VfB Stuttgart

Analyse nach 0:2 in Berlin: Diese Probleme will VfB-Trainer Matarazzo angehen

Pellegrino Matarazzo
Pellegrino Matarazzo hat das Spiel gegen Hertha BSC Berlin analysiert. Nun will der VfB-Trainer seine Profis vor dem Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg wieder aufbauen. © Danny Galm

Die 0:2-Niederlage bei Hertha BSC Berlin war ein herber Rückschlag für den VfB Stuttgart. Im Kampf um den Klassenverbleib haben die Schwaben bereits vier Zähler Rückstand aufs rettende Ufer. Nach dem teils desolaten Auftritt der VfB-Profis in der Hauptstadt gab es eine intensive Fehleranalyse, um den taumelnden Bundesligisten gegen den VfL Wolfsburg wieder in die Spur zu bringen. Wir erklären, welche Probleme Trainer Pellegrino Matarazzo aufgedeckt hat - und wie er sie angehen will.

Problem 1: Passivität in der Defensive

Der Start in die Partie war sinnbildlich für die gesamte Leistung der Schwaben im Olympiastadion. Zu körperlos, zu verhalten und zu ängstlich agierten Orel Mangala und Co.. "Die Anfangsphase im Defensivverbund war viel zu passiv. Jedes Mal, wo eine Entscheidung anstand und wir hätten mutig attackieren können, sind wir zurückgewichen", analysierte der VfB-Coach auf der Pressekonferenz vor dem Wolfsburg-Spiel.

"Wir haben jedes Mal einen Schritt zurück gemacht." Dadurch habe sich sein Team immer weiter in die eigene Hälfte zurückdrängen lassen. Als Grund dafür machte er auch eine fehlende Abstimmung zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen aus. "Müssen die Jungs anlaufen? Müssen sie Druck machen?" Das sei vielen Spielern auf dem Platz nicht klar gewesen, meint Matarazzo.

Erst nach der Umstellung auf eine Dreierkette haben die Schwaben das Problem besser in den Griff bekommen. Dafür löste der VfB-Coach sogar seine Viererreihe auf, die zuletzt für mehr Stabilität sorgte - "aber ich hatte keine andere Wahl." Gut möglich, dass Matarazzo gegen Wolfsburg wieder auf eine Dreierkette vertraut, um das Anlauf- und Pressingverhalten seiner Spieler zu optimieren.

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Problem 2: Fehlendes Gleichgewicht zwischen Energie und Ruhe

"Wir brauchen eine optimale Balance zwischen Lockerheit und Anspannung, damit wir performen können", erklärt der VfB-Coach. Diese Balance war gegen Hertha nicht vorhanden. "Wir hatten eine sehr gute Trainingswoche. Ich hatte auch das Gefühl, dass die nötige Lockerheit da war." Als sein Team dann am Spieltag auf den Platz kam, zeigte es aber ein ganz anderes Gesicht. Diese Diskreptanz war auch in dieser Trainingswoche Thema bei Matarazzo und seinem Trainerteam.

Auch bei der 2:3-Niederlage Anfang Februar gegen Eintracht Frankfurt, bei der Waldemar Anton kurz vor der Halbzeitpause den viel umjubelten Ausgleich erzielte, kam es zu einem solchen Gefälle. "Es gab eine große Energie in der Kabine. Als die Mannschaft dann rauskam, war da nichts mehr", so der Trainer.

Es gehe jetzt darum, diesen Fehler nicht noch einmal zu machen. Im Klartext: Wenn sich die VfB-Elf übertrieben pusht, muss das auch auf dem Platz zu sehen sein. Es sei deshalb ganz wichtig, gegen Wolfsburg eine "Reaktion zu zeigen".

Problem 3: Schwache Offensive und kaum Torchancen

Seit inzwischen drei Spielen hat der VfB keinen Treffer mehr erzielt. Das letzte Tor, das aus dem Spiel heraus fiel, war der 3:2-Siegtreffer von Tiago Tomas gegen Augsburg vor rund sechs (!) Wochen.

"Unsere Offensive hat in der ersten Halbzeit gar nicht stattgefunden", so die Analyse von Pellegrino Matarazzo. Zu wenige Spieler hätten den Mut gehabt, offensiv zu denken oder nach vorne zu sprinten. "Wir hatten nicht genug Personal, um wirklich torgefährlich werden zu können." Dazu waren meistens fünf oder gar mehr Profis hinter dem Ball, um das eigene Tor abzusichern - "wie willst du da ein Tor schießen?"

Es ist nicht die erste Phase in dieser Spielzeit, in der Sasa Kalajdic und Co. eine Torflaute haben. So sieht es auch Pellegrino Matarazzo: Sein Team habe Probleme damit, gegen "kompakt und tief stehende Gegner" Torchancen herauszuspielen. Natürlich setzt der VfB-Coach im Training die nötigen Inhalte, groß thematisieren wolle er die Offensivschwäche vor dem kommenden Heimspiel aber nicht: "Ich will den Jungs Ruhe geben und Vertrauen schenken, dass sie es bald wieder besser machen."

Problem 4: Angst und zu viel Respekt

Hatten die VfB-Profis auf dem Rasen im Berliner Olympiastadion zu viel Angst? Diese Frage drängte sich nach dem Hertha-Spiel auf. Chris Führich und Co. wirkten phasenweise verunsichert und gelähmt. Zweikämpfe wurden nicht konsequent geführt, auf dem Platz war kaum Präsenz zu spüren. Auch Pellegrino Matarzzo ist das aufgefallen. Der Trainer will aber nicht von Angst sprechen, sondern: "Wir hatten zu großen Respekt vor der Situation, zu viel Anspannung." 

Seine Profis hätten in Berlin nicht die nötige Lockerheit gehabt, um sich und ihre spielerischen Qualitäten entfalten zu können. "Wenn man zu verkrampft ist, dann läuft es nicht", so das Fazit des VfB-Trainers. In dieser Trainingswoche habe er daher viele Einzelgespräche mit den Spielern geführt, um die Köpfe der Spieler freizubekommen. "Der wichtigste Schwerpunkt war, die Jungs wieder aufzurichten." 

Ob das geklappt hat, wird sich am Samstagnachmittag gegen Wolfsburg zeigen.