel (602)
  2. Manfred Kaltz (581)
  3. Oliver Kahn (557)
  4. Klaus Fichtel (552)
  5. Miroslav Votava (546)
  6. Klaus Fischer (535)
  7. Eike Immel (534)
  8. Willi Neuberger (520)
  9. Michael Lameck (518)
  10. Uli Stein (512)