VfB Stuttgart

VfB schlägt kein Kapital aus starker Anfangsphase

VfB gegen BVB - Emiliano Insua_0
Was den Roten auch in Dortmund wieder abging, waren Ideen und Durchschlagskraft im Offensivspiel. © ZVW/Danny Galm

Dortmund.
VfB-Trainer Tayfun Korkut war heiser und auch etwas angesäuert, als er auf der Pressekonferenz nach der 0:3-Niederlage in Dortmund über die vorangegangenen 90 Minuten sprach. Im grauen Anzug hatte der 43-Jährige seine Mannschaft in der brütenden Sonne lautstark gecoacht - allerdings ohne Erfolg.

Nach acht Spielen ohne Niederlage ging seine Mannschaft gegen den BVB erstmals in seiner Amtszeit als Verlierer vom Platz, und das obwohl der Aufsteiger die Partie im ausverkauften Dortmunder Stadion in den ersten 30 Minuten dominiert hatte.

Warum der VfB Stuttgart gegen die Borussen seine höchste Saisonniederlage kassierte, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

VfB-Trainer Tayfun Korkut nahm an seiner Anfangsformation im Vergleich zum 1:1 gegen den HSV in der Vorwoche nur eine Änderung vor: Rechtsverteidiger Andreas Beck kehrte nach seiner Gelbsperre zurück in die Startelf. Das hatte zur Folge, dass Benjamin Pavard wieder in die Innenverteidigung rückte und dort an der Seite von Holger Badstuber verteidigte. 

In den restlichen Mannschaftsteilen lautete die Devise: „Never change a winning Team“: Im Zentrum vor der Abwehr vertraute Korkut auf das Duo Santiago Ascacibar/Dennis Aogo. Erik Thommy kam über rechts, Kapitän Christian Gentner agierte auf dem linken Flügel und im Sturm begannen Daniel Ginczek und Mario Gomez.

Spielidee und Taktik

Im sonnendurchfluteten Signal Iduna Park begannen die Schwaben hellwach und aggressiv. Früh störten die Stuttgarter die Schwarz-Gelben und eroberten sich immer wieder die zweiten Bälle.

Die Hausherren kamen nur schwer ins Spiel und hatten mit der robusten Spielweise des VfB große Probleme. Der VfB zwang den BVB durch sein hohes Pressing immer wieder zu Fehlern im Spielaufbau und so dominierten die Schwaben die Anfangsphase der Partie.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hatte vor dem Spiel noch vor dem Aufsteiger („Eines der Teams der Stunde“) gewarnt: „Unsere Mannschaft wird ihre fußballerische Qualität und ihre Physis einbringen müssen, um diesen Gegner in die Knie zu zwingen.“ 

Die Gastgeber wollten vor aber allen Dingen Wiedergutmachung für das 0:6-Debakel in München und setzten auf ihre schnellen Außenbahnspieler Reus und Pulisic. Sie sollten ihren Torjäger Michy Batshuayi in Position bringen. 

Spielentscheider

Der Schlüssel zum Sieg war die Spielkontrolle, welche die Stuttgarter nach rund 30 Minuten aus der Hand gaben. Nach einer starken Anfangsphase baute der VfB ab und Dortmund fand langsam ins Spiel.

Kurz vor der Halbzeit geriet die Korkut-Elf unglücklich in Rückstand (38.). Aus der Pause kam der Aufsteiger dann zu schläfrig und fing sich direkt in den ersten 15 Minuten der zweiten Hälfte zwei Gegentore. Danach war die Partie gelaufen. Der BVB hatte leichtes Spiel und VfB-Keeper Zieler verhinderte eine noch höhere Pleite.

Was den Roten auch in Dortmund wieder abging, waren Ideen und Durchschlagskraft im Offensivspiel. Aus ihrer starken Anfangsphasen konnten Ginczek und Co. kein Kapital schlagen. Der Aufsteiger war mal wieder zu harmlos. Eine richtige Parade musste BVB-Keeper Roman Bürki an diesem sonnigen Nachmittag nicht zeigen. 

Auf den Punkt gebracht

„Die ersten 30 Minuten waren schlecht, mit den restlichen 60 Minuten bin ich dagegen ganz zufrieden“, resümierte BVB-Trainer Peter Stöger nach dem Spiel. Stuttgarts Cheftrainer Tayfun Korkut sprach von einer „sehr guten ersten Hälfte“ seiner Mannschaft. „Letztendlich haben wir aber zu wenig daraus gemacht.“

Die erste Niederlage seiner Amtszeit wollte Korkut genauso wenig überbewerten, wie die vorangegangene Erfolgsserie. Nach dem zweiten und dritten Gegentor sei es gegen eine „Topmannschaft wie Borussia Dortmund“ extrem schwierig gewesen, zurück ins Spiel zu kommen. „Der Gegner ist ja auch nicht mit schlechten Spielern bestückt", bemerkte Korkut.

„In den ersten 25 Minuten hat man noch den Rucksack auf unserem Rücken gesehen, den das 0:6 ausgelöst hat“, erklärte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc bei Sky die schwache Anfangsphase des BVB. „Mit dem glücklichen Tor von Christian Pulisic wurde es besser. In der zweiten Halbzeit haben wir dann wieder die normalen Abläufe gehabt und dann auch verdient gewonnen.“

VfB-Abwehrspieler Andreas Beck bemängelte zudem die fehlende Torgefahr bei Stuttgarter Standards: „Wir haben aus vielen Freistößen und Eckbällen zu wenig Kapital geschlagen und sind insgesamt mit den Möglichkeiten ein wenig nachlässig umgegangen.“

Stürmer Daniel Ginczek, der erstmals an seiner alten Wirkungsstätte auflief, verwies noch auch auf das fehlende Spielglück: „Vorher haben wir viele Spiele gewonnen, wo auch das nötige Quäntchen Glück dabei war, das hat heute gefehlt.“

Ausblick

Für den BVB steht am nächsten Samstag das Revierderby gegen den FC Schalke 04 auf dem Programm (Sonntag/15.30 Uhr). Der VfB Stuttgart trifft am nächsten Samstag auf Mitaufsteiger Hannover 96. Anpfiff in der Mercedes-Benz Arena ist um 15.30 Uhr. 


Borussia Dortmund - VfB Stuttgart 3:0 (1:0)

Dortmund: Bürki - Piszczek, Sokratis, Toprak, Schmelzer (63. Toljan) - Sahin, Dahoud, - Pulisic, Reus (87. S. Gomez), Philipp (79. Sancho) - Batshuayi

Bank: Weidenfeller (Tor), Toljan, Castro, Götze, Yarmolenko

Trainer: Peter Stöger

Stuttgart: Zieler - Insua, Badstuber, Pavard, Beck - Aogo (68. Özcan), Ascacibar (88. Mangala) - Thommy (57. Bruun Larsen), Gentner - Ginczek, M. Gomez

Ersatzbank: Grahl (Tor), Akolo, Kaminski, Donis

Trainer: Tayfun Korkut

Tore: 1:0 Pulisic (38.), 2:0 Batshuayi (48.), Philipp (59.)

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

Zuschauer: 81.360 (ausverkauft)