VfB Stuttgart

Beim VfB lahmt die Offensive

VfB Stuttgart - Fortuna Düsseldorf_0
Stürmer Nicolas Gonzalez ist der Verzweiflung nahe © ZVW/Felix Arnold

Stuttgart.
Als "offene Partie" bezeichnete Torhüter Ron-Robert Zieler das Duell am Freitagabend zwischen dem VfB Stuttgart und Fortuna Düsseldorf. Dem Heimteam fehlte es an Kreativität und Durchschlagskraft im letzen Drittel - die Fortuna ließ häufig die nötige Kaltschnäuzigkeit vermissen und biss sich am starken VfB-Keeper einige Male die Zähne aus.

Wie das 0:0 zwischen Stuttgart und Düsseldorf zustande kam, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

VfB-Trainer Tayfun Korkut rotierte im Vergleich zum Remis in Freiburg nur auf einer Position: Für Sechser Dennis Aogo rückte Flügelstürmer Chadrac Akolo in die Startelf. Mittelfeldspieler Daniel Didavi hatte bis zuletzt gehofft, es zumindest in den Kader zu schaffen. Letzendlich waren die Schmerzen an der Achillessehne zu stark - der 28-Jährige stand nicht im Aufgebot.

Auch das Spielsystem veränderte Korkut nur in Nuancen. Der VfB trat in einem kompakten 4-2-3-1 auf - mit Nicolas Gonzalez und Chadrac Akolo auf den Flügeln sowie Kapitän Christian Gentner auf einer offensiv ausgerichteten Position im zentralen Mittelfeld. Mario Gomez agierte als einzige nominelle Spitze. Defensiv bildeten Gonzalo Castro und Santiago Ascacibar die Doppel-Sechs.

Spielidee und Taktik

Beide Außenverteidiger des VfB standen gegen Düsseldorf deutlich höher als das noch in Freiburg der Fall war. So kam der VfB zu Beginn besser ins Spiel und war in der Anfangsphase das deutlich aktivere Team. In einigen Momenten wartete die Korkut-Elf eher ab, was das Team von Friedhelm Funkel ihnen anbot - phasenweise attackierten die Brustring-Kicker ihre Gegner früh.

Dadurch boten sich immer wieder Räume für die Fortuna zum Kontern. Die schnellen Gegenangriffe der Düsseldorfer konnten zumeist abgefangen werden. Großen Anteil daran hatte der laufstarke Kapitän Christian Gentner, der viele weite Wege machte und so Löcher im Abwehrverbund stopfte.

Ein weiteres klassiches Element des VfB-Spiels unter Tayfun Korkut kam auch im Heimspiel gegen den Aufstieger vermehrt zum Einsatz: lange Bälle aus einer gut organisierten Abwehrreihe heraus. So begann das Aufbauspiel bereits bei Torhüter Ron-Robert Zieler sowie den beiden Innenverteidigern Benjamin Pavard und Timo Baumgartl. Die beiden Jungspunde in der VfB-Defensive versuchten immer wieder mit weiten Flug- und Diagonalbällen das Mittelfeld schnell zu überbrücken und so die Offensivspieler in Szene zu setzen.

Spielentscheider

Das Freitagabendspiel war geprägt von Fehlern und Unzulänglichkeiten auf beiden Seiten. Neben einem in der zweiten Halbzeit glänzend aufgelegten Ron-Robert Zieler im VfB-Tor war es vor allem die fehlende Cleverness auf Seiten der Gäste, die dafür sorgte, dass sich Tayfun Korkut und sein Team zumindest über einen Punkt freuen durften. Das torlose Remis stand über weite Strecken unter dem Motto: "Die einen können nicht - die anderen wollen nicht so recht".

Während sich die Gäste größtenteils aufs Kontern verließen und den Fokus erst einmal auf eine gut stehende Abwehr legten, versuchte der VfB zwar viel - meist fehlte jedoch die Überzeugung oder der letzte Zug zum Tor.

Der jungen Mannschaft war der Druck anzumerken, unter dem der VfB und sein Coach nach schlechtem Saisonstart stehen. Fast konnte man den Eindruck gewinnen, die Beine der Spieler seien ob der über 54.000 Zuschauer in der Arena etwas schwer gewesen. 

Der VfB versuchte zwar viel nach vorne, sodass man der Mannschaft den Willen nicht absprechen kann, zu oft fehlte jedoch die nötige Zielstrebigkeit und Durchschlagskraft im letzten Drittel. Gegen eine defensiv gut organisierte und sicher stehende Defensive der Gäste fiel der Stuttgarter Kreativzentrale um Gonzalo Castro und Christian Gentner zu wenig ein. #

Gerade unter den offensiven Akteuren stimmten Abstimmung und Laufwege nur selten. Die Stürmer scheinen sich erst noch aneinander gewöhnen zu müssen. Dies braucht Zeit, die man im unruhigen Umfeld rund um den Club aus Cannstatt nicht hat.

Mit einem Hauch mehr Kaltschnäuzigkeit hätte Düsseldorf durchaus die drei Punkte aus dem Schwabenland entführen können. Die Gäste auf Fehler im Spiel des VfB, um so zu aussichtsreichen Konter-Gelegenheiten zu kommen. Diese wurden jedoch zu hektisch und unsauber zu Ende gespielt. Gerade in diesen Umschaltmomenten hatte Fortuna Düsseldorf an diesem Abend einen wunden Punkt beim VfB ausgemacht.

Am Ende verzweifelte die Gäste förmlich an VfB-Torhüter Zieler, der mit fortschreitender Spieldauer zum Matchwinner auf Seiten des VfB avancierte. Der Ex-Nationalkeeper parierte einige Male stark als die Gäste nach ruhenden Bällen per Kopf gefährlich wurden.

Auf den Punkt gebracht

VfB-Trainer Tayfun Korkut war nach dem Spiel "ein Stück weit enttäuscht". "Das war ein unruhiges Spiel von uns. Wir haben vorne einige Möglichkeiten liegen gelassen". Am Ende musste man vor heimischem Publikum ins Risiko gehen und habe so "den ein oder anderen Konter zugelassen".

"Wir müssen mit dem Punkt leben und versuchen, nun in Leipzig endlich den ersten Dreier zu setzen", gibt sich Korkut kämpferisch - was zunächst einmal nach Durchhalteparolen klingt.

Sein Torhüter Ron-Rober Zieler ging nach dem Spiel etwas kritischer mit seiner Mannschaft ins Gericht: "Mit unserer Qualität müssen wir so ein Spiel eigentlich für uns entscheiden", sagte er nach der Partie am Sky-Mikrofon. Der 29-Jährige Keeper sprach von einem "offenen Spiel", welches die Zuschauer da zu sehen bekamen. Für den Gegner hat der Weltmeister von 2014 auch ein kurzes Lob übrig: "Die Fortuna hat heute sehr mutig gespielt", so Zieler.

Während man beim VfB eher enttäuscht ist ob des Resultats, gab Friedhelm Funkel auf der Spieltags-PK zu, dass er mit dem Auftritt seiner Mannschaft "sehr zufrieden" ist. "Die Leistung heute hat gestimmt. Wir haben an unsere guten Spiele zuletzt anknüpfen können". Das Unentschieden geht in Ordnung, so Funkel, dem vor allem die guten Standards gefielen.

Der Fortuna-Coach hat seinem Team nur eine Sache vorzuwerfen: "Wir hätten die Kontersituationen noch sauberer ausspielen können. Dann wäre hier sogar noch mehr drin gewesen."

Ausblick

In der englischen Woche ist der VfB Stuttgart am Mittwochabend bei RB Leipzig zu Gast. Anpfiff der Partie gegen den Europa-League-Teilnehmer ist um 20.30 Uhr (ZVW-Liveticker). Fortuna Düsseldorf empfängt am fünften Spieltag Bayer 04 Leverkusen. Anpfiff ist am Mittwoch um 18.30 Uhr.