VfB Stuttgart

Auf Dauer im "Paradies" 2. Liga?

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"Sagt mal: Wollen wir nicht einfach in der 2. Liga bleiben? So auf Dauer?" Einigen VfB-Fans gefällt es in der 2. Liga offenbar ganz gut. © Sarah Utz

Stuttgart.
Der VfB Stuttgart steht nach 15 Spieltagen an der Tabellenspitze der 2. Liga und hat das große Ziel Wiederaufstieg fest im Blick. Graute es vielen VfB-Anhängern nach dem Abstieg im Mai vor dem Fußball-Unterhaus, so scheint es, als haben sich einige Anhänger - nach knapp einer halben Spielzeit in der 2. Liga - mit den Begebenheiten im Unterhaus angefreundet. Nach dem gnadenlos effizienten 4:0-Sieg in Aue kursierte beispielsweise folgender Tweet im Netz:

„Scheiße gespielt“ ist mit Sicherheit ein wenig übertrieben und nicht sauber formuliert, aber auch VfB-Cheftrainer Hannes Wolf war mit dem Auftritt in Aue nur bedingt zufrieden. Vor dem Spiel hatte der Coach angekündigt das Spiel gegen den FC Erzgebirge wie ein "Spitzenspiel" angehen zu wollen. Im Anschluss freute er sich zwar sehr über das Resultat ("Wenn uns vor dem Spiel jemand gesagt hätte, dass wir hier 4:0 gewinnen, hätten wir das mit Sicherheit unterschrieben"), fügte aber umgehend hinzu, dass "das Ergebnis das Spiel aber nur bedingt widergespiegelt" hatte.

"Wollen wir nicht einfach in der 2. Liga bleiben?"

Die Blogger von „Vertikalpass.de“ spielten nun Anfang der Woche mit dem Gedanken nun doch etwas länger im Fußball-Unterhaus bleiben zu wollen: „Sagt mal: Wollen wir nicht einfach in der 2. Liga bleiben? So auf Dauer? Und wirklich der FC Bayern München im ersten Untergeschoss werden? Wäre das nicht besser, als wieder in der ersten Liga gegen den Abstieg zu kicken und zum Gespött der Fußballfans zu werden? Wollen wir wirklich wieder so werden wie der HSV oder Werder Bremen?“

Die 2. Liga sei im Vergleich zur Bundesliga ein „wahres Paradies“: Familienfreundliche Anstoßzeiten, Liveübertragungen im Free-TV, Kabinenfeste nach Derby-Erfolgen und ein immer gut gefülltes Stadion. Fakt ist: Die 2. Liga hat im Vergleich zur Bundesliga wahrhaftig mehr Charme. Auswärtsspiele im Erzgebirge oder im traditionsträchtigen Fritz-Walter-Stadion sind deutlich stimmungsvoller, als ein Gastspiel in Ingolstadt oder in Sinsheim. Einige Fans sind der Meinung der VfB spielt jetzt dort, wo der Fußball noch echt ist und nach Gras riecht.

Nur der Blick durch die rosarote Fan-Brille?

Doch sind solche Gedankenspiele nur der Bick durch die rosarote Fan-Brille, mit der die VfB-Anhänger auf die Realität im Unterhaus blicken? Fakt ist nämlich auch: Sportlich ist die 2. Liga ein deutlicher Rückschritt im Vergleich zur Bundesliga. Die Qualität der fußballerischen Darbietungen. Die ist, soviel lässt sich nach einem ersten Streifzug durchs Unterhaus feststellen, bisweilen eher dürftig. Sprichwörtlich zweitklassig eben, mit großen Unterschieden zu dem, was gemeinhin in der Beletage des Fußballs geboten wird.

„Der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist deutlich“, findet auch VfB-Sportvorstand Jan Schindelmeiser. Der Sportvorstand sieht den VfB zudem auf Dauer nicht in Liga 2: „Ich habe keine Lust auf Mittelmaß und ich denke sie auch nicht.“ Auf der Mitgliederversammlung im Oktober erntete der Sportvorstand großen Beifall für seine Aufforderung zum Durchhalten: „Halten sie durch! Gemeinsam kriegen wir das hin. Wäre doch geil, wenn wir hier im Mai zusammensitzen und eine große Party feiern.“

Endlich wieder die Bayern ärgern

Fußball-Feingeist Hannes Wolf akzeptiert die 2. Liga zwar als „Ist-Zustand“ möchte die Spielklasse aber auf kurz oder lang verlassen: „Der Aufstieg ist ein Fernziel, ein Wunsch und ein Traum und wir müssen alle zusammen alles geben, um diesen Traum zu verwirklichen“, so Wolf auf seiner Antrittspressekonferenz.

Und auch der Großteil der VfB-Fans wünscht sich nichts sehnlicher, als die direkte Rückkehr in die Bundesliga. Schließlich warten auch dort stimmungsvolle Stadien und großartige Fans. Endlich wieder vor der „gelben Wand“ im Dortmunder Westfalenstadion vor 80 000 Zuschauern zu spielen, oder den großen FC Bayern München in der heimischen Arena ärgern und dem neuen alten Bayern-Präsident Uli Hoeneß die Zornesröte ins Gesicht trieben. Das hat schließlich auch seinen Reiz.


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