VfB Stuttgart

Auch Tim Walter mag, wenn’s kracht

Nachmittagseinheit VfB-Trainingslager in St. Gallen_08.07.2019_0
Immer volle Pulle: Cheftrainer Tim Walter bei der Arbeit. © ZVW/Danny Galm

St. Gallen.
Die Trainingsanlagen des VfB Stuttgart in der Schweiz liegen am Rand eines kleinen Wohngebiets in der Gemeinde Abtwil, einer Ortschaft im Kanton St. Gallen. Hinter den zwei Naturrasenplätzen und dem Kunstrasenfeld des FC Abtwil-Engelburg stehen noch ein paar Schrebergärten und der Wisenbach schlängelt sich versteckt hinter großen Bäumen durch die Landschaft. Dann kommt die Autobahn. Doch nicht der Verkehrslärm der A1 bringt die Anwohner in diesen Tagen um ihre wohlverdiente Ruhe, sondern ein 1,92 Meter großer Fußballlehrer aus Bruchsal.  

Wutausbrüche und flotte Sprüche

Den Krach der vorbeidonnernden 40-Tonner übertönt VfB-Cheftrainer Tim Walter locker. Der 43-Jährige gibt klare Ansagen, ist ständig am coachen, kritisieren, loben. Wer sich dem Platz nähert, der hört Walter schon von weitem.

Mal sind es flotte Sprüche („Nico, du spielst Bälle wie meine Oma!“), dann wieder Wutausbrüche, wenn eine Übung nicht sauber ausgeführt wird („Ein Drecks-Ball war das!“). Mit Walter und seinem Team um die Co-Trainer Rainer Widmayer, Rainer Ulrich, Michael Wimmer und Torwarttrainer Uwe Gospodarek hat ein frischer Wind beim Traditionsverein aus Bad Cannstatt Einzug erhalten. Die Bild-Zeitung schreibt: „16 Trainer versuchten sich in den letzten zehn Jahren am VfB. Doch so einen Typ wie den neuen Chefcoach Tim Walter gab es noch nie.“

Walter ist ein Typ mit Ecken und Kanten. Ein Trainer, der aus dem Nachwuchsbereich kommt und für seine impulsive und kommunikative Art bekannt ist. Und genau so einen Coach wollten Sportvorstand Thomas Hitzlsperger und Sportdirektor Sven Mislintat für ihr Projekt. „Als wir mit ihm gesprochen haben, haben wir den Tim Walter getroffen, der jetzt auf dem Trainingsplatz steht. Ein selbstbewusster, junger Trainer, der Ziele hat, die er erreichen will und dafür viel investiert“, erklärte Hitzlsperger bereits im ersten Trainingslager in Kitzbühel. 

Neue Hierarchien müssen sich bilden

Der gebürtige Bruchsaler trägt das Herz auf der Zunge und kommentiert nahezu jede Szene. Walter fordert viel von seiner Mannschaft - aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Ebenso häufig wie er fluchend eine Spielform unterbricht sieht man den Cheftrainer mit einem breiten Grinsen über den Platz laufen oder beim „Eckle“ selbst mitmischen.Innerhalb von wenigen Wochen muss der neue Stuttgarter Trainer der komplett umgekrempelten Mannschaft seine komplexe Spielidee vermitteln. Ende Juli startet bereits die Mission Wiederaufstieg mit einem Heimspiel gegen den Mitabsteiger Hannover 96. Bis dahin sollen die VfB-Profis den Fußball à la Tim Walter - Mut zum Risiko, hohes Pressing, viele Flachpässe, der Torwart als elfter Feldspieler - verinnerlicht haben. 

Auch müssen sich in der Vorbereitung ein neuer Teamgeist und neue Hierarchien bilden. Alle Spieler starten bei Null. „Es gibt keine Erbhöfe“, so Sportdirektor Mislintat. Mannschaftsabende mit kreativen „Schlag-den-Raab-Spielen“ sollen das Zusammengehörigkeitsgefühl der Truppe stärken. Bestrafungen für das Verliererteam der Mannschaft einen Siegeswillen einpflanzen. „Es ist ganz, ganz wichtig, diese Mentalität reinzubringen, dass wir gewinnen wollen. In jedem Training, in jedem Testspiel“, sagt Sportvorstand Hitzlsperger.

Der VfB präsentiert sich in der Schweiz fannah

In St. Gallen präsentiert sich der VfB-Tross fannah, als eine Truppe zum Anfassen. Selfie- und Autogrammjäger kommen in der Schweiz voll auf ihre Kosten. Fans und Journalisten können dem Trainer sogar bei der Video-Analyse direkt am Trainingsplatz über die Schulter schauen. Zudem sucht Sportdirektor Sven Mislintat immer wieder das Gespräch mit den mitgereisten Anhängern und gibt sich dabei betont locker und bodenständig. Alles in allem herrscht - so der Eindruck von außen - eine gute Atmosphäre. „Das macht wirklich Spaß“, sagt Mislintat. „Was ich hier sehe, ist eine richtig geile Gruppendynamik.“

Die Trainingseinheiten sind intensiv und fordernd. In jeder Spiel- und Übungsform ist eine Menge Feuer drin „Ich mag, wenn's kracht“, hat Liverpool-Coach Jürgen Klopp einmal gesagt haben. Diese Aussage könnte auch von Tim Walter stammen. So hitzig wie es während des Trainings auf dem Platz zugeht, so gelöst ist die Stimmung nach den Einheiten. Es wird viel gelacht und beim Lattenschießen noch das eine oder andere Privatduell ausgetragen.

Die dunklen Stunden nach dem verlorenen Relegationsspiel und dem damit verbundenen dritten Abstieg der Vereinsgeschichte scheinen in diesen sonnigen Tagen im Appenzellerland weit entfernt. Zu welchen Leistungen die Mannschaft von Tim Walter allerdings fähig ist, wird sich erst im Laufe der Runde zeigen. 


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