VfB Stuttgart

VfB-Sieg in Bielefeld: Die Mischung macht's

VfB Stuttgart gegen Dynamo Dresden, 02.04.2017_0
Der VfB Stuttgart ist wieder Tabellenführer und hat vor den punktgleichen Verfolgern Eintracht Braunschweig und Union Berlin (alle 50 Zähler) die beste Ausgangssituation aller Aufstiegskandidaten. © Danny Galm
Bielefeld/Stuttgart.

Das Beste kommt ja bekanntlich immer zum Schluss, werden sich die VfB-Fans denken. Nicht das Niedersachsen-Derby zwischen Hannover und Braunschweig oder das Heimspiel von Union Berlin gegen Kaiserslautern bildeten den Abschluss des 29. Spieltages, sondern mal wieder eine Partie mit Beteiligung des VfB Stuttgart. Bereits zum 7. Mal in dieser Saison mussten die Schwaben an einem Montagabend ran. Und holten sich zum fünften Mal einen Sieg.

Spektakel auf der Bielefelder Alm

Flutlicht, Schmuddelwetter, Bielefeld. Die äußeren Bedingen waren mau an diesem Ostermontag auf der Bielefelder Alm. Dennoch boten die 22 Kicker auf dem tiefen Rasen den 22.034 Zuschauern beim 3:2-Sieg des VfB ein wahres Spektakel.

„Es war spektakulär“, fasste VfB-Coach Hannes Wolf die verrückte Partie in der Schüco-Arena knapp, aber treffend zusammen. Spektakulär waren auch die Stuttgarter Tore gegen die Arminia. Den Anfang machte Alexandru Maxim mit seinem Treffer zum 1:1 in der 51. Minute: DSC-Keeper Daniel Davari hatte vor Simon Terodde im Stile eines Manuel Neuer gerettet, merkte dann aber, dass er gar nicht der Welttorhüter ist und passte den gerade abgelaufenen Ball vor lauter Schreck direkt in die Füße von Edeltechniker Maxim. Der Rumäne nahm Maß und setzte den Ball gekonnt aus rund 35 Metern ins verwaiste Bielefelder Tor.

DSC-Keeper Davari: "Ich muss den Ball einfach klären"

"Im Augenwinkel habe ich noch einen Spieler von uns gesehen, aber da war gar keiner. Ich muss den Ball einfach klären", versuchte Davari seinen Bock später am Sky-Mikrofon zu erklären. "Als Torwart ist man da natürlich immer der letzte Depp, weil man die entscheidenden Fehler macht."

Mindestens genauso schön war auch Simon Teroddes Treffer zum zwischenzeitlichen 2:1 keine drei Minuten später: Mit Energie, etwas Glück und ganz viel Geschick tankte sich der 29-Jährige durch die Bielefelder Abwehr und überlupfte clever den heranstürmenden Davari. In ähnlicher Art und Weise erzielte Terodde auch den späten Stuttgarter Siegtreffer in der 89. Minute. 


Terodde trifft und trifft und trifft. Der Siegtreffer auf der Bielefelder Alm war bereits Teroddes 19. Saisontor und gleichzeitig sein insgesamt 8. Treffer gegen die Ostwestfalen. Schon im Hinspiel beim 3:1-Sieg des VfB hatte Stuttgarts Topscorer alle drei Treffer erzielt. Simon Terodde, die Lebensversicherung des VfB Stuttgart.

 

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„Der Treffer von Simon kurz vor Ende war sehr wichtig und ein schöner Moment. Seine Tore sind unglaublich wichtig für uns“, erklärte Hannes Wolf im Nachgang. „Wir wussten von der individuellen Klasse der Stuttgarter“, sagte Bielefelds Innenverteidiger Julian Börner. „Simon Terodde hat diese Fähigkeiten bei den Stuttgarter Toren zwei und drei eindrucksvoll unter Beweis gestellt.“

Unbändiger Wille und die Fähigkeit zu kämpfen

Doch nicht nur die individuelle Klasse der einzelnen Akteure bescherte den Schwaben in Bielefeld ihren 17. Saisonsieg, sondern auch ihr unbändiger Wille und die Fähigkeit zu leiden und zu kämpfen. „Wir haben eine unfassbare Mentalität gezeigt“, so Toptorjäger Simon Terodde nach der Partie. 

Retteten sich die Schwaben mit Willen, Einsatz und Leidenschaft gegen Dresden (3:3) und München (1:1) in der Nachspielzeit noch je einen Zähler, so reichte es gegen den Tabellenvorletzten aus Bielefeld gar zu wichtigen drei Punkten. Individuelle Klasse gepaart mit Willen und Leidenschaft - die Mischung macht's. „Es war ein wichtiges Signal, dass wir solch ein Spiel dank einer Energieleistung auch mal gewonnen haben“, freute sich VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser.

Saibene: „Wir können trotz der Niederlage stolz auf unsere Leistung sein“

Die Energieleistung war gegen kampfstarke und couragierte Arminen auch von Nöten. Die abstiegsgefährdeten Ostwestfalen verlangten dem Aufstiegsaspiranten alles ab, zeigten eine gute Leistung, standen aber am Ende mit leeren Händen da. „Wir können trotz der Niederlage stolz auf unsere Leistung sein“, betonte Bielefelds Chefcoach Jeff Saibene auf der Pressekonferenz nach dem Spiel.

Während die Bielefelder am nächsten Samstag in Heidenheim ran müssen, geht es für Hannes Wolf und seine Schützlinge erneut unter Flutlicht am Montagabend weiter. 

Top Einschaltqouten für den VfB

Die Fernsehmacher aus München werden sich auf jeden Fall wieder auf den VfB freuen. Im Free-TV sahen 1,05 Mio. Zuschauer die 1. Hälfte und 1,28 Mio. Zuschauer die 2.Halbzeit des Montagabend-Spiels. Für den Privatsender aus München-Ismaning ein absolute Top-Quote.

Zum Vergleich: 1,22 Mio. Zuschauer verfolgten am Osterwochenende die klassische Samstagskonferenz im Pay-TV bei Sky. Das stärkste Einzelspiel fand am Samstagabend statt: 910.000 Menschen sahen Bayer Leverkusen gegen Bayern München. 690.000 Zuschauer schalteten beim Nord-Derby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV ein. Der VfB Stuttgart ist also was die TV-Einschaltquote angeht schon längst wieder erstklassig. Die starken Einschaltquoten sind mit der Grund, warum die Schwaben in dieser Saison bereits zum 7. Mal zur Prime-Time ran durfte/musste. 

Nächsten Montag darf/muss der VfB erneut unter Flutlicht ran. Zuhause geht‘s am kommenden Montag im Spitzenspiel des 30. Spieltags gegen Union Berlin (20:15 Uhr/ZVW-Liveticker). Und auch wenn es wieder nur um drei Punkte geht, so kann der VfB mit einem Sieg gegen die „Eisernen“ doch einen gewaltigen Schritt in Richtung Bundesliga-Rückkehr machen.

Warum wurde Anto Grgic ein- und nach nur 29 Minuten wieder ausgewechselt?

  • Stuttgarts Mittelfeldspieler Anto Grgic hatte am Montagabend nach seiner Auswechslung einen mächtigen Hals. Nach der Pause eingewechselt, musste der Schweizer bereits nach 29 Minuten den Platz schon wieder verlassen. Der Unmut über seine Auswechslung war dem 20-Jährigen buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Der Weg von der Seitenlinie führte an der Ersatzbank vorbei direkt in die Kabine.
  • Doch die Auswechslung hatte einen triftigen Grund: In der 62. Minute hatte Hannes Wolf beim Stand von 2:1 für den VfB mit Matthias Zimmermann einen zweiten defensiven Mittelfeldspieler eingewechselt. Elf Minuten später kassierten die Stuttgarter den Ausgleich. Stuttgarts Cheftrainer musste nochmal reagieren und wollte eine frische Offensivkraft einwechseln. In der Konsequenz brachte er Stürmer Daniel Ginczek für Mittelfeldspieler Anto Grgic.
  • "Die Alternative wäre gewesen, Gentner auszuwechseln. Aber der war voll da und ist unser Kapitän. Es gibt auch Konstellationen, in denen das Sinn macht, aber in diesem Moment wollten wir ihn einfach unbedingt auf dem Platz haben", erklärte Wolf nach Schlusspfiff am Sky-Mikrofon. Für Grgic tue es ihm „total leid. Dass er sich nicht darüber freut, ist klar, das ist auch absolut in Ordnung."